Regionalkonferenz in Hattersheim: Inklusiv gestalten - Infrastrukturen im Bestand - Teil 1

 

   

Landes- und Bundesarchitektenkammer (AK Hessen und BAK) luden gemeinsam zur Regionalkonferenz "Inklusiv gestalten – Infrastrukturen im Bestand" ein. Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, Mitinitiator der Veranstaltung, war Teilnehmer am 06. Mai 2026 in der weitgehend barrierefreien Hattersheimer Stadthalle, die als überschaubarer Rundbau konzipiert ist und durch mehrere Säle vergrößert werden kann.

 

Die Moderation während der gesamten Regionalkonferenz übernahm die bekannte ZDF-Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein. Den Auftakt der Veranstaltung bildeten eine Reihe an Impulsvorträgen, mit überwiegenden Positivbeispielen aus der baulichen Praxis, die Einblicke in eine politisch verfahrene Situation geben. Wie sollen Menschen mit Beeinträchtigungen besser zurecht kommen, wenn von vornherein durch Defizite bei der Bauplanung diesen Menschen der Zugang an einer Teilhabe verweigert wird? Mit Handlungsanweisungen wurde versucht auf Sachverhalte hinzuweisen, die dazu auffordern, konkrete Gegenmaßnahmen zu ergreifen gegen Einfallslosigkeit und Ausgrenzung. Unsere Lebenswelt ist noch nicht so wie sie sein sollte, es gibt in vieler Hinsicht noch viel zu erfinden und zu erneuern. Überall müssen die Spielräume dafür erst noch richtig austariert werden, bevor sie einer Vielzahl an Menschen und Bürgern zugänglich gemacht werden und als barrierefrei gelten. Barrierefreiheit sollte immer ein Grundrecht des Menschen bleiben bei allen Anforderungen. Das gilt insbesondere für den Städtebau. Doch leichter gesagt, als getan. Sowohl Gesellschaft als auch Gesetzgeber tun sich schwer, Einsehen zu zeigen, um mit der notwendigen Anteilnahme auf die Forderungen nach einer barrierefreien Umwelt zu reagieren. Andere Gesellschaften sind oftmals fortschrittlicher als in Deutschland. Woran das liegt, ist mit Vernunft kaum zu erklären. Größtenteils herrscht pure Ignoranz. Dabei gehört gar nicht viel dazu, um Rücksicht auf die Belange anderer Menschen mit Beeinträchtigungen und deren Menschenwürde zu nehmen. Das sollte intuitiv erfasst sein bei der Planung und auf einem natürlichen Erbe der Menschheit beruhen, die sich auch um die Schwächeren in der Gesellschaft kümmert und ihnen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gewährt, damit sie sich im täglichen Leben behaupten können. Wenn Rationalisierungseffekte und Kalkulatoren immer mehr die Oberhand gewinnen in einer zunehmend technisierten Umgebung, deren Akteure noch nicht begriffen haben, worum es überhaupt geht oder einfach nur vergessen wollen, wie Menschlichkeit aussieht, auch wenn es nur um ein paar Handgriffe geht, die das Festhalten an einem Geländer erleichtern.

 

Gruppenfoto zum Abschluss der Veranstaltung mit beteiligten Referenten, Foto (c) Kulturexpress

 

Einen Tag später, am 07. Mai, debattierte der Deutsche Bundestag zum Thema Barrierefreiheit. Deutliche Kritik an der Änderung des Behindertengleichstellungsgesetzes hagelte es aus zahlreichen Verbänden, die sich benachteiligt fühlen, obwohl das Ziel der Bundesregierung ist, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich, die Barrierefreiheit umfassend zu verbessern. Aber auch die Opposition und sogar aus den eigenen Reihen war Kritik am Gesetzesentwurf zu hören. R.M.

 

Siehe auch: Schulen zu öffentlich zugänglichen Bildungsorten umgestalten - Teil 2

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 09. Mai 2026