|
Bauhaus-Manifest |
|
Breites Bündnis aus Kultur,
Design, Handwerk, Architektur
und Kirchen setzt Zeichen für
Freiheit, Offenheit und
Kreativität |
|
Auf Initiative von Staatsminister Weimer haben Verbände
und Institutionen aus Kultur, Design, Handwerk,
Architektur sowie Kirchen gemeinsam das Bauhaus-Manifest
2026 unterzeichnet.
|
|
 |
| |
Bauhaus 100 |
Das Manifest versteht sich als ein aktuelles kultur- und
gesellschaftspolitisches Bekenntnis zu den Prinzipien,
die das Bauhaus bis heute zu einer weltweit prägenden
kulturellen Ikone machen: Die Freiheit des
künstlerischen Denkens, Offenheit gegenüber neuen Ideen,
die Verbindung unterschiedlicher Disziplinen und die
Überzeugung, dass kulturelle Innovation einen wichtigen
Beitrag zur Entwicklung einer demokratischen
Gesellschaft leisten kann. Gleichzeitig ist das Manifest
ein Plädoyer dafür, die Prinzipien des Bauhauses gegen
demokratiefeindliche Angriffe zu verteidigen.
Vor hundert Jahren revolutionierten moderne Bewegungen
die Welt. Das Bauhaus war einer der wesentlichen
Akteure. Die neuartige Verbindung von Kunst und
Handwerk, Gestaltung und Technik, von Design und
Architektur, von gesellschaftlicher Verantwortung und
ästhetischer Innovation wurde zu einem der bedeutendsten
kulturellen Projekte der Moderne.
Die enorme internationale Wirkung des Bauhauses, heute
UNESCO-Welterbe, beruht jedoch nicht allein auf moderner
Formensprache und Avantgarde-Design. Es ist seine
Haltung, die Vorbildcharakter hatte und weiterhin hat:
der Mut zur kühnen Vision, das Vertrauen in die Freiheit
des künstlerischen Denkens, die Überzeugung, dass nur
eine offene Gesellschaft die Kraft zur kulturellen
Erneuerung aufbringt.
Heute, genau hundert Jahre danach, wollen wir das
Bauhaus gegen populistische Angriffe verteidigen. Den
gesellschaftspolitischen Impetus der
Bauhaus-Vordenkerinnen und Vordenker brauchen wir gerade
in Zeiten, in denen die politischen Ränder erstarken und
Rückschritt statt Fortschritt propagieren. Wir brauchen
sie auch angesichts der großen Reformen, die notwendig
sind, um unser Land zum Positiven zu verändern. Hier
steht das Bauhaus exemplarisch für das Vertrauen in die
gesellschaftliche Strahlkraft kultureller Innovationen:
als Paradigma eines demokratisch grundierten,
humanistisch orientierten Gestaltungskonzepts.
Bekenntnis zu folgenden Grundsätzen:
1. Bekenntnis zum Bauhaus
Wir sind stolz auf das Bauhaus. Es hat
gesellschaftspolitisch gewirkt und die ästhetische
Moderne weltweit bereichert. Die Bauhaus-Institutionen
sollen gestärkt, ihre kreative Freiheit wie ihre soziale
Öffnung als Vorbild begriffen und gegen jedwede
demokratiefeindlichen Angriffe verteidigt werden.
2. Kulturbauten stiften Identität
Schlösser und Burgen, Kirchen, Klöster und
Landschaftsparks, aber auch andere kulturhistorische
Ikonen sind wie die Bauhaus-Architektur sichtbare
Zeugnisse unserer Geschichte und unserer kulturellen
Identität. Erkennen wir an, dass Architektur und Design
gesellschaftliche Wirklichkeit gestalten. Geben wir
Kulturbauten und öffentlichen Räumen den Schutz und die
Wertschätzung, die sie als Orte der Begegnung, des
Austauschs und der freien Entfaltung verdienen.
3. Erinnerung ist die Grundlage unserer Zukunft
Das Beispiel des Bauhauses und seiner Anfeindungen durch
das Nazi-Regime mahnt uns, dass Erinnerungskultur keine
nostalgische Rückschau ist, sondern eine Voraussetzung
demokratischer Selbstverständigung. Stellen wir uns
unserer Geschichte, um Orientierung für die Gegenwart zu
schaffen und Verantwortung für die Zukunft zu
übernehmen. Unterstützen wir deshalb
Kulturinstitutionen, die dieses Gedächtnis bewahren und
Räume der konstruktiven Auseinandersetzung eröffnen.
