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The Sphere in New York ©
Daniel Winter
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„We want to visit Franconia“: Diesen Wunsch erfüllen
sich jedes Jahr zahlreiche Gäste aus den USA – mit rund
330.000 Übernachtungen gehören die Vereinigten Staaten
damit zu den wichtigsten Auslandsmärkten des fränkischen
Tourismus. Viele Reisende kommen wegen der romantischen
Städte, der Weinlandschaften oder der Geschichte. Doch
wer genauer hinsieht, entdeckt noch etwas anderes: eine
erstaunlich enge Verbindung zwischen Franken und den
USA.
Diese Beziehung reicht weit zurück. Sie erzählt von
Menschen, die ihre Heimat verließen, von
Unternehmer:innen und Politiker:innen mit fränkischen
Wurzeln, vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und
von einem kulturellen Austausch, der bis in die
Gegenwart reicht. Zum 250. Geburtstag der Vereinigten
Staaten lohnt sich ein Blick auf diese gemeinsamen
Geschichten besonders.
Vom Main an
den Mississippi
Schon ab dem 18. Jahrhundert machten sich viele
Fränkinnen und Franken auf den Weg in die Neue Welt. Vor
allem der rapide Bevölkerungszuwachs, die spät
einsetzende Industrialisierung und die damit verbundene
Armut zwang viele Menschen zur Emigration. Viele dieser
Exilant:innen waren jüdischen Glaubens: Das bayerische
Judenedikt von 1813 hatte alle Jüdinnen und Juden
verpflichtet, sich in die Matrikellisten ihres Wohnorts
einzutragen. Allerdings hatte jede Gemeinde nur eine
begrenzte Zahl von Matrikelnummern zur Verfügung; damit
war die Höchstzahl jüdischer Familien in einem Ort
staatlich reglementiert. In einer Familie mit mehreren
Kindern ging die Nummer meist an den ältesten Sohn – mit
der Folge, dass seine Brüder nicht heiraten und eine
eigene Familie gründen durften. In den USA hingegen
konnten sie sich ohne Einschränkungen eine bürgerliche
Existenz aufbauen, weshalb allein zwischen 1840 und 1860
die jüdischen Landgemeinden in Franken oft über 30
Prozent ihrer Mitglieder durch Emigration verloren.
Die erste Station für die jüdischen Emigrant:innen war
häufig New York. Doch viele zogen zusammen mit anderen
Deutschamerikaner:innen weiter nach Westen zur
„Frontier“, der damaligen Siedlungsgrenze. Dort
gründeten sie Existenzen, bauten Gemeinden auf und
brachten ein Stück fränkische Kultur mit nach Amerika.
Die Verbindungen nach Franken aber blieben oft über
Generationen hinweg bestehen. Noch heute reisen
Nachkommen fränkischer Auswander:innen in die einstige
Heimat ihrer Vorfahren und besuchen dort Orte, die mit
ihrer Familiengeschichte verbunden sind.
Levi Strauss: Der Mann, der die Jeans erfand
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Levi Strauss Museum
Buttenheim | Fränkische Schweiz © Peter
Weigelt |
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Ein Stück dieser Emigrationsgeschichte hat wohl jeder
heute im Kleiderschrank hängen: die Jeans. „Erfunden“
hat sie Levi Strauss, geboren 1829 in Buttenheim in der
Fränkischen Schweiz als Sohn eines jüdischen Hausierers.
Als der Vater 1846 starb, geriet die Familie in
wirtschaftliche Schwierigkeiten. Zwei Jahre später
entschied sich deshalb Löbs Mutter Rebecca, mit ihren
drei jüngsten Kindern nach New York auszuwandern. Doch
wenig später erreichten Nachrichten von den ersten
Goldfunden in Kalifornien die Ostküste. 1853 entschloss
sich der junge Levi, sein Glück im Westen zu suchen. In
San Francisco gründete er einen Großhandel für Stoffe
und Kurzwaren. Zu seinem Kundenkreis zählte der
Schneider Jacob Davis. Als dieser ein Verfahren erfand,
bei dem strapazierte Stellen an Hosen mit Nieten
verstärkt werden, hatte Levi eine geniale Idee: Zusammen
mit Davis meldete er ein Patent für vernietete
Arbeitshosen an. Zunächst wurde die Jeans der Marke
„Levi’s“ aufgrund ihrer Robustheit vor allem als
Arbeitskleidung geschätzt, bald aber wurde die Jeans
„salonfähig“ und entwickelte sich zur meistgetragenen
Hose überhaupt.
