Das mixed-use Hochhaus ZIN in Brüssel von 51N4E, l´AUC und Jaspers-Eyers Architects gewinnt den High-Rise-Award 2026/27

Die Architekten Johan Anrys und Olivier Cavens von 51N4E, Alessandro Gess und Djamel Klouche von l´AUC und John und Loik Eyers von Jaspers-Eyers Architects sowie Jean-Philip Vroninks für den Bauherrn Befimmo nahmen den Preis bei der feierlichen Verleihung in der Frankfurter Paulskirche entgegen. Überreicht wurde der Rreis durch Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main, Birgit Dietl-Benzin, Vorständin DekaBank, und Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums.
 

 

 

Preisträger und Juroren bei der Preisverleihung am 3. November abends in der Frankfurter Paulskirche, Foto (c) Kulturexpress

Das ZIN steht nicht nur für eine architektonische Erneuerung, sondern auch für einen Paradigmenwechsel im Hochhausbau: Statt Abriss und Neubau rücken Transformation, Ressourcenschonung und Nutzungsmischung in den Mittelpunkt. Die ehemaligen beiden World-Trade-Center-Türme wurden nicht vollständig abgebrochen, sondern beide Erschließungskerne sowie die Untergeschosse wurden beibehalten und in den Neubau integriert. Zwischen die beiden Türme wurde eine Scheibe geschoben, die die beiden Hochhäuser zu einem Gebäude verbindet. Heute wird das ZIN vielfältig genutzt und Teile sind auch für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Sportvereine trainieren in der Sporthalle, es gibt Appartements und ein Hotel, einen großen Dachgarten sowie ein Gewächshaus, das von dem Café des Hotels mitgenutzt wird. Die flämische Regierung hat ihren Sitz ins ZIN verlegt.
 

 

Jean-Philip Vroninks

 

Jean-Philip Vroninks, Chief Executive Officer, Befimmo Real Estate Group betonte: “Wir fühlen uns zutiefst geehrt, dass ZIN mit dem Internationalen Hochhaus Preis ausgezeichnet wurde. Für Befimmo bestätigt dieser Preis unsere Überzeugung, dass das nachhaltigste Gebäude oft jenes ist, das bereits existiert. Statt die ehemaligen World-Trade-Center-Türme abzureißen, haben wir uns entschieden, sie zu transformieren: Wir haben ihre Struktur erhalten und ihnen ein neues Leben als gemischt genutzter Ort gegeben, an dem Menschen arbeiten, wohnen, übernachten und sich begegnen. ZIN zeigt, dass ein Hochhaus offen, anpassungsfähig und wirklich mit der Stadt um sich herum verbunden sein kann. Diese Auszeichnung gehört allen, die sie möglich gemacht haben: den Architekturbüros 51N4E, l'AUC und Jaspers-Eyers, unseren Partnern und ausführenden Unternehmen, den Brüsseler Behörden und unseren eigenen Teams, die an diese mutige Entscheidung geglaubt haben. Zugleich bestärkt sie unser Engagement für das Brüsseler Nordviertel, das wir zu einem lebendigen, lebenswerten Quartier namens BXNord weiterentwickeln möchten. Wir sehen diese Anerkennung als Ermutigung, auch künftig auf Wiederverwendung zu setzen und die Stadt neu zu denken und neu zu erfinden.”

 

 

 

 

Das Projekt ist Startpunkt einer umfassenden Erneuerung des Brüsseler Nordquartiers und öffnet sich durch seine gemischte Nutzung zur Stadt und zur Bevölkerung. Was die Jury beim 12. Internationalen Hochhaus Preis bewogen hat, war die Frage danach, welche Rolle das Hochhaus in Zukunft spielt. Unabhängig von Ästhetik und Funktion war man sich einig, dass die Fähigkeit eines Hochhauses „ein guter Nachbar zu sein“ von grundlegender Bedeutung ist. Sprich: Ein Hochhaus sollte seiner Umgebung etwas zurückgeben, den Kontext, in dem es steht verbessern und der Stadt, in der es gebaut wurde, und den Menschen, die dort wohnen, zugutekommen. Die Jury orientierte sich in ihrer Entscheidung an der Idee, dass nur ein Hochhaus gewinnen sollte, das auch in 15 Jahren noch von Relevanz ist. Eine zusätzliche Frage, die im europäischen Kontext eine immer größere Bedeutung bekommt, betrifft die Themen Sanierung und Umbau, und damit einhergehend Wandlungsfähigkeit und Nutzungsmischung. Der Konsens der Jury lautete, es sei wesentlich, dass Hochhäuser, die als „gute Nachbarn“ gelten wollen, nicht monofunktional sein dürfen, sondern dass sie dazu beitragen sollten, Stadtzentren und zentrale Geschäftsbezirke wiederzubeleben.

