Für die größte Aufmerksamkeit
sorgte in diesem Jahr ein Aufsteiger aus der Pfalz. Das
Restaurant L.A. Jordan in Deidesheim schaffte den Sprung
von zwei auf drei Sterne und gehört damit nun zur
kulinarischen Spitzenklasse Deutschlands. Küchenchef
Daniel Schimkowitsch überzeugt die
Michelin-Inspektorinnen und -Inspektoren mit einer
reduzierten, präzisen Küche, die auf Klarheit und
höchste Produktqualität setzt. Besonders die elegante
Zubereitung von Fisch und Meeresfrüchten wurde
hervorgehoben. Bemerkenswert ist dabei auch die
Symbolkraft dieser Auszeichnung: Nicht eine Metropole,
sondern eine ländlich geprägte Weinregion rückt ins
Zentrum der Aufmerksamkeit.
Interessant ist, dass Deutschland
mit seinen zwölf Drei-Sterne-Restaurants inzwischen zur
absoluten Weltspitze gehört. Gemessen an der
Bevölkerungszahl liegt die Bundesrepublik deutlich vor
vielen größeren Ländern. Das neue Drei-Sterne-Restaurant
L.A. Jordan hat die deutsche Zahl aktuell stabil bei
zwölf gehalten. Führend mit großem Abstand ist weiterhin
Frankreich mit 31 Restaurants, was die große Bedeutung
der französischen Küche, die ja auch für viele deutsche
Küchenchefs inspirierend war und ist, unterstreicht.
Weltweit gibt es derzeit 156 Drei-Sterne-Restaurants.
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Michelin Gala im Palmengarten
Gesellschaftshaus |
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Die diesjährige Auswahl spiegelt
zugleich einen Wandel wider, der die gehobene
Gastronomie seit einigen Jahren prägt. Regionalität,
Saisonalität und die Zusammenarbeit mit
verantwortungsvoll arbeitenden Produzenten gewinnen
weiter an Bedeutung. Vegetarische und vegane Menüs
gehören vielerorts selbstverständlich zum Angebot.
Gwendal Poullennec, internationaler Direktor des
MICHELIN Guide, würdigte in einer Video-Einspielung das
Engagement der Gastronominnen und Gastronomen, die
Kreativität und Qualitätsbewusstsein mit einem
zeitgemäßen Verständnis von Nachhaltigkeit verbinden.
Auch im Zwei-Sterne-Bereich gab es Bewegung. Vier
Restaurants wurden neu aufgenommen. Direkt mit zwei
Sternen ausgezeichnet wurden das Restaurant the dune im
Frankfurter Hotel The Florentin sowie das ebenfalls in
Frankfurt beheimatete RAUSCH. Die Mühle in Schluchsee
konnte sich von einem auf zwei Sterne steigern. In
München erhielt THE CLOUD by Käfer in der BMW Welt auf
Anhieb zwei Sterne. Das Konzept des „Culinary Nomadism“
von Küchenchef Jens Madsen widmet sich jährlich
wechselnden Regionen der Erde und übersetzt deren
kulinarische Traditionen in moderne Menüs. Direkt im
Anschluss an die Verleihung erzählte der erst
32-jährige, sehr sympathische Jens Madsen: „Ich habe
schon mit Michael Käfer telefoniert und wir sind alle
sehr glücklich über die Auszeichnung.“ Darüber hinaus
erhielt THE CLOUD by Käfer den Preis als „Opening of the
Year“, was die Freude natürlich nochmal steigerte.
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Kostrproben |
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Unter den 20 neuen
Ein-Stern-Restaurants finden sich zahlreiche spannende
Konzepte. Das Philippin in Rutesheim entwickelte sich
vom Café zum Gourmetrestaurant. Nelson Müller erhielt
mit seiner Schote am neuen Standort in Bergisch Gladbach
einen Stern. Besonders ungewöhnlich erscheint Eatrenalin
im Europa-Park Rust: Die futuristische Verbindung aus
Kulinarik, Technologie und Inszenierung wurde von
Michelin als weltweit nahezu einzigartiges Erlebnis
gewürdigt.
Neben den Restaurants ehrte
Michelin auch Persönlichkeiten, die oft im Hintergrund
wirken. Den Service Award erhielt Karin Weißer vom
Restaurant Sankt Benedikt in Aachen. Der Young Chef Award
ging an den erst Mitte zwanzigjährigen Axel Boesen
aus Saarburg. Als Sommelier des Jahres wurde Noris F.
Conrad vom Münchner Traditionsrestaurant Tantris
ausgezeichnet. Der junge Weinkenner gilt in der Fachwelt
als Vertreter einer neuen Generation von Sommeliers:
weniger autoritär, stärker kommunikativ und
international geprägt. Dass er bereits mit Mitte 20 die
Weinverantwortung in einem der traditionsreichsten
Gourmetrestaurants Deutschlands übernommen hat, wird in
der Branche als bemerkenswerter Karriereschritt
angesehen. Lange feiern konnte er am Abend der
Sterne-Verleihung jedoch nicht: „Morgen früh geht es
gleich wieder zurück nach München an die Arbeit“,
berichtete er dennoch bester Laune im Interview. Von dem
hochtalentierten und sympathischen Noris F. Conrad wird
man sicher noch viel hören.
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Neu bei Michelin ist das Konzept
„Mindful Voices“, mit dem man künftig Menschen aus
Gastronomie, Hotellerie und Weinbau hervorheben möchte,
die mit innovativen und verantwortungsvollen Ideen neue
Wege gehen. Der bisherige Grüne Stern wird dadurch
abgelöst.
Hundert Jahre nach Einführung der
Michelin-Sterne bleibt deren Bedeutung ungebrochen. Ein
Stern steht für eine Küche, die einen Stopp wert ist,
zwei Sterne rechtfertigen einen Umweg, drei Sterne sogar
eine Reise. Die aktuelle Ausgabe des Guides zeigt
eindrucksvoll, dass Deutschland in allen Kategorien
kulinarische Reiseziele von internationalem Rang zu
bieten hat – von den Metropolen bis in die ländlichen
Regionen. Die deutsche Esskultur präsentiert sich damit
vielfältiger, kreativer und selbstbewusster denn je.
Text und Fotos Barbara Altherr