Preisverleihung

„Mit dem Wasser planen und bauen“ BDB Förderpreis vergeben

Im Rahmen des HCU x BDB-Dialogs 2026 in Hamburg hat der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure die Preisträgerinnen und Preisträger der 24. Ausgabe seines Student:innen-Förderpreises ausgezeichnet. „Mit dem Wasser planen und bauen“ so lautete das Thema mit dem der Nachwuchswettbewerb herausragende Studienarbeiten aus Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung und Bauingenieurwesen würdigte.

 

 

 

Nachwuchspreisträger BDB Förderpreis 2026 Gruppenbild

Foto (c) Gerlinde Wolf

 

Mehr als 150 Einreichungen von über 60 Universitäten und Hochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen die hohe Relevanz des diesjährigen Themas. Die eingereichten Arbeiten setzten sich mit den Herausforderungen und Chancen des Bauens im Zeichen von Klimawandel, Wasserknappheit, Hochwasserschutz und neuen Infrastrukturen auseinander. Insgesamt vergab der BDB drei Preise, zwei Sonderpreise und zwei Anerkennungen. Der Förderpreis ist mit insgesamt 5.200 Euro dotiert.

 

Im Bereich Gebäude wurde Alicia Meier von der TU Delft für ihre Masterarbeit „Can Aigua“ ausgezeichnet. Ihr Entwurf eines Badehauses für Valldemossa auf Mallorca entwickelt eine architektonische Antwort auf zunehmende Wasserknappheit. Architektur wird darin als Schwamm verstanden: als System, das Wasser aufnimmt, speichert und in soziale, räumliche und ökologische Zusammenhänge einbindet.

Alicia Meier von der TU Delft erhält mit ihrem Projekt "Can Aigua - Vom Verschwinden der Wasserkulturen zur Wiederbelebung der Wassererlebnisse auf Mallorca"

Die Jury würdigt damit einen hervorragenden Beitrag und ein überragend kreatives und fundiertes Architekturprojekt zum Thema "Mit dem Wasser planen und bauen".

 

Das Projekt beweist die Anwendung eines sehr überzeugenden methodischen Ansatzes und gleichzeitig eine faszinierende gestalterische Umsetzung. Die Arbeit überzeugt mit einem klaren und logischen Konzept sowie einer eigenständigen Positionierung hinsichtlich der Frage, wie sich die Lebensqualität an einem Ort durch den Einsatz von Wasser verbessern lässt.

 

Das prämierte Projekt stützt sich auf eine sehr solide Analyse, welche die historischen, topografischen und morphologischen Qualitäten des Ortes untersucht. Sie erläutert, wie das Natur-Element Wasser sowohl im metaphorischen und kulturellen als auch im räumlichen und physischen Sinne tief in der lokalen Kultur des Kontextes verankert ist und zur Identität des Ortes beiträgt.

 

Gleichzeitig entwickelt die Entwurfsarbeit ein überzeugendes Konzept, das es ermöglicht, das Erbe der Vergangenheit in eine zukunftsfähige Perspektive für eine nachhaltige Symbiose zwischen neuer Architektur, Natur und Wasser zu übertragen.

 

Als Ausgangspunkt wird die Wasserhierarchie betrachtet, in der unterschiedliche Nutzungen unterschiedliche Qualitäten und Prioritäten besitzen. So entwickelt sich das prägende Konzept, dass die Architektur zum Diagramm des Wassers wird. Dadurch entstehen verschiedene Momente - fließendes Wasser, gefiltertes Wasser, verdunstendes Wasser und ruhendes Wasser -, die eine überzeugende narrative Grundlage für das Projekt bieten.

 

Das Projekt integriert die architektonischen Interventionen sinnvoll in die Topografie, indem es die Idee umsetzt, dass das Gebäude kein abgeschlossenes Objekt ist, sondern Teil eines Kreislaufs. Es wirkt wie ein Schwamm anstatt wie eine hydrophobe Barriere. So wird der Kreislauf des Regenwassers gestalterisch thematisiert und wirkt synergetisch mit den architektonischen und konstruktiven Gebäudeteilen.

 

Das Projekt formuliert zudem einen positiven Ansatz zum Thema Gemeinschaftsleben und sensibilisiert für die Bedeutung des Wassers als Gemeinschaftsgut und die Notwendigkeit, verantwortungsvoll damit umzugehen.

 

Das Projekt überzeugt auch gestalterisch durch seine puristischen und fast archaischen Formen, die Natur und architektonische Artefakte vereinen und überzeugende ästhetische Qualitäten erzeugen. Konsequenterweise ermöglicht die bewusste Rückkehr zu analogen Techniken eine raffinierte grafische Darstellung, zu der auch die Robustheit des Modells passt, was insgesamt zu einem stimmigen Gesamtkonzept beiträgt.