4. Kulturinstitutionen sind ein kritisches Korrektiv
Kulturelle Institutionen tragen zum öffentlichen Diskurs
bei und können ein wichtiges kritisches Korrektiv sein.
Die Autonomie künstlerischer Leistungen und
Institutionen gehört zu den Grundbedingungen einer
lebendigen Demokratie. Stärken wir daher Theater,
Museen, Bibliotheken, Konzerthäuser und andere
Kulturorte als Räume des Perspektivwechsels, des
Widerspruchs und des demokratischen Dialogs. Sichern wir
ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit gegenüber
parteipolitischen Interessen und Einflussnahmen.
5. Auf dem Weg zum synergetischen Denken und Handeln
Es ist ein Grundgedanke des Bauhauses, schöpferische
Ideen, wagemutige Forschung, handwerkliche Exzellenz und
technologische Innovation synergetisch zusammenzuführen.
Integration führte damals zu Innovation und Weltruhm.
Fördern wir deshalb ganzheitliches visionäres Denken,
disziplinübergreifendes Arbeiten sowie die Verbindung
von Kunst, Architektur, Handwerk, Design und Technologie
als Grundlage des kulturellen wie gesellschaftlichen
Reichtums.
6. Weltoffenheit statt Nationalismus
Das Bauhaus steht für eine geistige, soziale wie
ästhetische Offenheit und kontinuierliche Erneuerung. Es
steht für Austausch, transnationale Vernetzung und
wechselseitige Inspiration. Diese Offenheit ist eine
große Stärke deutscher Kultur und bereichert
Deutschland. Kulturfeindlichen Nationalismus lehnen wir
ab.
Zu den Unterzeichnern gehören:
- Akademie der Künste: Prof.
Manos Tsangaris, Präsident der Akademie der
Künste - Beauftragter der Bundesregierung für Kultur
und Medien:
- Dr. Wolfram Weimer,
Staatsminister für Kultur und Medien -
Bundesarchitektenkammer: Andrea Gebhard, Präsidentin
der Bundesarchitektenkammer
- Deutsche Bischofskonferenz:
Dr. Gerhard Feige, Bischof des Bistums
Magdeburg
- Deutsche UNESCO-Kommission:
Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der
Deutschen UNESCO-Kommission - Deutscher Designtag:
Boris Kochan, Präsident Deutscher Designtag e.V.
- Deutscher Kulturrat: Olaf
Zimmermann, Geschäftsführer Deutscher Kulturrat
e.V.
- Deutscher Museumsbund:
Menekse Wenzler, Präsidentin Deutscher
Museumsbund e.V.
- Deutscher Städtetag:
Burkhard Jung, Präsident des Deutschen
Städtetages
- Deutsches Zentrum
Kulturgutverluste: Prof. Dr. Meike Hopp,
Vorständin Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
- Evangelische Kirche in
Deutschland: Karsten Wolkenhauer,
Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche
Anhalts
- German Design Council – Rat
für Formgebung: Lutz Dietzold,
Geschäftsführer des German Design Council – Rat für
Formgebung
- ICOM Deutschland: Paul
Spies, Präsident ICOM Deutschland e.V.
- Zentralverband des Deutschen
Handwerks: Holger Schwannecke,
Generalsekretär Zentralverband des Deutschen
Handwerks
Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar
gegründet. Nach seiner Vertreibung aus Weimar wurde es
1926 – vor genau 100 Jahren – in Dessau wieder eröffnet.
1933 – inzwischen nach Berlin umgezogen – musste es
unter dem Druck der Nationalsozialisten endgültig
schließen. Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar,
Dessau und Bernau sind UNESCO-Welterbe und laden dazu
ein, das Bauhaus-Manifest 2026 zu unterstützen und
gemeinsam ein Zeichen für Freiheit, Offenheit und
Kreativität zu setzen.
Wer das Manifest unterstützen
möchte, kann sich auf der Webseite der Akademie der
Künste informieren und seine Unterstützung erklären:
Bauhaus-Manifest 2026 | Akademie der Künste
|
|