Die in Gedenken an die Verlegerin und
Förderin von Literatur und Übersetzung Monika Schoeller
in Frankfurt am Main eingerichtete Dozentur, die dem
Feld der literarischen Übersetzung gewidmet ist, wird in
diesem Jahr zum dritten Mal besetzt. Im Wintersemester
2026/27 hat die renommierte Übersetzerin und Lyrikerin
Dagmara Kraus die Dozentur inne. Zu Beginn des Semesters
hält sie einen öffentlichen Vortrag (26.11.2026) und am
Ende eine Lesung mit Gespräch (21.1.2027). Im Rahmen des
Begleitseminars ‚Sprach-, Dicht- und Übersetzungskunst:
Dagmara Kraus‘, das unter der Leitung von Prof. Anne
Bohnenkamp und Prof. Caroline Sauter an der
Goethe-Universität stattfindet, hält Dagmara Kraus zwei
ganztägige Workshops ab (27.11.2026 & 22.1.2027), zu
denen auch externe Interessierte herzlich eingeladen
sind. Polnisch- bzw. Französisch-Kenntnisse werden für
die Workshop-Teilnahme nicht vorausgesetzt. Die
Teilnahme an allen Veranstaltungen ist kostenlos.
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Dagmara Kraus (c) Sameer Khan
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Initiiert und
getragen wird die Dozentur von der S. Fischer Stiftung
und dem Freien Deutschen Hochstift in Zusammenarbeit mit
dem Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik
sowie mit dem Institut für Allgemeine und Vergleichende
Literaturwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt
am Main.
Über
Dagmara Kraus
Als Übersetzerin überträgt Dagmara Kraus polnische und
französische Texte ins Deutsche. Ihr Interesse gilt
Werken, die sprachliche und literarische Konventionen
infrage stellen, etwa den wortschöpferischen Gedichten
Miron Białoszewskis oder den auf „contraintes“
basierenden Arbeiten des Oulipo-Mitglieds Frédéric
Forte. Sie ist Autorin mehrerer Gedichtbände, darunter ‚kummerang‘
(2012), ‚kleine grammaturgie‘ (2013), ‚wehbuch‘ (2016),
‚liedvoll, deutschyzno‘ (2020) und ‚wille zur mache‘
(2026).
Für ihren
sprachlichen Einfallsreichtum und ihr interlinguales
Spiel wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem
mit dem Erlanger Preis für Poesie als Übersetzung
(2017), dem Basler Lyrikpreis (2018), dem Lyrikpreis
Meran (2021), der Ehrengabe der Deutschen
Schillerstiftung (2021) sowie dem Oskar-Pastior-Preis
(2025). Sie lehrt an der Princeton University.
Siehe auch:
https://freies-deutsches-hochstift.de/besuch/programm/-/monika-schoeller-dozentur-fuer-literarisches-uebersetzen/1535
Meldung: Freies Deutsches Hochstift,
Frankfurt am Main
TERMINE
De-utsch
się, Deutsch
Übersetzen und Entlernen
Vortrag von
Dagmara Kraus
Donnerstag, 26.11.2026, 19 Uhr
Freies
Deutsches Hochstift, Arkadensaal, Großer Hirschgraben
23-25, 60311 Frankfurt am Main
Eintritt
frei
Deutsch, das
ich als Kind lernte, gründet im Kern auf einer
kritischen translingualen Ambivalenz. Denn das die
Sprache bezeichnende Wort selbst scheint, über
Sprachgrenzen hinweg gelesen, beinahe unverhohlen einen
verqueren Befehl zu insinuieren: »De-utsch!«, »de-ucz (się)!«,
lautet die Aufforderung, also »ent-lerne!«, zugleich
aber »verdeutsche dich«. »Entlernen« und »verlernen«
sind im Hinblick auf den literarischen Sprachentransfer
nicht dasselbe. Und beim Übersetzen kann es nicht darum
gehen, notwendiges Wissen zu vergessen, aber Gelerntes
bewusst beiseitezuschieben, um Unvertrautem, Neuem, Raum
zu geben. Schließlich sind Übersetzende andauernd
kafkaesken »Kreuzungen« ausgesetzt und müssen mit
»Erbstücken« umgehen: unruhigen ›Tierentlernten‹, denen
die eigene »Haut zu eng« ist.
»U
niekończyn szyn«
Unendliche Bannnährung
Werkstatt 1:
Polnisch mit Dagmara Kraus
Freitag,
27.11.2026, 10 – 15 Uhr
Freies
Deutsches Hochstift, Großer Hirschgraben 23-25, 60311
Frankfurt am Main
Teilnahme
kostenlos. Anmeldung bis 15.10.2026 erforderlich.
Die
Werkstatt widmet sich der Übersetzung von Gedichten
Miron Białoszewskis (1922–1983) und Krystyna Miłobędzkas
(1932–2025). Ausgangspunkt ist dabei eine einfache
Beobachtung: Wer Lyrik übersetzt, kommt oft nicht zu
Rande. Wieder und wieder muss zu jener einen, scheinbar
unübertragbaren Stelle zurückgekehrt werden, um von
Neuem anzusetzen, weil keine der gefundenen Lösungen das
ursprüngliche Wort, den Vers, die Wendung ganz zu fassen
vermochte. Das Übersetzen von Poesie besteht vielleicht
eben darin: in der suchenden, ent- und verwerfenden
Wiederholung des Zugriffs – insbesondere dort, wo sich
das, was im polnischsprachigen Bereich als
»linguistische Dichtung« bezeichnet wird, der
Übersetzung entzieht. Niemals zu einer endgültigen
Formulierung zu gelangen und, im günstigsten Fall, in
jenes »Unend« (niekończyn) blicken zu können, das
Miron Białoszewski im Gedicht »apokaliptyka« lokalisiert
hat: dorthin, wo die rasenden Sprachgleise (szyn[y])
sich kreuz und quer ins Uneinholbare fortstürzen, um da
neu beginnen.