Im Bereich Ingenieurbau/Konstruktion erhielt Luis Navarro Preuß von der Universität Innsbruck den Preis für seine Diplomarbeit „SUFES – symbiotic urban floating energy storage“. Das Projekt entwirft eine schwimmende Energieinfrastruktur, die elektrische Energie durch veränderte Höhenlagen im Wasser speichert und damit neue Perspektiven auf Energie, Infrastruktur und urbane Wasserräume eröffnet.

Luis Navarro Preuß von der Universität Innsbruck mit "SUFES - symbiotic urban floating energy storage"

 

Was wäre, wenn wir unseren zukünftigen Städtebau auch auf dem Wasser denken? In Zeiten, in denen weltweit von steigenden Meeresspiegeln auszugehen ist, ist das Bauen auf dem Wasser - und nicht nur in Küstenregionen - eine Lösung. Wird diese dann in innovativer Weise durch das Mitdenken von Energieinfrastruktur angereichert, sind wir schon mittendrin im Thema resilienter Städtebau.

 

Der Vorschlag von Luis Navarro Preuß verbindet Architektur und Energiemanagement auf sinnfällige und überaus spektakulär erlebbare Weise. Mit der Problematik steigender Meeresspiegel und der Notwendigkeit einer Ausweitung des Einsatzes erneuerbarer Energie durch Sonne und Wind schlägt Preuß ein System von Energiepufferspeichern vor, das Architektur und aktiver Speicher zugleich ist.

 

In Anlehnung an die in Österreich zahlreich gebauten Pumpspeicherkraftwerke wird in Amsterdam im Wasser ein großer Schwimmbehälter platziert, auf dem gebaut werden soll. Das Gewicht der Bebauung drückt den Behälter unter Wasser. Um überschüssige - weil gerade nicht benötigte - Energie zu speichern, wird Wasser aus dem Tank gepumpt; Tank und Architektur steigen auf. Wenn Energie benötigt wird, wird der Tank mittels Turbinendurchlauf geflutet, Strom produziert und die Struktur sinkt in ihre ursprüngliche Position zurück.

 

Die schwimmenden, skalierbaren Architekturspeicherkraftwerke lassen in diesem Entwurf bewusst offen, welche Architektursprache gewählt wird. Hier erscheinen die Bauten als organisch designte Handschmeichler, die über geheimnisvolle Apparaturen gesteuert und mit der Stadt verbunden scheinen.

 

Die Interpretation von Architektur als etwas Objekthaftes unterstreicht den Anspruch des Entwurfs, nicht fertige Bilder und ausgefeilte Systeme vorgeben zu wollen, sondern uns alle aufzufordern, Architektur als etwas Umfassenderes anzuschauen, als wir sie häufig und gemeinhin verstehen.

 

"SUFES - symbiotic urban floating energy storage" gibt Denkanstöße zur Diskussion zukünftigen Städtebaus - an den Küsten, im Binnenland, aber auch darüber hinaus. Und nicht zuletzt ist es ein Hingucker, der Irritation auszulösen im Stande ist.

Im Bereich Landschafts- und Städtebau erhielt Leonie Hartung von der Universität der Künste Berlin den Förderpreis für ihre Masterarbeit „The River and the Risk“. Die Arbeit untersucht Hochwasserschutz und räumliche Gestaltungsmöglichkeiten im Ahrtal nach der Hochwasserkatastrophe von 2021 und entwickelt auf Grundlage umfangreicher Vor-Ort-Recherchen fünf Zukunftsszenarien für das Tal.

 

Leonie Eliana Hartung von der Universität der Künste Berlin mit ihrem Projekt "The River and the Risk"

 

Die Jury würdigt damit den kritischen, sensiblen und verantwortungsvollen Beitrag, der den Umgang mit zunehmend extremeren Flusshochwasserereignissen als landschaftliche Gestaltungsaufgabe der Zukunft begreift.

Ausgehend von einer kritischen Problematisierung des Wiederaufbaus in der Aue des Ahrtals nach der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2021 entwickelt die Arbeit eine konsequente Gegenposition. Sie setzt nicht auf erneute Bebauung in Ufernähe und technische Hochwasserschutzmaßnahmen, sondern auf eine gestalterische, planerische, rechtliche und gesellschaftliche Debatte zum Umgang mit Risikozonen und Hochwasserrisiko.

Besonders hervorzuheben ist die fundierte, umfassende und wunderbar aufbereitete Recherche, die Geschichten, Mythen, Wissen und Bilder aus zahlreichen Interviews, Vor-Ort-Recherchen und Archiven souverän miteinander verschränkt und einen umfassenden Eindruck vom Wandel der Beziehung der Menschen zum Leben am und mit dem Fluss vermittelt.

