Auf dem Programm der ArchitekTour am 09. Juni 2026
veranstaltet von der Heinze GmbH in Frankfurt standen
mehrere Vorträge aus verschiedenen Sparten
der Architekturbüros und der an der Veranstaltung
teilnehmenden Branchenunternehmen, die aus mancher
Hinsicht durchaus informativ waren, um in Erinnerung
behalten zu werden. Hierzu gehört auch der Kurzvortrag
von Architektin Antje Sommerkamp: "Neues Bauen neu
gedacht" über ihr umgestaltetes Ernst-May-Wohnhaus.
Ein Trendsetter in Bezug auf die zahlreichen
Jubiläen, die gerade in Zusammenhang mit dem neuen Bauen
gefeiert werden. Sie ging zudem als Gewinnerin aus dem
veranstaltungsinternen Wettbewerb als bestes
Architekturbüro hervor, das die meisten Besucher
Pluspunkte bekam.
|
|
 |
| |
Architektin Antje Sommerkamp
am 09. Juni während ihres Kurzvortrags
"Neues Bauen, Neu gedacht" anlässlich
ArchitekTour 2026 im Kap Europa, Foto (c)
Kulturexpress |
"Neues Bauen neu gedacht" kam im Laufe
des Jahres 2026
schon auf mehreren Veranstaltungen durch die Referentin zur
Sprache, so dass sich Inhalte wiederholten, aber nicht langweilig wurden. Denn es gelang der Vortragenden die
Sympathien auf sich zu ziehen und für ihr Projekt stark
zu machen. Etwas sonniges geht davon aus, wenn sie vom
häuslichen Glück in Praunheim erzählt, das sie
ihrer Familie zuliebe geschaffen hat. Immer im
Kontext zu den baulichen Veränderungen, die anstehen und
zum Ziel die Bewohnbarkeit des Hauses mit modernen
Ausstattungsmerkmalen haben.
Sie sprach nicht
nur anlässlich der ArchitekTour 2026, sondern hielt den
oder einen ähnlich gedachten Vortrag auch zum "Tag der
Architektur" der Architektenklammer Hessen, am 25. Juni
in Frankfurt-Rödelheim in der Cyriakuskirche zum
gleichen Thema.
Dabei stand vor allem das Thema „Wohnen“ im Vordergrund.
Die Planer*innen ausgewählter Projekte stellten ihre
Arbeiten persönlich vor. Neben Antje Sommerkamp sprach
auch der Architekt Stefan Forster über sein Projekt
Aufstockungen "Nachverdichtung in der Platensiedlung".
Das Architekturbüro Stefan Forster war zudem zu Gast auf
der ArchiekTour am 09. Juni im Kap Europa. Referentin
Carla Roth, Projektarchitektin, sprach zum Thema "Wohnen
am Weißen Stein". Das Neubauvorhaben „Weißer Stein“
liegt am gleichnamigen Platz im Zentrum von
Frankfurt-Eschersheim. Mit 20 Wohn- und vier
Gewerbeeinheiten leistet das Projekt einen Beitrag zu
einer urbanen Mischnutzung. Damit wird deutlich, wie
bedeutsam Bauprojekte auch aus einem aktuellen
Tagesgeschehen heraus Wirkung haben, gerade wenn sie im regionalen Kontext
gesehen werden.
|

|
|
|
Antje Sommerkamp am 25. Juni
anlässlich des Tags der Architektur in der
Cyriakuskirche in Frankfurt Rödelheim zum
Thema: "Neues
Bauen neu gedacht – Umbau und Sanierung des
Ernst-May-Hauses"
Foto (c) Kulturexpress
|
|
Antje Sommerkamp betonte, den aktuellen Vortrag über ihr
Wohnhaus nur so lange fortsetzen zu wollen, so lange die
Bauarbeiten laufen. Damit sei das Thema erschöpft. Danach soll
wieder Ruhe im umgebauten Haus einkehren, Bewohnbarkeit
und Wohnlichkeit sollen überwiegen, schließlich wohnen
ihre Kinder im Haus, die ihr zu Hause dringend brauchen
und kein Museum mit Besuchern wollen, das von allen
Seiten her bestaunt wird. Wenn es nur genug von diesen
Ernst-May-Häusern im Frankfurter Stadtraum gäbe, die zur
Verfügung stünden, zur Vermietung oder zum Verkauf, dann könnte
sich jeder etwas vom Kuchen abschneiden und sein zu Hause einrichten.
