Bereits im Alter von 18 Jahren erregte die Malerin
Aufmerksamkeit, als sie an der ersten großen
internationalen Kunstausstellung der jungen
Bundesrepublik neben Karl Schmidt-Rottluff, Paul Klee,
Max Beckmann, Max Ernst, Ernst Ludwig Kirchner und Käthe
Kollwitz teilnehmen durfte.
Nach intensiven Reisen durch Europa und einem
längeren Aufenthalt in Ägypten ließ sie sich 1963 in
Guelma in Ostalgerien nieder, in der Heimat ihres
algerischen Ehemannes, einem kleinen Städtchen im
Atlasgebirge. In den 60 Jahren ihres algerischen
Schaffens wurde sie zur Legende, im ganzen Land als
„Madame Bettina“ bekannt. Bis zu ihrem Tod wurde
Algerien abwechselnd mit Solingen ihr Lebensmittelpunkt.
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Dänisches
Selbstbildnis |
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Bettina Heinen-Ayech hinterlässt ein großes und
vielfältiges Werk: das Werk einer emanzipierten Frau,
einer großen Künstlerin und einer Wanderin zwischen den
Welten. Sie nimmt innerhalb der deutschen
Nachkriegskunst eine eigenständige Position ein, die
sich einer eindeutigen kunsthistorischen Zuordnung
entzieht und gerade darin besondere Qualität entfaltet.
In Guelma fand sie nicht nur ein neues Lebensumfeld,
sondern auch eine radikal andere Wahrnehmungsordnung.
Das nordafrikanische Licht fungiert in ihrem Werk als
konstitutives Element der Bildgenese. Farbe wird bei ihr
zum Träger von Raum, Zeit und Empfindung zugleich. Ihre
Malerei vollzieht sich im Modus des Pleinair, doch geht
es ihr weniger um naturalistische Wiedergabe als um die
Verdichtung eines situativen Erlebens.
Über ihre malerische Praxis hinaus lässt sich
Heinen-Ayech als kulturelle Mittlerin verstehen. In
einer Zeit politischer und gesellschaftlicher Umbrüche
hielt sie unbeirrt an ihrer künstlerischen Arbeit in
Algerien fest und schuf ein Werk, das von
transkultureller Erfahrung zeugt. Ihre Malerei wird so
zu einem Ort der Übersetzung – zwischen Europa und
Nordafrika, zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen
äußerer Erscheinung und innerer Wirklichkeit.
Bettina Heinen-Ayech steht in einem losen
Spannungsfeld zwischen Expressionismus,
Postimpressionismus und einer sehr persönlichen Form des
Pleinairismus. In einer Kunstwelt, die noch stark von
männlichen Deutungsansprüchen geprägt war, entwickelte
sie als Frau eine eigenständige Position, die sich weder
stilistisch noch biografisch in gängige Kategorien
einordnen lässt.
Während viele Künstlerinnen ihrer Zeit mit
strukturellen Einschränkungen konfrontiert waren, entzog
sich Heinen-Ayech bewusst den etablierten europäischen
Kunstzentren und deren Hierarchien. In Guelma schuf sie
sich einen eigenen Arbeits- und Lebensraum, der nicht
von institutionellen Erwartungen, sondern von
unmittelbarer Erfahrung geprägt war. Ihre Malerei ist
Ausdruck einer Haltung, die auf Unabhängigkeit,
Wahrnehmungstiefe und Selbstbestimmung gründet – und
gerade darin eine leise, aber nachhaltige Form
feministischer Praxis darstellt.
Marc Peschke
Über die Stiftung
Die „Bettina
Heinen–Ayech Foundation – Stiftung für Kunst, Kultur und
internationalen Dialog“ ist eine gemeinnützige Stiftung,
die sich dem weltumspannenden Vermächtnis der
Protagonisten der Künstlerkolonie des „Schwarzen Hauses“
in Solingen verschrieben hat. Hauptziel der Stiftung
ist, das künstlerische Schaffen von Bettina Heinen-Ayech,
Erwin Bowien, Hanns Heinen, Amud Uwe Millies und Erna
Heinen-Steinhoff für zukünftige Generationen zu
erhalten, zu präsentieren sowie das Anliegen der
Künstler zu erfüllen, den internationalen Dialog der
Völker und Kulturen über das Medium Kunst voranzutreiben
und zu fördern. Neben internationalen Förderprojekten
für die Erhaltung und wissenschaftliche Aufarbeitung der
reichhaltigen Kunst- und Kulturschätze stehen auch
regionale und lokale Projekte wie insbesondere die
Errichtung eines Museums in den historischen
Liegenschaften in Solingen im Mittelpunkt der Bettina
Heinen-Ayech Foundation.