Wenn durch
ein kleines Loch Licht in einen dunklen Raum fällt,
erscheint auf einer hellen Fläche die Welt von außen als
Bild: auf dem Kopf stehend, seitenverkehrt,
zweidimensional und mit weichen Konturen – doch in
natürlichen Farben und Schattierungen.
|
|
 |
| |
Meldodie der Zeit. Camera Obscura
von Volkmar Herre
∗ 1943 in Freiberg/Sachsen
Fotograf und Buchgestalter
lebt in der Hansestadt Stralsund
|
Leonardo da Vinci beschrieb dieses Schauspiel noch als
„göttliches Mysterium“. In der Renaissance erhielt es
den Namen Camera obscura – die dunkle Kammer. Aus ihr
entwickelte sich später die Fotografie. Bereits früh
nutzten Künstler die Lochkamera und ihre
Weiterentwicklungen als Hilfsmittel beim Zeichnen und
Malen. Bis heute gehört sie zu den ursprünglichsten
Formen des fotografischen Sehens.
Gerade deshalb hat die Camera obscura im digitalen
Zeitalter nichts von ihrer Faszination verloren – im
Gegenteil. Sie setzt auf Entschleunigung und
Konzentration. Ihre Bilder entstehen langsam. Sie halten
nicht den flüchtigen Augenblick fest, sondern machen
Zeit selbst sichtbar.
Diese besondere Bildsprache fasziniert den Stralsunder
Fotografen Volkmar Herre seit nahezu drei Jahrzehnten.
Herre wurde 1943 im sächsischen Freiberg geboren und
entstammt einer Fotografenfamilie. Unter Anleitung
seines Vaters lernte er bereits als Kind das
fotografische Handwerk. Von besonderer Bedeutung wurde
zudem das Erbe seines Urgroßvaters August Kotzsch, der
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Dresdner
Raum wirkte und als Pionier der deutschen Fotografie
gilt.
|

|
|
|
Oase |
|
Nach einer Ausbildung zum Akzidenz-Schriftsetzer
studierte Herre von 1963 bis 1968 Fotografie an der
Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Seit 1969
arbeitet er als freischaffender Fotograf. Neben der
Sachfotografie für Kunstverlage entwickelte er früh
eigene künstlerische Themen. Die Landschaften Rügens und
später die Insel Vilm wurden zu seinem bevorzugten
Bildraum. Seit 1996 vereinigt er in der „Edition herre“
Fotografie, Buchgestaltung und verlegerische Arbeit.
Bibliophile Fotobücher, kulturgeschichtliche
Publikationen, Kalender und Kunstdrucke sowie zahlreiche
Ausstellungen im In- und Ausland dokumentieren sein
vielseitiges Werk. Seit 1986 lebt Herre in Stralsund.
Das Jahr 1997 markiert einen Wendepunkt. Mit der
Hinwendung zur linsenlosen Fotografie findet Herre zu
einer Bildsprache, die Licht, Raum und Zeit neu
miteinander verbindet. Die langen Belichtungszeiten
verwandeln Landschaften, Himmel, Meer, Bäume oder Steine
in poetische Erscheinungen. Das Sichtbare löst sich von
seiner bloßen Gegenständlichkeit und wird zum Sinnbild.
Seine Fotografien erzählen nicht vom Augenblick, sondern
von der Dauer. Sie machen sichtbar, was dem flüchtigen
Blick verborgen bleibt.
|
|
 |
| |
Melodie |
Volkmar Herre: „Für mich ist die Lochkamera
ein Instrument, mit dem ich das von der Natur gegebene
Abbild mittels langer Belichtung in ein geheimnisvolles
Bild der Stille – in eine Melodie der Zeit – verwandeln
kann. Der Prozess erfordert Geduld, Sensibilität und
Leidenschaft. Ohne diese Haltung in Demut blieben die
Bilder äußerlich. Die möglichen meditativen Wege können
hingegen zu Bildern einer erweiterten Wirklichkeit von
Raum und Zeit voller Magie führen.“
Über drei Jahrzehnte hinweg entwickelt Volkmar Herre
diese Bildwelt konsequent weiter. Seine analogen
Fotografien besitzen eine unverwechselbare Handschrift.
Sie wirken still und zugleich intensiv, meditativ und
geheimnisvoll. Der neue Kalender „Melodie der Zeit –
Camera obscura“ versammelt zwölf Arbeiten aus dieser
langjährigen Auseinandersetzung, die allesamt auf Rügen
entstanden sind. Wie schon seine Vorgänger verzichtet er
auf ein Kalendarium und wird dadurch zu einem
immerwährenden Kalender.
Die charakteristische Unschärfe der Lochfotografie
widersetzt sich bewusst der Erwartung, ein Bild müsse
vor allem scharf und eindeutig sein. Gerade darin liegt
ihre überraschende Aktualität. Volkmar Herres
Fotografien laden dazu ein, langsamer zu schauen – und
dabei eine Welt zu entdecken, die im Tempo der Gegenwart
leicht übersehen wird.
Marc Peschke
„Melodie der Zeit – Camera obscura“
Neue Kalender-Edition von Volkmar Herre
Format: 62 × 45 cm
Titelblatt und Übersichtsblatt, 12 Monatsblätter,
Duplexdruck
Preis: 29,50 € zzgl. 7,90 € Versand
Alleinvertrieb:
www.edition-herre.de/shop