Die Architekten Johan Anrys und Olivier
Cavens von 51N4E, Alessandro Gess und Djamel Klouche von
l´AUC und John und Loik Eyers von Jaspers-Eyers
Architects sowie Jean-Philip Vroninks für den Bauherrn
Befimmo nahmen den Preis bei der feierlichen Verleihung
in der Frankfurter Paulskirche entgegen. Überreicht
wurde der Rreis durch Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für
Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main,
Birgit Dietl-Benzin, Vorständin DekaBank, und Peter
Cachola Schmal, Direktor des Deutschen
Architekturmuseums.
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Preisträger und Juroren bei
der Preisverleihung am 3. November abends in der
Frankfurter Paulskirche, Foto (c)
Kulturexpress |
Das ZIN steht nicht nur für eine architektonische
Erneuerung, sondern auch für einen Paradigmenwechsel im
Hochhausbau: Statt Abriss und Neubau rücken
Transformation, Ressourcenschonung und Nutzungsmischung
in den Mittelpunkt. Die ehemaligen beiden
World-Trade-Center-Türme wurden nicht vollständig
abgebrochen, sondern beide Erschließungskerne sowie die
Untergeschosse wurden beibehalten und in den Neubau
integriert. Zwischen die beiden Türme wurde eine Scheibe
geschoben, die die beiden Hochhäuser zu einem Gebäude
verbindet. Heute wird das ZIN vielfältig genutzt und
Teile sind auch für die Öffentlichkeit frei zugänglich.
Sportvereine trainieren in der Sporthalle, es gibt
Appartements und ein Hotel, einen großen Dachgarten
sowie ein Gewächshaus, das von dem Café des Hotels
mitgenutzt wird. Die flämische Regierung hat ihren Sitz
ins ZIN verlegt.
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Jean-Philip Vroninks |
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Jean-Philip Vroninks, Chief Executive Officer,
Befimmo Real Estate Group betonte: “Wir fühlen uns
zutiefst geehrt, dass ZIN mit dem Internationalen
Hochhaus Preis ausgezeichnet wurde. Für Befimmo
bestätigt dieser Preis unsere Überzeugung, dass das
nachhaltigste Gebäude oft jenes ist, das bereits
existiert. Statt die ehemaligen World-Trade-Center-Türme
abzureißen, haben wir uns entschieden, sie zu
transformieren: Wir haben ihre Struktur erhalten und
ihnen ein neues Leben als gemischt genutzter Ort
gegeben, an dem Menschen arbeiten, wohnen, übernachten
und sich begegnen. ZIN zeigt, dass ein Hochhaus offen,
anpassungsfähig und wirklich mit der Stadt um sich herum
verbunden sein kann. Diese Auszeichnung gehört allen,
die sie möglich gemacht haben: den Architekturbüros
51N4E, l'AUC und Jaspers-Eyers, unseren Partnern und
ausführenden Unternehmen, den Brüsseler Behörden und
unseren eigenen Teams, die an diese mutige Entscheidung
geglaubt haben. Zugleich bestärkt sie unser Engagement
für das Brüsseler Nordviertel, das wir zu einem
lebendigen, lebenswerten Quartier namens BXNord
weiterentwickeln möchten. Wir sehen diese Anerkennung
als Ermutigung, auch künftig auf Wiederverwendung zu
setzen und die Stadt neu zu denken und neu zu erfinden.”
Das Projekt ist Startpunkt einer umfassenden Erneuerung
des Brüsseler Nordquartiers und öffnet sich durch seine
gemischte Nutzung zur Stadt und zur Bevölkerung. Was die
Jury beim 12. Internationalen Hochhaus Preis bewogen
hat, war die Frage danach, welche Rolle das Hochhaus in
Zukunft spielt. Unabhängig von Ästhetik und Funktion war
man sich einig, dass die Fähigkeit eines Hochhauses „ein
guter Nachbar zu sein“ von grundlegender Bedeutung ist.
Sprich: Ein Hochhaus sollte seiner Umgebung etwas
zurückgeben, den Kontext, in dem es steht verbessern und
der Stadt, in der es gebaut wurde, und den Menschen, die
dort wohnen, zugutekommen. Die Jury orientierte sich in
ihrer Entscheidung an der Idee, dass nur ein Hochhaus
gewinnen sollte, das auch in 15 Jahren noch von Relevanz
ist. Eine zusätzliche Frage, die im europäischen Kontext
eine immer größere Bedeutung bekommt, betrifft die
Themen Sanierung und Umbau, und damit einhergehend
Wandlungsfähigkeit und Nutzungsmischung. Der Konsens der
Jury lautete, es sei wesentlich, dass Hochhäuser, die
als „gute Nachbarn“ gelten wollen, nicht monofunktional
sein dürfen, sondern dass sie dazu beitragen sollten,
Stadtzentren und zentrale Geschäftsbezirke
wiederzubeleben.