 

Daraus resultierend kürte die Jury einstimmig das Projekt ZIN in Brüssel, Belgien, zum Gewinner des Internationalen Hochhaus Preises 2026/27. Brian Yang, Gewinner von 2024 und Vorsitzender der Jury, begründete die Entscheidung folgendermaßen: „Hochhäuser sollen nicht länger nur hoch aufragende Symbole der Macht sein. Es geht vielmehr darum, die Macht zu transformieren, zu verändern, auf eine Situation zu reagieren. Ich glaube, es ist wichtig für einen Stadtteil, voller Leben zu sein, und das kann mit einer Mischung von Büros, Hotels und Wohnungen wie im ZIN erreicht werden.“
 

ZIN stärkt das Viertel, in dem es steht
 

ZIN überzeugte die Jury als das Hochhaus mit dem überzeugendsten Gesamtnarrativ: Es zeigt auf, wie sich das Konzept von Sanierung und Umbau auf ein neues Niveau heben lässt und wie sich hierbei neue Qualität erreichen lässt. Dazu kommt, dass ZIN für europäische Verhältnisse äußerst groß dimensioniert ist. Es bietet mit seinen 10.000 Quadratmetern Fläche einen wichtigen Anziehungspunkt in einem wenig attraktiven Stadtviertel und regt im Idealfall neue Bautätigkeit an.
 

High-Rise-Award 2026/27 Gewinner Bekanntgabe am Vormittag des 3.November in den Räumen der Dekabank, 53.OG in Turm 1/ FOUR

 

Ausstellungsansicht im DAM

 

 

Die Jury resümierte, dass das Gebäude in ästhetischer Hinsicht zwar nicht als besonderer Blickfang wirkt, gerade darin aber seine besondere Stärke liegt: Wie Peter Cachola Schmal es ausdrückt, vermag es, „so viel zu bewirken“, ohne auf ikonische Wirkung abzuzielen. Der Vorsitzende Brian Yang bestätigte diese Einschätzung: „Es wirkt wie ein erstaunliches Projekt, das alles macht, was ein Hochhaus positiv gesehen tun kann: Durch einen Transformationsprozess sorgt es für Bedeutung und Qualität und stärkt damit das gesamte Viertel. Es wertet die Umgebung auf und verfügt über eine tolle interne Topografie. Die Übergänge zwischen öffentlichem und privatem Bereich sind hervorragend umgesetzt.“
 

Das Projekt widersetzt sich dem lautstarken Anspruch „Hier bin ich“ und legt den Fokus stattdessen auf die richtige Vermittlung der Botschaft. Während viele der Hochhäuser in Brüssel klassische Stahl- und Glas-Monolithen sind, bricht ZIN komplett mit diesem Leitbild. Die beiden ursprünglichen World-Trade-Center-Hochhäuser, die hier standen, wurden bis auf den Kern zurückgebaut. Zwischen ihnen wurde ein neues Gebäude mit doppelter Geschosshöhe eingefügt, das sowohl vertikal als auch horizontal Mischnutzungen fördern soll. Büros, Wohnungen, Hotelzimmer, Einzelhandel und Grünraum sind miteinander verflochten, um eine zusammenhängende Einheit zu schaffen, die auch nachts nie „leblos“ wirkt. Das neue Sockelgebäude aus Glas auf der einen Seite und der verbindende Turm mit doppelt hohen Geschossen auf der anderen Seite sorgen im neuen/alten Gebäude für Vielfalt. Dabei erreichte das Projekt eine Cradle-to-Cradle-Zertifizierung von 95 Prozent für die verwendeten neuen Materialien, was einen geschlossenen, endlosen Rohstoffkreislauf statt Abfall bedeutet – ein noch nie zuvor erreichter Wert für ein europäisches Mischnutzungsprojekt dieser Größe.

 

Internationaler Hochhaus Preis

 

 
   

 

 
   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 

 vom 04. November 2026