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Michael Quast
(c) Anna Meuer |
Mitten in Frankfurt am Main, im geschichtsträchtigen
Großen Hirschgraben, befindet sich ein Ort, der eng mit
der kulturellen Identität der Stadt verbunden ist: die
Frankfurter Volksbühne. Sie steht für ein
Theaterverständnis, das Kunst und Gesellschaft
miteinander verbindet und Kultur möglichst vielen
Menschen zugänglich machen möchte.
Die Idee der Volksbühne ist historisch in der Bewegung
für ein Theater für alle verwurzelt. Nicht allein ein
privilegiertes Publikum sollte die Möglichkeit haben,
Bühnenkunst zu erleben, sondern es ging darum, Menschen
unterschiedlicher sozialer Herkunft für Theater zu
begeistern und ihnen einen Zugang zu kulturellen
Erfahrungen zu eröffnen.
Frankfurt bietet dafür ein besonders passendes Umfeld.
Die Stadt blickt auf eine lange Tradition des
bürgerlichen Engagements, des literarischen Austauschs
und der gesellschaftlichen Debatte zurück. Der Große
Hirschgraben ist zudem ein geschichtsträchtiger
Standort: In unmittelbarer Nähe befindet sich das
Goethe-Haus, der Geburtsort des berühmten Dichters
Johann Wolfgang von Goethe. Literatur, Geschichte und
Theater begegnen sich hier auf engem Raum.
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Mirco Becker (c)
Lucas Fortaeller
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Die Volksbühne steht sinnbildlich für die Bedeutung
lebendiger Bühnenkunst in einer Zeit, in der digitale
Medien den Alltag zunehmend prägen. Theater schafft
unmittelbare Begegnungen, regt zum Nachdenken an und
eröffnet neue Perspektiven auf aktuelle
gesellschaftliche Fragen. Es kann unterhalten,
provozieren und Menschen miteinander ins Gespräch
bringen. Damit verkörpert die Frankfurter Volksbühne
eine wichtige kulturelle Idee: Theater soll kein
exklusives Vergnügen sein, sondern ein offener Raum für
Austausch, Fantasie und gemeinsames Erleben. Im
traditionsreichen Umfeld des Großen Hirschgrabens wird
deutlich, wie eng Frankfurts kulturelles Erbe und das
Streben nach einer zugänglichen, lebendigen
Theaterkultur miteinander verbunden sind.
Die Volksbühne lädt auch gelegentlich zu unterhaltsamen
Zeitreisen durch die bewegte Geschichte Frankfurts ein.
In „Frankfort is kaa Lumpenest! – Ohne Forcht un Schreck
durch die Frankfurter Historie“ führt Michael Quast nach
einem Manuskript von Rainer Dachselt Neubürger,
Geschichtsinteressierte und Frankfurt-Kenner in rund 90
Minuten durch die Vergangenheit der Mainmetropole. Von
den Uranfängen über Kaiserwahlen und den
Fettmilchaufstand bis zum Häuserkampf verbindet Quast
fundiertes Wissen mit virtuoser Schauspielkunst,
Dialogen und humorvollen Szenen. Auch das bekannte Lied
„Fraa Rascher aus der Klappergass“ erklingt in einer
unterhaltsamen Bearbeitung. So wird Geschichte zum
lebendigen Theatererlebnis – informativ, pointiert und
mit viel Frankfurter Lokalkolorit.
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Frankfurter Volksbühne im
Innenhof auf dem modernen Areal der
Goethe-Höfe im Großen Hirschgraben 15 – 19
(c) Kulturexpress |
Einen weiteren Blick in die Vergangenheit bietet Mirco
Becker mit „Damals in Frankfurt live“. Mit historischen
Bildern, überraschenden Anekdoten und einem
Augenzwinkern lässt er vergangene Zeiten wieder
aufleben. Die Reise führt durch verwinkelte
Altstadtgassen und über den Roßmarkt und beleuchtet Orte
und Institutionen wie das Stadtbad Mitte, den Monte
Scherbelino und das Kaufhaus Schneider. Dabei wird
deutlich, wie sehr die Vergangenheit das heutige
Stadtbild und das Leben der Frankfurterinnen und
Frankfurter prägt.
Beide Veranstaltungen zeigen auf unterschiedliche Weise,
dass Stadtgeschichte keineswegs trocken sein muss: Sie
steckt voller spannender Geschichten, überraschender
Wendungen und unterhaltsamer Momente. Ein Erlebnis für
alle, die Frankfurt besser kennenlernen und seine
Vergangenheit neu entdecken möchten.
Text: Barbara Altherr