Die Architektin hatte ein 100 Jahre altes Reihenhaus von
Ernst May aus dem Jahr 1926 in Frankfurt-Praunheim
2024/2025 aufwendig und ressourcenschonend für ihre
Familie umgebaut. Diese Arbeiten zogen sich bis in das
Jahr 2026 hinein. Das Projekt verbindet die historische
Architektur des „Neuen Frankfurt“ mit eigenen
Wohnansprüchen. Man kann kritisch über diese Häuser
denken, denn sie sind von der Größe nicht gerade üppig
gestaltet, es wurde gespart wo es nur ging und nur an
das notwendigste gedacht. Sie sind schon sehr stark
durch den Bauhausstil und die Reformarchitektur
beeinflusst. Einen Hans Poelzig beispielsweise konnte
eine solche Architektur nicht beeindrucken, er blieb bei
Einfamilienhäusern im Landhausstil, wobei sein Stil
unnachahmlich, urheberrechtlich geschützt ist. Das barocke stand Poelzig stets näher, was
schließlich von je her zu den Tugenden des Deutschen
zählte, Barock zu sein. Das steht im Widerspruch
zu Ernst Mays Architektur und seinen Nachfolgern.
Doch Antje Sommerkamp ging es von Anfang an um etwas
anderes bei ihrer Planung. Es gibt kaum etwas Schöneres
auf der Welt, als das eigene Zuhause entwerfen zu
dürfen. Ein Grundbedürfnis. In manchen skandinavischen Ländern wird das Einrichten der
Wohnung als eigenes Unterrichtsfach für Leben und Praxis
gelehrt. In der Praunheimer May-Siedlung wurde der
Wunsch zur Wirklichkeit. Die Familie von Antje
Sommerkamp lebt seit längerem in Praunheim – sie sind
mittlerweile dort ansässig geworden. Die Architektin sah
es als ihre persönliche Aufgabe an, Merkmale des
Bestandsgebäudes auch nach dem Umbau beizubehalten, was
nicht nur aus Gründen des Denkmalschutzes geschah. Dazu
gehört der Anbau im Erdgeschoss und die Suche nach
Möglichkeiten räumliche Weite im sparsam ausgestatteten
Haus zu verwirklichen.
Nichttragende Wände im Erdgeschoss wurden entfernt. Alte
Klinkersteine wurden ausgebaut, gereinigt und sichtbar
in die Klinkerwand des Gebäudes integriert. Das Material
stammte aus den Praunheimer Lehmgruben von 1926. Das
Material schafft in seiner Authentizität den direkten
Bezug zum Haus und seiner Umgebung. Auch der
ursprüngliche Dielenboden wurde freigelegt und
aufgearbeitet. In der früheren Küche und im Anbau kam
Estrich als Bodenbelag hinzu.
Die durchgängige Farbgebung soll sinnstiftend eingesetzt
werden, um alt und neu zu einem Gesamtbild des Hauses zu
verbinden. Grundsätzlich soll der ursprüngliche
Grundriss des Hauses jedoch erkennbar bleiben. Darauf
wurde Wert gelegt. Die Nähe zum „Neuen Bauen” wird
besonders in der Küche sichtbar, in der Elemente der
Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky
aufgegriffen und zeitgemäß interpretiert wurden.
Energetische Maßnahmen sind oft unsichtbar – und doch
entscheidend. Im Rahmen der Sanierung wurden Fassade und
Dach gedämmt, neue Fenster eingesetzt sowie der
Kellerboden erneuert, um ihn von unten dämmen zu können.
Die feuchten Kellerwände erhielten eine neue
Außenabdichtung und frische Fugen. Der Einbau einer
Luftwärmepumpe ist vorbereitet und kann problemlos
nachgerüstet werden.
Das Bad im 1. Stock wurde mit einer durchsichtigen
Glaswand ausgestattet. Zum einen blieb auf diese Weise
der vorgegebene Grundriss erhalten, zum anderen entstand
Lichtdurchlässigkeit, was sonst einem zu klein geratenen
Bad und angrenzenden Flur die Räumlichkeit genommen
hätte.
Stefan
Forster GmbH - Nachverdichtung Platensiedlung
|

|
|
|
Gesprächsrunde am 25. Juni in
der Cyriakuskirche in Frankfurt-Rödelheim,
v.l.n.r.: Thomas Burlon und Manuel Mauder,
Antje Sommerkamp, Holger Zimmer, Stefan
Forster und Mechthild Harting diskutierten
zum Thema „Wohnen“ |
|
Stefan Forster berichtete am 25. Juni persönlich über
sein Projekt der Nachverdichtung in der Platensiedlung,
was durchaus dazu veranlagt ist Vorbildcharakter auf
ähnlich gelagerte Bauvorhaben für das gesamte
Bundesgebiet zu nehmen. Dafür setzen sich Architekt und
Büro jedenfalls ein, indem er das Bauprojekt
Nachverdichtung in der Platensiedlung favorisiert. Die
Moderation des Abends hatte FAZ-Redakteurin, Mechthild
Harting.
