Die
Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH
nimmt im Großen Garten Dresden als erste deutsche
Schlösserverwaltung eine eigene Pflanzenkohleanlage in
Betrieb. Restholz wird zukünftig zu wertvoller
Pflanzenkohle verarbeitet und in den sächsischen
Schlossparks zur Bodenverbesserung eingesetzt.
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Pyrolyseanlage auf dem
Lagerplatz im Großen Garten Dresden
© Illeker Systems GmbH
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Der Große
Garten Dresden hat eine Pyrolyseanlage bekommen. Die
Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH
(SBG) ist damit deutschlandweit die erste
Schlösserverwaltung, die eine eigene Pflanzenkohleanlage
nutzt. Das im Gartendenkmal bei Baumpflegearbeiten
anfallende Restholz, wird geschreddert, getrocknet und
schließlich in einem thermo-chemischen Verfahren in der
Anlage umgewandelt. Aus ca. 80 Tonnen Biomasse entstehen
so pro Jahr voraussichtlich 19 Tonnen Pflanzenkohle für
den Eigenbedarf. Durch die Pflanzenkohle wird der Boden
mit Nährstoffen angereichert und kann besser Wasser
speichern. Mit der Umwandlung des parkeigenen Holzes in
Pflanzenkohle, werden wichtige Stoffkreisläufe
geschlossen und CO² gebunden.
Geschäftsführer der SBG, Dr. Christian Striefler: „Die
Böden unserer Schlossparks ab sofort mit Pflanzenkohle
anzureichern, wird langfristig gesehen die
Standortbedingungen für unseren Baumbestand deutlich
verbessern. Die eigene Pyrolyseanlage im Großen Garten
schafft dafür die besten Voraussetzungen. Ich danke
allen Beteiligten, die mit viel Engagement und Ausdauer
zum Gelingen dieses Meilensteins beigetragen haben.“
Finanziert
wurde die Anlage über Fördermittel des
Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und
Bauwesen (BMWSB) im Rahmen des Projekts „Klimawandel in
historischen Gärten“. Planung, Anschaffung und bauliche
Vorbereitungen haben ca. 340.000 € gekostet. Diese Summe
wurde zu 90Prozent über Fördermittel und zu 10Prozent
aus Eigenmitteln der SBG finanziert. Die jährlichen
Betriebskosten inklusive Personalkosten werden auf
15.000 € geschätzt. Dem gegenüber steht die Summe von
ca. 20.000 € für den Ankauf handelsüblicher
Pflanzenkohle. Durch den Betrieb der Pyrolyseanlage
entstehen CO²-Zertifikate. Die Besonderheit der Anlage
besteht darin, dass sie ohne Stromanschluss auskommt.
Über einen Stirling-Motor wird die bei der Pyrolyse
anfallende Abwärme zur Stromgewinnung genutzt. Im
Dezember 2025 fand die Pyrolyseanlage ihren vorläufigen
Standort auf dem Lagerplatz des Großen Gartens. Im
Frühjahr 2026 folgten Installation und Tests. Am 21.
Oktober 2026 wird die Anlage nun vollständig in Betrieb
genommen. Sie wird anfangs ungefähr 17 Wochen im Jahr
laufen. Langfristig soll sie in den Neubau der
Gartenmeisterei – das Betriebsgebäude des Gärtnerteams -
integriert werden, um dort die Abwärme sinnvoll nutzen
zu können.
Was ist Pyrolyse und wie funktioniert die Anlage?
Pyrolyse bezeichnet einen thermo-chemischen Prozess, bei
dem organische Verbindungen - hier pflanzliche Biomasse
in Form von Holz - bei hohen Temperaturen und unter
weitgehendem Sauerstoffabschluss umgewandelt werden. Der
Sauerstoffmangel verhindert eine vollständige
Verbrennung. Nach Abtrennung der gasförmigen
Bestandteile bleibt Pflanzenkohle zurück, die
hauptsächlich aus Kohlenstoff besteht. Konkret wird das
bei Baumpflegearbeiten im Großen Garten anfallende Holz
geschreddert und anschließend in einem
Trocknungscontainer durch die Abwärme der Anlage
vorgetrocknet. Die trockenen Hackschnitzel werden mit
dem Radlader in den benachbarten Pyrolysecontainer
gefüllt, wo dann der eigentliche Pyrolyseprozess
stattfindet. Mit einer Förderschnecke werden die
Hackschnitzel dort durch den Pyrolysereaktor
transportiert und pyrolysiert. Die fertige Pflanzenkohle
wird anschließend in sogenannte Big Bags abgepackt.
Wofür wird Pflanzenkohle verwendet?
Pflanzenkohle besitzt die hervorragende Eigenschaft,
Wasser und Nährstoffe in pflanzenverträglicher Form zu
binden. Wird sie dem Boden hinzugefügt, wirkt sich das
über einen langen Zeitraum positiv auf das Bodengefüge
und den Bodenwasserhaushalt aus. „Dafür wird die
Pflanzenkohle zuerst mit Komposterde gemischt. Dabei
reichert sie sich mit Nährstoffen an und wird danach als
Pflanzenkohle-Substrat in den Gärten und Parkanlagen der
SBG, zum Beispiel bei Neupflanzungen eingesetzt“,
berichtet Dr. Claudius Wecke, der Leiter des Bereichs
Gärten der SBG. Mit der parkeigenen Herstellung von
Pflanzenkohle werden Stoffkreisläufe geschlossen.
Wertvolle, organische Stoffe bleiben in nachhaltiger
Form in den Gartendenkmalen erhalten.
Wie die Pyrolyseanlage in den Großen Garten kam
Die Anschaffung der Anlage war eine zentrale Maßnahme
des Projekts „Klimawandel in historischen Gärten“. Im
Rahmen des Projekts erforschte SBG von 2022 bis 2025 die
Auswirkungen des Klimawandels auf Parkanlagen am
Beispiel des Großen Gartens und des Schlossparks
Pillnitz und entwickelte Gegenmaßnahmen. Aufbauend auf
einer Machbarkeitsstudie, wurde 2025 gemeinsam mit dem
Fachplanungsbüro GreenInnovations GmbH die
Pyrolyseanlage ausgeschrieben. Der österreichische
Anlagenbauer Illecker Systems GmbH erhielt den Zuschlag.
Für die Aufstellung der Pyrolyseanlage musste ein
Bauantragsverfahren durchlaufen werden. Dabei waren
neben dem Bauaufsichtsamt, das Umweltamt, das
Stadtplanungsamt und die Denkmalbehörden beteiligt. Die
Baugenehmigung wurde im September 2025 erteilt.
www.grosser-garten-dresden.de