Heute erinnert das Geburtshaus Levi Strauss Museum in
Buttenheim an diese außergewöhnliche Erfolgsgeschichte.
Dort erfahren die Besucher:innen mehr über die
fränkischen Wurzeln von Levi Strauss, die Auswanderung
nach Amerika und den Weg zum international erfolgreichen
Unternehmer. Bis zum 27. September 2026 ergänzt die
Sonderausstellung „JEANSDINGE SAMMELN“ den Blick auf die
kulturelle Bedeutung von Denim und Jeans in Alltag,
Design und Popkultur (www.levi-strauss-museum.de).
Neubeginn
nach dem Krieg: Vom Feind zum Freund
Eine weitere
wichtige Phase der fränkisch-amerikanischen Beziehungen
begann mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Besonders
eindrucksvoll sichtbar wird diese Zeit im „Memorium
Nürnberger Prozesse“. Im historischen Saal 600 des
Nürnberger Justizgebäudes standen zwischen November 1945
und Oktober 1946 führende Vertreter des
nationalsozialistischen Regimes vor Gericht. Die
Prozesse markierten einen Meilenstein des
internationalen Rechts und prägen das Verständnis von
Völkerstrafrecht bis heute. Eine moderne
Medieninstallation verbindet Filmaufnahmen mit digitalen
Rekonstruktionen des Gerichtssaals und macht die
Bedeutung der Nürnberger Prozesse für die Gegenwart
erlebbar (museen.nuernberg.de/memorium-nuernberger-prozesse).
Rettung nach
dem Inferno: Die Würzburger Residenz
Auch die
Würzburger Residenz ist eng mit dieser Zeit verbunden.
Ein verheerender Fliegerangriff im März 1945 hatte die
historische Altstadt nahezu vollständig zerstört. Mit
der Stadt brannten zugleich fast alle Dächer, hölzernen
Decken und Fußböden der barocken Residenz aus. Dass die
Residenz heute wieder in alter Pracht erstrahlt und
zudem zum UNESCO-Welterbe zählt, verdankt sie dem
amerikanischen Kunstschutzoffizier und Kunsthistoriker
John Davis Skilton. Er erkannte die herausragende
Bedeutung der schwer beschädigten Residenz und
veranlasste unmittelbar nach dem Kriegsende
Sicherungsmaßnahmen. Provisorisch ließ er die Gewölbe
abdecken und bewahrte so Fresken, Stuckaturen und das
einzigartige Treppenhaus vor weiterer Zerstörung. Mehr
über sein Engagement vermittelt der Gedenkraum in der
Residenz Würzburg (www.residenz-wuerzburg.de).
Von Würzburg
nach New York: „The Sphere” in New York
Eine weitere
fränkisch-amerikanische Geschichte begann ebenfalls in
Würzburg – und führt mitten ins Herz von New York. Dort
schuf der in Würzburg geborene Bildhauer Fritz Koenig in
den 1960er Jahren die monumentale Bronzeplastik „The
Sphere“. Seit 1972 stand das mehr als 20 Tonnen schwere
Kunstwerk auf dem Vorplatz des World Trade Centers. Sie
gilt als weltweit größte Skulptur der Neuzeit und ist
das Hauptwerk Koenigs, der auch das beeindruckende
Portal des Doms St. Kilian in Würzburg gestaltet hat.
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde „The
Sphere“ weitgehend intakt aus den Trümmern geborgen und
später Teil des 9/11 Memorials. Damit erhielt das Werk
eine neue Bedeutung: Aus einem Kunstobjekt wurde ein
internationales Mahnmal (www.wuerzburg.de/tourismus).
