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Museumsdirektor
Peter Cachola Schmal präsentiert am 14.
August 2026 die neue DAM-Dauersusstellung im
2. Stock: „Geschichten über das Bauen". Im
Hintergrund das Diorama jungsteinzeitliche
Siedlung Çatal Höyük, Foto (c) Kulturexpress
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Wer seit 14. August 2026 das Deutsche Architekturmuseum
in Frankfurt besucht, geht zugleich auf Entdeckungsreise
durch die Architekturgeschichte. Die neugestaltete
Dauerausstellung im 2. Stock des Hauses stellt neben
Regalen mit offen ausgestellten Objekten und zugehörigen
Wandtafeln zugleich auch mehrere sorgfältig
verschlossene Vitrinen aus, große Schaukästen in denen
Dioramen mit demonstrativen Beispielen der
Geschichtsschreibung zu sehen sind. Die sind nicht neu,
sondern nur auf das neueste arrangiert. Die Fluchtlinie der
Zentralperspektive ist es, die Betrachter in sein
Inneres hineinziehen will. Die Lichtverhältnisse der
Dauerausstellung haben sich zugunsten von mehr
Lichteinfall von Außen her geändert. Mehr Platz bedeutet
mehr Freizügigkeit bei der Erkundung der neuen Etage im
DAM. Mit mehr Aufenthalt, das geht jetzt auch in
Gruppen.
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Weiter links: Monobloc-Stuhl,
Entwurf Henry Massonnet und Pierre Paulin,
1972 anlässlich der Ausstellung „Making
Heimat - Germany, Arrival Country” und
Sitzgelegenheit auf der
Architektur-Biennale. Leuchtkasten mit
Fotografie des Biennale-Pavillons in
Venedig, 2016. Vogelhaus mit
Wandbepflanzungssystem, Entwurf und
Herstellung ankässlich der DAM Ausstellung
„Einfach Grün - Greening the City” 2021 |
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Seit Wiedereröffnung des DAM im Juni 2026
waren die neuen Räumlichkeiten im 2. Stock zugänglich.
Schon Museumsgründer Heinrich Klotz wollte seit 1984 die
Dauerausstellung haben. Sein Nachfolger
Vittorio Magnago Lampugnani
verschloss Ausstellungskisten mit Sperrholzplatten, da er
mit deren Inhalten nicht einverstanden war. Erst
Ingeborg Flagge eröffnete wieder ab den 2000er Jahren.
Es gehört schon eine gewisse Feinmotorik
dazu, um dies alles zu bewerkstelligen, den Eindruck der
Wirklichkeit in einer Vitrine einzufangen und den Moment
mit Beiwerk auszustatten. Ausgebildete Konservatoren und
Architekturhistoriker stehen hinter den Projekten, die
bis in das kleinste Detail durchdacht sind, bevor sie
ins Modell umgesetzt wurden. Neben handwerklichen
Fähigkeiten zählt die akribische Arbeit und eine Menge
Enthusiasmus dazu, um sich in ferne Welten
hineinzuversetzen, die der Erforschung aus der
Vergangenheit ihr Abbild geben. Für das Publikum
entsteht im Bann der Zentralperspektive so ein Bild der
Vergangenheit, das bis in die Gegenwart reicht und
womit Aspekte der Zukunft aufgeworfen werden.
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Kinder dürften bei diesem
Anblick ins Staunen geraten, deren kritischer Blick ist
gefragt, auf das was die Erwachsenen geschaffen haben,
was sie im Gegensatz dazu besser machen würden, wenn
Einblicke in eine weit zurückliegende Vergangenheit
anschaulicher gemacht werden soll. Es geht um Fragen der
Menschheit, wie der Mensch in Gemeinschaft gelebt hat,
wie gebaut wurde und wie daraus Architektur entstanden
ist. Welche Konstruktion mit welchen Hilfsmitteln erbaut
ist. Welcher Anschein soll erweckt werden mit den
historischen Bauten? Sei es eine schutzbedürftige,
dörfliche Struktur auf einer Anhöhe oben auf dem Berg.
Sei es ein Tempel in dessen Zentrum religiöse Riten
zelebriert wurden, wodurch eine Gemeinschaft ihren
Lebenssinn fand, um für sich die Existenzgrundlage zu
schaffen ein friedvolles Auskommen und Weiterleben zu
haben. Zahlreiche Orte wurden im Laufe ihrer Geschichte
wieder verlassen, Ursache dafür sind mancherorts bis
heute ungeklärt. Grund des Verlassens können
kriegerische Auseinandersetzungen sein, ausgefallene
Ernten und daraus resultierender Nahrungsmangel,
ungünstige Wetterbedingungen oder Epidemien beigetragen
haben. Am Beispiel Pompeji war es der Vulkanausbruch des
Vesuv der, nach jetzigem Stand der Forschung, im Jahre
79. n. Chr. ausgebrochen ist und die Stadt unter sich
begrub. Die Forschung ist bemüht, herauszufinden, wann
und warum ein Ort verlassen wurde, obwohl dieser so
faszinierend ist, dessen bauliche Relikte bis heute
Architekturgeschichte geschrieben haben. In Bezug
auf die Dioramen des DAM sollen Momentaufnahmen
geschaffen werden. R.M.