Die umfangreiche Verdichtung des nördlichen Teils der
Siedlung sah mehrere bauliche Veränderungen der
vorhandenen Bauten vor, insbesondre mit Blick auf die
Dachaufstockungen der Platensiedlung in Hybridbauweise,
Holz und Beton. Stefan Forster berichtete anschaulich
von den Hindernissen, mit denen während der Bauphase zu
rechnen war. Nicht zuletzt beeinflussten geschönte, vom
umherstehenden Sperrmüll befreite Fotos, die
Präsentation des Projektes während des Vortrags.
Dächer der bestehenden Siedlungsbauten wurden
zurückgebaut und mittels einer modular aufgebauten
Holzkonstruktion von drei auf fünf Geschosse
aufgestockt. Anschließend wurden die Zeilen um
sechsgeschossige Kopfbauten ergänzt, die in Form von
Endhäusern, Brückenbauten und Torhäusern aufwarten.
Hierdurch entstand eine veränderte Bebauungsstruktur
innerhalb der Platensiedlung. Die Kombination von
architektonisch-städtebaulichen Strategien zur
Aktivierung von Außenräumen und der Schaffung von
bezahlbarem Wohnraum für alle Schichten machen den Umbau
der Platensiedlung zu einem Modellprojekt nachhaltiger
Stadtentwicklung.
 |
 |
|
Carla Roth von der Stefan Forster
GmbH referierte am 09. Juni im Kap Europa |
Durch die Aufstockung und die ergänzenden Neubauten
entstehen 681 neue, bezahlbare Wohnungen auf einer
bereits erschlossenen Fläche. Die Hälfte der neuen
Wohnungen entsteht im geförderten Wohnungsbau, 177
weitere Wohneinheiten sind für Studierende reserviert.
Die Wohnraumförderung verteilt sich wiederum auf den
ersten und zweiten Förderweg. Die Mischung von frei
finanzierten und geförderten Mietwohnungen sowie
Studierenden-Appartements ermöglicht eine vielfältige
Nachbarschaft. Durch die kommunale Trägerschaft der ABG
Frankfurt Holding kann zudem garantiert werden, dass der
neu geschaffene Wohnraum dauerhaft bezahlbar bleibt.
Durch moderne Verfahren, wie die serielle Vorfertigung
der Holzbauten auf dem Bestandsgebäude, werden die
Baukosten reduziert.
Abschließende
Diskussionsrunde auf der ArchitekTour 2026 in Frankfurt
|
|
 |
| |
Auf dem Podium
links, Peter Cachola Schmal, mittig,
Klaus G. Füner und Dr. Matthias Alexander
|
Gegen Ende
der Veranstaltung am 09. Juni der ArchitekTour im Kap
Europa setzte sich eine Diskussionsrunde auf das Podium
und diskutierte zum Thema: "So sehen die besten
Bauten in ganz Deutschland aus? Der DAM-Preis 2026 –
Schönheit und Eleganz? Fehlanzeige!". Es diskutierten
Peter Cachola Schmal, Direktor Deutsches
Architekturmuseum und Dr. Matthias Alexander,
Chefredakteur Frankfurter Allgemeine Zeitung. Sie
lieferten sich den Disput zum Thema und Klaus G. Füner von der
Heinze GmbH moderierte. Thematisch bezog sich die Runde
auf einen Beitrag, der in der F.A.Z. erschienen war. In
dem gefordert wird, die DAM-Preisvergabe kritisch zu
betrachten, besonders vor dem Hintergrund, die
getroffene Auswahl der Preisträger sei ideologisch
einseitig, was sich letztlich immer auf Kosten der
Schönheit im eigentlichen Sinne des Wortes und in Bezug
auf die Architektur auswirke. Der DAM-Preis sei doch
nicht in die Welt gerufen worden, um ökologische
Standpunkte zu prämieren, sondern um die besten und
schönsten Häuser mit dem Preis auszuzeichnen. Die
Antwort lautete, das Anforderungen der Gegenwart gerade
beim Bauen eine ökologische und ressourcenschonende
Herangehensweise einfordern. Es ist im übrigen die
Pflicht, ökologische Kriterien bei der Auswahl im Bauen
und den Standards verstärkt anzuwenden. R.M.
Siehe auch:
ArchitekTOUR im Juni auf Tour in Frankfurt - Teil 1