Ein Fürther
prägt die Weltpolitik: Henry Kissinger
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Sonderausstellung im
Ludwig-Erhard-Zentrum Fürth | Städteregion
Nürnberg © Stiftung Ludwig-Erhard-Haus
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Wenn von
fränkischen Lebenswegen in Amerika die Rede ist, führt
kein Weg vorbei an Henry Kissinger. Geboren wurde der
spätere US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger
1923 als Heinz Alfred Kissinger in Fürth. Mit seiner
Familie floh er vor der nationalsozialistischen
Verfolgung in die Vereinigten Staaten und entwickelte
sich dort zu einer der einflussreichsten politischen
Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. In seiner
fränkischen Heimat begegnet man ihm unter anderem im
Ludwig Erhard Zentrum: Dort zeichnet die
Sonderausstellung „HENRY – WORLD INFLUENCER NO. 1“ sein
außergewöhnliches Leben nach. Sie erzählt zugleich die
Geschichte einer jüdischen Familie zwischen Franken und
Amerika und zeigt anhand von Dokumenten, Fotografien und
persönlichen Erinnerungsstücken die Auswirkungen der
politischen Umbrüche des vergangenen Jahrhunderts (www.ludwig-erhard-zentrum.de).
Gelebte
Freundschaft: Ambassadors of Music
Die
Beziehungen zwischen Franken und den USA sind längst
nicht nur Teil der Vergangenheit, sondern werden bis
heute durch Begegnungen, Veranstaltungen und kulturellen
Austausch gepflegt. Bestes Beispiel dafür sind die „Ambassadors
of Music“. Jeden Sommer reisen junge Musiker:innen
preisgekrönter Highschool-Orchester nach Rothenburg ob
der Tauber (2. bis 23. Juli 2026), um die Stadt mit
ihren kostenfreien Konzerten zum Klingen zu bringen. Vor
historischer Kulisse präsentieren sie klassische Werke,
Filmmusik und moderne Arrangements (www.rothenburg.de).
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Ambassadors of Music © W.
Pfitzinger/ Rothenburg Tourismus Service
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Amerikanisches Lebensgefühl hält auch im Fränkischen
Seenland Einzug. Dafür verwandelt sich am 11. und 12.
Juli 2026 das Merkendorfer Altstadtfest in eine
Westernstadt. Country-Musik, Line Dance und Bullenreiten
sorgen für echtes Wildwest-Flair. Gleichzeitig bleibt
das Fest unverkennbar fränkisch – nicht zuletzt beim
kulinarischen Angebot (www.fraenkisches-seenland.de).
Amerika
mitten in Nürnberg: Kulturaustausch im DAI
Ein wichtiger
Treffpunkt ist das ganze Jahr über das
Deutsch-Amerikanische Institut in Nürnberg (DAI),
gegründet 1946 von der amerikanischen Militärregierung.
Heute ist das DAI ein lebendiges Kulturzentrum mit
Vorträgen, Konzerten, Lesungen, Filmabenden,
Sprachkursen und der größten öffentlich zugänglichen
englischsprachigen Bibliothek Nordbayerns.
Im
Jubiläumsjahr der USA beschäftigt sich das Institut in
mehreren Veranstaltungen mit Politik und Kultur der
Vereinigten Staaten. So blickt am 6. Juli 2026 ein
Podiumsgespräch auf die Entwicklung der
transatlantischen Beziehungen. Am 9. Juli 2026 schlägt
Autor Helmut Haberkamm bei einer Lesung seines neuen
Romans „Der Baron im blauen Haus“ eine Brücke zwischen
Franken und der amerikanischen Geschichte – mit der
Geschichte des 1721 in Hüttendorf geborenen Bauernsohns
Johann Kalb: In den USA machte dieser eine schier
unglaubliche Karriere und kämpfte als hochdekorierter
General im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (www.dai-nuernberg.de).
Wer also
heute auf amerikanischen Spuren durch Franken reist,
taucht ein in Geschichten von Aufbruch, Neuanfang,
Freundschaft und kulturellem Austausch – Geschichten,
die auf beiden Seiten des Atlantiks bis heute
weitergeschrieben werden.
Meldung:
Tourismusverband Franken | Nürnberg