Daraus resultierend kürte die Jury einstimmig das
Projekt ZIN in Brüssel, Belgien, zum Gewinner des
Internationalen Hochhaus Preises 2026/27. Brian Yang,
Gewinner von 2024 und Vorsitzender der Jury, begründete
die Entscheidung folgendermaßen: „Hochhäuser sollen
nicht länger nur hoch aufragende Symbole der Macht sein.
Es geht vielmehr darum, die Macht zu transformieren, zu
verändern, auf eine Situation zu reagieren. Ich glaube,
es ist wichtig für einen Stadtteil, voller Leben zu
sein, und das kann mit einer Mischung von Büros, Hotels
und Wohnungen wie im ZIN erreicht werden.“
ZIN
stärkt das Viertel, in dem es steht
ZIN überzeugte die Jury als das Hochhaus mit dem
überzeugendsten Gesamtnarrativ: Es zeigt auf, wie sich
das Konzept von Sanierung und Umbau auf ein neues Niveau
heben lässt und wie sich hierbei neue Qualität erreichen
lässt. Dazu kommt, dass ZIN für europäische Verhältnisse
äußerst groß dimensioniert ist. Es bietet mit seinen
10.000 Quadratmetern Fläche einen wichtigen
Anziehungspunkt in einem wenig attraktiven Stadtviertel
und regt im Idealfall neue Bautätigkeit an.
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High-Rise-Award 2026/27 Gewinner
Bekanntgabe am Vormittag des 3.November in den
Räumen der Dekabank, 53.OG in Turm 1/ FOUR |
Ausstellungsansicht im DAM |
Die Jury resümierte, dass das Gebäude in ästhetischer
Hinsicht zwar nicht als besonderer Blickfang wirkt,
gerade darin aber seine besondere Stärke liegt: Wie
Peter Cachola Schmal es ausdrückt, vermag es, „so viel
zu bewirken“, ohne auf ikonische Wirkung abzuzielen. Der
Vorsitzende Brian Yang bestätigte diese Einschätzung:
„Es wirkt wie ein erstaunliches Projekt, das alles
macht, was ein Hochhaus positiv gesehen tun kann: Durch
einen Transformationsprozess sorgt es für Bedeutung und
Qualität und stärkt damit das gesamte Viertel. Es wertet
die Umgebung auf und verfügt über eine tolle interne
Topografie. Die Übergänge zwischen öffentlichem und
privatem Bereich sind hervorragend umgesetzt.“
Das Projekt widersetzt sich dem lautstarken Anspruch
„Hier bin ich“ und legt den Fokus stattdessen auf die
richtige Vermittlung der Botschaft. Während viele der
Hochhäuser in Brüssel klassische Stahl- und
Glas-Monolithen sind, bricht ZIN komplett mit diesem
Leitbild. Die beiden ursprünglichen
World-Trade-Center-Hochhäuser, die hier standen, wurden
bis auf den Kern zurückgebaut. Zwischen ihnen wurde ein
neues Gebäude mit doppelter Geschosshöhe eingefügt, das
sowohl vertikal als auch horizontal Mischnutzungen
fördern soll. Büros, Wohnungen, Hotelzimmer,
Einzelhandel und Grünraum sind miteinander verflochten,
um eine zusammenhängende Einheit zu schaffen, die auch
nachts nie „leblos“ wirkt. Das neue Sockelgebäude aus
Glas auf der einen Seite und der verbindende Turm mit
doppelt hohen Geschossen auf der anderen Seite sorgen im
neuen/alten Gebäude für Vielfalt. Dabei erreichte das
Projekt eine Cradle-to-Cradle-Zertifizierung von 95
Prozent für die verwendeten neuen Materialien, was einen
geschlossenen, endlosen Rohstoffkreislauf statt Abfall
bedeutet – ein noch nie zuvor erreichter Wert für ein
europäisches Mischnutzungsprojekt dieser Größe.
Internationaler Hochhaus Preis