Bettina Heinen–Ayech Foundation – Stiftung für Kunst, Kultur und internationalen Dialog

Bettina Heinen-Ayech (1937–2020) und ihr Lebenswerk stehen derzeit wieder im Zentrum des Interesses. Dies dokumentieren zahlreiche Artikel in Kunstmagazinen, diverse monographische Ausstellungen sowie zahlreiche posthume Auszeichnungen. Zu diesen zählt auch die Aufnahme in den exklusiven Kreis der 50 bedeutendsten historischen Frauenpersönlichkeiten Nordrhein-Westfalens im Rahmen des Projektes „FrauenOrte NRW“.
 

 

 

Aquarell, 1955, Tessin – Lago Magiore

Bettina Heinen-Ayech wuchs als Tochter des Journalisten und Dichters Hanns Heinen und Erna Heinen-Steinhoff in den Häusern der Solinger Künstlerkolonie „Schwarzes Haus“ auf. Dort lernte sie ihren wichtigsten Lehrer und Mentor, den Maler Erwin Bowien kennen. Zusammen mit ihm und später Amud Uwe Millies bildete sie die Solinger Künstlerkolonie.

Bereits im Alter von 18 Jahren erregte die Malerin Aufmerksamkeit, als sie an der ersten großen internationalen Kunstausstellung der jungen Bundesrepublik neben Karl Schmidt-Rottluff, Paul Klee, Max Beckmann, Max Ernst, Ernst Ludwig Kirchner und Käthe Kollwitz teilnehmen durfte.

Nach intensiven Reisen durch Europa und einem längeren Aufenthalt in Ägypten ließ sie sich 1963 in Guelma in Ostalgerien nieder, in der Heimat ihres algerischen Ehemannes, einem kleinen Städtchen im Atlasgebirge. In den 60 Jahren ihres algerischen Schaffens wurde sie zur Legende, im ganzen Land als „Madame Bettina“ bekannt. Bis zu ihrem Tod wurde Algerien abwechselnd mit Solingen ihr Lebensmittelpunkt.

 

Dänisches Selbstbildnis

 

Bettina Heinen-Ayech hinterlässt ein großes und vielfältiges Werk: das Werk einer emanzipierten Frau, einer großen Künstlerin und einer Wanderin zwischen den Welten. Sie nimmt innerhalb der deutschen Nachkriegskunst eine eigenständige Position ein, die sich einer eindeutigen kunsthistorischen Zuordnung entzieht und gerade darin besondere Qualität entfaltet. In Guelma fand sie nicht nur ein neues Lebensumfeld, sondern auch eine radikal andere Wahrnehmungsordnung. Das nordafrikanische Licht fungiert in ihrem Werk als konstitutives Element der Bildgenese. Farbe wird bei ihr zum Träger von Raum, Zeit und Empfindung zugleich. Ihre Malerei vollzieht sich im Modus des Pleinair, doch geht es ihr weniger um naturalistische Wiedergabe als um die Verdichtung eines situativen Erlebens.

Über ihre malerische Praxis hinaus lässt sich Heinen-Ayech als kulturelle Mittlerin verstehen. In einer Zeit politischer und gesellschaftlicher Umbrüche hielt sie unbeirrt an ihrer künstlerischen Arbeit in Algerien fest und schuf ein Werk, das von transkultureller Erfahrung zeugt. Ihre Malerei wird so zu einem Ort der Übersetzung – zwischen Europa und Nordafrika, zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen äußerer Erscheinung und innerer Wirklichkeit.

Bettina Heinen-Ayech steht in einem losen Spannungsfeld zwischen Expressionismus, Postimpressionismus und einer sehr persönlichen Form des Pleinairismus. In einer Kunstwelt, die noch stark von männlichen Deutungsansprüchen geprägt war, entwickelte sie als Frau eine eigenständige Position, die sich weder stilistisch noch biografisch in gängige Kategorien einordnen lässt.

Während viele Künstlerinnen ihrer Zeit mit strukturellen Einschränkungen konfrontiert waren, entzog sich Heinen-Ayech bewusst den etablierten europäischen Kunstzentren und deren Hierarchien. In Guelma schuf sie sich einen eigenen Arbeits- und Lebensraum, der nicht von institutionellen Erwartungen, sondern von unmittelbarer Erfahrung geprägt war. Ihre Malerei ist Ausdruck einer Haltung, die auf Unabhängigkeit, Wahrnehmungstiefe und Selbstbestimmung gründet – und gerade darin eine leise, aber nachhaltige Form feministischer Praxis darstellt.

Marc Peschke

Über die Stiftung

Die „Bettina Heinen–Ayech Foundation – Stiftung für Kunst, Kultur und internationalen Dialog“ ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich dem weltumspannenden Vermächtnis der Protagonisten der Künstlerkolonie des „Schwarzen Hauses“ in Solingen verschrieben hat. Hauptziel der Stiftung ist, das künstlerische Schaffen von Bettina Heinen-Ayech, Erwin Bowien, Hanns Heinen, Amud Uwe Millies und Erna Heinen-Steinhoff für zukünftige Generationen zu erhalten, zu präsentieren sowie das Anliegen der Künstler zu erfüllen, den internationalen Dialog der Völker und Kulturen über das Medium Kunst voranzutreiben und zu fördern. Neben internationalen Förderprojekten für die Erhaltung und wissenschaftliche Aufarbeitung der reichhaltigen Kunst- und Kulturschätze stehen auch regionale und lokale Projekte wie insbesondere die Errichtung eines Museums in den historischen Liegenschaften in Solingen im Mittelpunkt der Bettina Heinen-Ayech Foundation.

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 05. August 2026