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Anne Scheinhardt in Dunkelrot
kuratiert
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Die
neugestaltete Ausstellung „Geschichten über das Bauen”
verbindet zwei Perspektiven: Elf historische Dioramen
zeigen zehn prägende Beispiele der Siedlungs- und
Architekturgeschichte – von der Vor- und Frühgeschichte
bis in die 1980er-Jahre. Ergänzt werden sie durch eine
Rückschau auf ausgewählte Ausstellungen des DAM.
Modelle, Zeichnungen, Fotografien, Pläne und weitere
Objekte aus der Sammlung machen sichtbar, mit welchen
gesellschaftlichen, gestalterischen und ökologischen
Fragen sich das Museum seit seiner Gründung
auseinandergesetzt hat.
Die Auswahl der historischen Dioramen orientiert sich
an vier übergeordneten Themensträngen: Siedeln und
Infrastruktur, Architektur, Konstruktion und Baumaterial
sowie Gesellschaft und Umwelt. Sie verbinden historische
Beispiele mit gegenwärtigen Fragestellungen.
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Rückseite Diorama London
Slums um 1870. Durch die Vitrine geschaut in
weißem Hemd, Kurator Ole W. Fischer. |
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Die Dioramen erlauben einen besonderen Blick auf
Stadt- und Architekturgeschichte. In ihren
detailreichen, räumlichen Darstellungen werden
unterschiedliche Maßstäbe, Bauformen und Lebenswelten
unmittelbar erfahrbar. Sie zeigen nicht nur einzelne
Gebäude, sondern auch Straßen, Plätze, Landschaften und
Infrastrukturen – und damit das komplexe Zusammenspiel,
aus dem gebaute Umwelt entsteht.
Der zweite Teil der Dauerausstellung richtet den
Blick auf die Geschichte des DAM selbst. Seit seiner
Eröffnung hat das Museum internationale Entwicklungen
ebenso behandelt wie die Architektur und
Stadtentwicklung Frankfurts und der Region. Die
ausgewählten Exponate erinnern an wegweisende
Ausstellungen und machen deutlich, wie sich die Debatten
über Wohnen, Mobilität, Konstruktion, öffentliche Räume,
soziale Verantwortung und nachhaltiges Bauen verändert
haben. Zugleich zeigen sie, dass viele dieser Fragen bis
heute aktuell geblieben sind.
Eine klare, zurückhaltende Ausstellungsarchitektur
bringt die vielfältigen Inhalte miteinander in
Beziehung. Ein farbliches Orientierungssystem macht
thematische Verbindungen und Überschneidungen sichtbar
und unterstützt Besucherinnen und Besucher dabei, eigene
Wege durch die Ausstellung zu finden. Die Präsentation
ist dabei bewusst nicht als abgeschlossene Erzählung
angelegt: Neue Objekte und zukünftige Ausstellungen des
DAM können das System fortlaufend ergänzen.
Die neugestaltete Dauerausstellung versteht
Architektur nicht allein als Geschichte bedeutender
Bauwerke. Sie erzählt vom Wohnen und Arbeiten, von Macht
und Gemeinschaft, von technischen Innovationen und
verfügbaren Ressourcen. Sie zeigt, dass gebaute Umwelt
von vielen Menschen hervorgebracht wird – und dass die
Entscheidungen, die dabei getroffen werden, unser
Zusammenleben langfristig prägen.
„Wir freuen uns, dass wir nach fünf Jahren Schließung
die Dauerausstellung endlich wieder eröffnen können. Mit
mehr Licht, mit Ausblicken in die Stadt und
barrierefreier Zugänglichkeit der Dioramen und Exponate
- dazu noch Platz für Workshops im Rahmen unseres
Vermittlungsprogramms,“ so der Direktor Peter Cachola
Schmal.
Zu den Dioramen in den Vitrinen
Hügelhäuser in Çatal Höyük (Türkei), um 6.200 v. Chr.:
Die jungsteinzeitliche Siedlung Çatal Höyük lag im einst
fruchtbaren Schwemmland auf der anatolischen Hochebene.
Das Diorama zeigt die Siedlung um 6.200 v. Chr. am
Übergang von der nomadischen zur sesshaften Lebensweise
mit Tierzucht und Getreideanbau. Die Häuser stehen eng
beieinander, sodass sie zu einem dichten räumlichen
Komplex verschmelzen. Die Menschen gelangten über die
Dächer zu ihren Wohnungen. Es gab weder Paläste noch
Tempel. Aus der Bebauung werden also keine sozialen
Unterschiede ersichtlich.
Die Wände der Häuser wurden aus luftgetrockneten
Lehmziegeln und einer hölzernen Trägerkon-struktion
errichtet. Wahrscheinlich wurden sie regelmäßig neu
verputzt. Bänke sowie niedrigere Plattformen wurden zum
Schlafen genutzt. Unter ihnen fanden sich Gebeine. Die
Nähe zu den Ver-storbenen war wie die Jagd von großer
Bedeutung, wie die Bestattungsszene im Hausmodell links
zeigt.