Die fiktive Zukunftserzählung (2024-2124) begreift den Flussraum als ein dynamisches Ökosystem mit verschiedenen Risikozonen, die durch vielfältige Akteur:innen als Gemeinschaftswerk basierend auf lokalem Wissen und rechtlichen Möglichkeiten gestaltet werden.

Besonders überzeugend ist die Verbindung zwischen den vorgeschlagenen Planungsstrategien zum Umgang mit Auen als menschliche Lebensräume und dem Entwerfen fiktiver Gesetze und Vorschriften, die zu ganz unterschiedlichen räumlichen Qualitäten in fünf verschiedenen Bereichen der Flussaue führen.

Die wunderbar erzählten, grafisch und atmosphärisch gut aufbereiteten und inhaltlich visionären Szenarien zeigen, wie Flüsse durch ihre Überflutungen als gestaltendes Medium zukunftsweisende Praktiken der Bewirtschaftung und Nutzung einer sich ständig verändernden Auenlandschaft neu strukturieren können.

 

Die Arbeit zeichnet sich durch hohe gesellschaftliche Relevanz, konzeptionelle Stringenz, methodische Tiefe und große gestalterische Eigenständigkeit aus. Sie eröffnet einen neuen gesellschaftlichen Diskurs jenseits konventioneller Planungsstrategien im Umgang mit Hochwasserrisiken und stellt damit einen herausragenden Beitrag zum Leitthema "Mit dem Wasser planen und bauen" des diesjährigen BDB Wettbewerbs dar.

Ebenfalls im Bereich Ingenieurbau/Konstruktion wurde Linus Starmann von der Technischen Universität Braunschweig mit einem Sonderpreis für seine Arbeit „boi breem 90.0“ ausgezeichnet. Sein experimenteller Entwurf einer schwimmenden Hafenboje als globaler Container-Umschlagplatz verbindet Fragen von Logistik, Automatisierung, Klimawandel und Geopolitik zu einem kritischen Zukunftsszenario.

Linus Starmann von der Technischen Universität Braunschweig wird mit einem Sonderpreis im Bereich Ingenieurbau/Konstruktion für seine Arbeit "boi breem 90.0" ausgezeichnet.

 

Eine riesige Boje mit über 350 Metern Tiefgang als vollautomatisierter schwimmender Containerhafen: Wir schreiben das Jahr 2050, die Arktis ist mittlerweile eisfrei und die Bremer Hafenboje schwimmt samt einer Forschungsstation als Satellit in den internationalen Gewässern des arktischen Meeres.

 

Das schwimmende Logistik- und Wissenschaftszentrum macht die alte Hansestadt Bremen wieder zu einer bedeutenden Handelsstadt. Eine Utopie oder ein reales Zukunftsszenario?

 

Hier geht es weniger um ein konkretes Bauprojekt, sondern um die Frage, welche Folgen Klimawandel, Geopolitik, neue internationale Handelsrouten und Machtinteressen auf die gebaute Umwelt haben könnten.

 

Anstatt am historischen Standort des Seehafens in Bremen zu verharren, zeigt der Entwurf eine vollkommen andere Dimension. Der experimentelle Ansatz fordert uns technisch durchdacht und bildgewaltig zum Nachdenken auf. Ein beeindruckender Beitrag mit kritischem Blick weit über die übliche Hafenkante hinaus.

 

 

 

Ein weiterer Sonderpreis ging an Enrico Bischoff von der TU Dresden für seine Bachelorarbeit „Wasser in der Stadt – eine akustische Annäherung“.

 

  Anerkennungen erhielten Lisa Engel und Kristin Rodemann von der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe für „Schutz schafft Raum zum Leben: Gestaltung als Brücke statt Wasser als Grenze“
     

 

 

Carmina Henzler Carrascal von der Universität der Künste Berlin für „Rosa Rohre – Eine Reaktivierung des Neuköllner Wasserturms“.

 

„Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig, kritisch und lösungsorientiert sich die junge Generation von Planerinnen und Planern mit dem Thema Wasser auseinandersetzt“, sagt BDB-Präsident Dipl.-Ing. Christoph Schild. „Sie machen deutlich, dass Wasser längst nicht mehr nur Randbedingung des Bauens ist, sondern ein zentraler Ausgangspunkt für die Gestaltung resilienter, nachhaltiger und lebenswerter Räume.“

 

Meldung: Bund Deutscher Baumeister, Architekten & Ingenieure e.V., Berlin

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 11. Juni 2026