Vertuwörter
Fehlerndes Dichten
Lesung und
Gespräch mit Dagmara Kraus
Donnerstag, 21.1.2027, 19:30 Uhr
Frankfurter Bürgerstiftung, Holzhausenschlösschen,
Justinianstraße 5, 60322 Frankfurt am Main Eintritt
frei. Anmeldung erbeten:
www.frankfurter-buergerstiftung.de
Kostenloser Livestream der Veranstaltung über die
Website der Frankfurter Bürgerstiftung
Wer in einer
Fremdsprache dichtet und obendrein den Tabubruch begeht,
in eine Fremdsprache zu übersetzen, fürchtet nichts mehr
als den Fehler. Schließlich will niemand als
unzulänglich entlarvt werden. Was aber, wenn Fehlern,
wenn linguistischen Missgriffen aller Art, Schnitzern,
Patzern bis hin zum sprachlichen Super-GAU, Raum gewährt
würde – als textförderlichen Wortmanövern? Was, wenn
sich aus grammatischen „Illtümern“ poetische Funken
schlagen ließen? Dagmara Kraus liest Auszüge aus
Gedichten und Übersetzungen, im Gespräch mit Anne
Bohnenkamp und Caroline Sauter.
In
Kooperation mit der Frankfurter Bürgerstiftung
« partir
penser »
Infinite
Poesie
Werkstatt 2:
Französisch mit Dagmara Kraus
Donnerstag, 22.1.2027, 10 – 15:30 Uhr
Freies
Deutsches Hochstift, Arkadensaal, Großer Hirschgraben
23-35
Teilnahme
kostenlos. Anmeldung bis 10.1.2027 erforderlich.
Zwei so
feinsinnige wie gegensätzliche Werke stehen im Zentrum
der zweiten Werkstatt: Gedichte von Valérie Rouzeau
(*1967) und Emmanuel Fournier (1959–2022). Während
Valérie Rouzeau es vermag, einem konkreten, stark
heruntergekommenen Gegenstand wie einem Bleistiftstummel
mit einem Requiem ein tragikomisches Denkmal von
rührender Zärtlichkeit zu setzen, richtet der Neurologe
und Zeichner Emmanuel Fournier als einziger Verfechter
einer „écriture insubstantive“ seinen Blick auf die
Auflösung alles Gegenständlichen und ins Unbedingte.
Beide Schreibweisen verhandeln auf je eigene Weise
Existenzielles und begegnen einander im
Infinitivgebrauch, etwa mit „Pas revoir“ (Rouzeau) und „Penser
à vivre“ (Fournier). Beide Positionen übersetzerisch
auszuloten, ist das Vorhaben dieser Werkstatt.
Polnisch-
bzw. Französisch-Kenntnisse werden für die
Workshop-Teilnahme nicht vorausgesetzt.
Unter dem
Motto „Am Ende ist alle Poesie Übersetzung“ (Friedrich
von Hardenberg, genannt Novalis, an August Wilhelm
Schlegel, 1797) wurde die neue Dozentur erstmals zum
Wintersemester 2024/25 angeboten. Sie widmet sich in
Vortrag, Werkstatt und Lesung der Idee, Theorie sowie
der Praxis des literarischen Übersetzens und ist mit
einem Seminar der Universität verbunden. Die
Monika-Schoeller-Dozentur für literarisches Übersetzen
wurde von der S. Fischer Stiftung und dem Freien
Deutschen Hochstift in Zusammenarbeit mit dem Institut
für Deutsche Literatur und ihre Didaktik und dem
Institut für Allgemeine und Vergleichende
Literaturwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt
am Main ins Leben gerufen. Im Geiste der Verlegerin und
Mäzenin Monika Schoeller gilt sie der Reflexion und
Förderung des literarischen Übersetzens, dessen
besondere Rolle gerade in Zeiten maschinengenerierter
Übersetzungen Aufmerksamkeit und Förderung fordert.
Die S.
Fischer Stiftung ermöglicht es, jedes Jahr einen
profilierten Übersetzer oder eine profilierte
Übersetzerin nach Frankfurt einzuladen. Die in
Kooperation mit den Lehrenden der drei Institutionen
durchgeführte Dozentur ist regulärer Bestandteil des
Studiums einschlägiger Fächer an der Goethe-Universität
und richtet sich auch gleichermaßen an interessierte
Gäste.
Als erste
Dozentin wurde im Wintersemerster 2024/25 mit Uljana
Wolf eine der bedeutendsten Lyrikerinnen und
Übersetzerinnen der Gegenwart berufen. Im Wintersemester
2025/26 übernahm die renommierte Übersetzerin und
Sinologin Eva Schestag die Dozentur. Die preisgekrönte
Übersetzerin und Lyrikerin Dagmara Kraus hat im
Wintersemester 2026/27 die Monika-Schoeller-Dozentur für
literarisches Übersetzen inne.
Weitere
Informationen
Monika-Schoeller-Dozentur für literarisches Übersetzen –
Programm – Freies Deutsches Hochstift (freies-deutsches-hochstift.de)