Eine Gruppe von Höfen bei Warendorf steht für
die Vielzahl frühmittelalterlicher Dorfgemeinschaften
außerhalb der Städte. Auf einem Südhang zur Ems bildeten
um das Jahr 800 Wohnhäuser und Nutzbauten, wie Scheunen,
Ställe und Schmieden, die Siedlung. Fast alle Gebäude
sind in Ost-West-Richtung ausgerichtet, vermutlich um
dem Westwind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.
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Diorama einer Gruppe von
Höfen bei Warendorf, um 800 n. Chr.
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Als „reine Bodenfundstätte“ wurde die Siedlung in den
1950er Jahren unweit von Münster ausgegraben. Das heißt,
anhand der im Erdreich gefundenen Pfostenlöcher und
wenigen Holzreste wurde das wahrscheinliche Aussehen des
Ortes rekonstruiert. Spuren von Nutztieren ebenso wie
Getreidereste lassen vermuten, dass die Bewohner
Ackerbau und Viehzucht betrieben.
Östlich des Rheins war Holz das gängige Baumaterial.
Stein wurde äußerst selten und nur für bedeutende
Gebäude verwendet. Die Baustelle vorne rechts gibt
Aufschluss über den Typus der Langhäuser mit einer
einzigen Wohnhalle mit über 100 Quadratmetern und der
Herdstelle im Osten. Senkrechte Pfosten, oft durch
schräge Hölzer abgestützt, trugen die Dachkonstruktion
und die Lehmverkleidung der Außenwände.
Ergänzend zur Dauerausstellung des DAM wird das
Diorama London Slums um 1870 (Atelier Ivor und
Sigrid Swain, 1985) als Einzelobjekt und vollansichtig
im Ausstellungsbereich Haus-im-Haus neu präsentiert. Das
Diorama ist eines von ursprünglich 23 dreidimensionalen
Schaukästen. Es basiert auf einem Holzschnitt: Over
London by rail des französischen Künstlers Gustave Doré
aus der Druckserie London. A Pilgrimage des englischen
Autors William Blanchard Jerrold (zuerst in einer
Zeitschriftenserie und 1872 als Buch erschienen).
Die Modellbauer Ivor und Sigrid Swain griffen bewusst
auf illusionistische Techniken aus dem Kulissenbau
zurück, was eine Besonderheit dieses Dioramas darstellt
– eine Eigenheit, die in der Kabinettausstellung
thematisiert werden soll. Durch das gezielte Umschreiten
des Modells offenbart sich dessen Konstruktionsweise in
perspektivischer Verkürzung.
Das Verlassen der ursprünglich rein frontalen
Ansicht, begleitet von zusätzlichen
Ausstellungsobjekten, eröffnet zudem neue Blickwinkel
auf Dioramen als Medien der Architekturvermittlung, die
Entstehungsgeschichte der Dioramen und dem Inhalt des
Modells, die Londoner Slums zu Zeiten der
Industrialisierung (um 1870). Ausgestellt werden die
Stiche aus dem Buch von Doré und Jerrold,
Archivdokumente von Museumsgründer Heinrich Klotz, die
seine Wahl des Vorbildes und Intention die „Lage der
arbeitenden Klasse in England“ (Friedrich Engels)
darzustellen, verdeutlichen, sowie eine Schnittzeichnung
durch das Diorama zur Illustration der perspektivischen
Verkürzung.
Statt einer erhöhten Ansicht in der alten Wandvitrine
wird das Diorama niedriger und von allen vier Seiten
sichtbar präsentiert. Auf die Weise können alle
Ausstellungsbesuchenden das Modell besser sehen und eine
umfängliche Einsicht in die Bauweise des Dioramas
erlangen, stellvertretend für alle anderen in der
Dauerausstellung. Ein Spiegel oberhalb des Modells
erlaubt neue Einblicke in die zahlreichen Details, wie
die Häuser der Slums und deren Bewohner*innen – gemäß
dem Zitat von Jerrold „behind the scenes of the
poorest neighbourhoods“.
Das Ausstellungskonzept wurde von Studierenden im
Rahmen eines Seminares zur Architektur-vermittlung an
der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
im Sommersemester 2025 erarbeitet. Zusammen mit Anne
Scheinhardt und Ole W. Fischer haben Gernot Gleiss,
Julia Harr, Sophie Kleppin und Samuel Klinge in
Sitzungen am DAM und in Stuttgart rasch erkannt, dass
das Diorama selbst die Hauptrolle dieser
Kabinettausstellung spielen soll und es entsprechend in
das Zentrum der kuratorischen Überlegungen gestellt.
Kuratorische Leitung: Ole W. Fischer (abk –
Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart),
Anne Scheinhardt (DAM – Deutsches Architekturmuseum,
Frankfurt)
Konzept und Texte mit Studierenden der abk Stuttgart:
Gernot Gleiss, Julia Harr, Sophie Kleppin, Samuel Klinge