Umbau und Neubau gmp - Pressehaus am Berliner Alexanderplatz

Am Alexanderplatz in Berlin haben die Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) das 17-geschossige Pressehaus sowie das zugehörige Pressecafé saniert und um einen Neubau ergänzt. Die ursprüngliche Fassade des Hochhauses von 1973 wurde wiederhergestellt, der lange verdeckte programmatische Fries des Pressecafés restauriert und mit dem „New Podium“ ein ergänzender Neubau geschaffen, der eine städtebauliche Verbindung zum benachbarten Scheunenviertel herstellt.

 

 

Das als „Haus des Berliner Verlages“ bekannte Hochhaus an der Karl-Liebknecht-Straße war als bauliche Entgegnung der DDR-Regierung zum Bau des Axel-Springer-Hochhauses im Berliner Westen entstanden. Nach dem Mauerfall sollte es zusammen mit weiteren Hochhäusern der DDR-Moderne abgerissen werden. Stattdessen wurde es mit dem Haus des Lehrers und dem Haus des Reisens 2015 unter Denkmalschutz gestellt. Nach dem Verkauf des Pressehauses an den Entwickler Tishman Speyer konnte 2017 mit der umfassenden Sanierung begonnen werden.

 

Zwischen 1970 und 1973 wurde das Bauensemble des Berliner Verlags von den Architekten Karl-Ernst Swora, Rainer Hanslik, Gerhard Voss, Waldemar Seifert und Günter Derdau geplant und durch den VE BMK Ingenieurhochbau Berlin realisiert. Die Kosten für die Errichtung des Bauwerks wurden auf 60,5 Millionen Mark der DDR beziffert. Das Verlagshaus stellte 1000 Arbeitsplätze zur Verfügung.

 

   

Das Ensemble am Alexanderplatz wurde in drei Einzelprojekten geplant und umgesetzt. Ziel war die denkmalgerechte Sanierung, Restaurierung und Arrondierung in einem städtebaulichen Umfeld, das in den kommenden Jahren zu einem Hochhausstandort weiterentwickelt werden soll.

Grundriss EG

 

Regelgeschoss

 

 

Das Hochhaus hat 17 Geschosse und wurde in Stahlskelettbauweise errichtet. Es ist 150 Meter lang, davon sind 92 Meter an der Nordwestseite des Alexanderplatzes. Das Gebäde ist 15 Meter breit. Im ersten Bauabschnitt wurde die 92 Meter lange Hochhausscheibe des Pressehauses mit Büro- und Gewerbeeinheiten bei laufendem Betrieb saniert. Dabei erhielt der Stahlskelettbau seine ursprüngliche Fassadenstruktur zurück – mit auskragenden weißen Aluminium-Paneelen als Brise Soleil, die bei einer früheren Sanierung entfernt worden waren. Ein neues Vordach wurde installiert und die Erdgeschossfläche vergrößert. Die Haustechnik wurde vollständig erneuert und der Innenausbau für flexibel nutzbare Arbeitswelten angepasst. Nach zweijähriger Planungs- und Bauzeit konnte die Hochhausscheibe bereits im Mai 2019 wieder in Betrieb genommen werden.

 

 

Ausstellungsmodell anlässlich DAM Preis 2025, Foto (c) Kulturexpress

 

Als zweiter Bauabschnitt wurde das Bestandsgebäude in der rückwärtigen Kleinen Alexanderstraße zurückgebaut und an seiner Stelle das New Podium errichtet, das sich an den Traufkanten der denkmalgeschützten Nachbargebäude orientiert. Zugleich wird hier die Gestaltungsidee der Hochhausfassade fortgeführt. Damit vermittelt das Gesamtensemble in Gestaltung und Maßstab zwischen den Hochhäusern am Alexanderplatz und der kleinteiligen Bebauung des Scheunenviertels. Im Erdgeschoss und erstem Obergeschoss verbinden sich Hochhaus und New Podium zu einer gemeinsamen Nutzungseinheit.
 

Das Pressecafé wurde als letzter Baustein geplant. Der 76 Meter lange und 3,50 Meter hohe Emaille-Fries an der Attika des Pressecafés mit dem Titel „Die Presse als Organisator“ von Willi Neubert war 29 Jahre verdeckt. Nun wurde es wieder freigelegt und denkmalgerecht saniert. Zusammen mit den Friesen am Haus des Lehrers und am Haus des Reisens von Walter Womacka diente es der Darstellung des sozialistischen Fortschritts im Stadtbild. Das Erdgeschoss wurde in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt sowie dem Baukollegium des Senats mit einer Glasfassade versehen, um den Straßenraum zu harmonisieren und die Fläche als zusätzlichen Innenraum für das Pressecafé nutzen zu können. Das gesamte Gebäude ist mit LEED Gold zertifiziert. Nach der Sanierung und baulichen Erweiterung ist das Haus seit März 2023 wieder Sitz des Berliner Verlags.

 

 

 

Pressecafé 

Wie Reclams Kunstführer Berlin beschreibt, fällt die freistehende, verglaste Feuertreppe des Gebäudes besonders ins Auge. Werbetafeln und Signets mit unterschiedlichen Titeln des Berliner Verlags wurden an ihr angebracht. Der Schriftzug des Berliner Verlags ist auf einem rotierenden Zylinder an der Spitze montiert. Im Zuge der politischen Wende wurden die Werbetafeln für nicht weitergeführte Titel durch solche von vier damals aktuellen Zeitschriften und Zeitungen ersetzt.

 

 

Innenansicht

 

Tishman Speyer Properties beauftragte nach dem Auszug der Zeitungsredaktionen und der späteren Zwischennutzer aus dem Gebäude eine umfassende Renovierung. Sie nahm im Jahr 2017 ihren Anfang. Im rückwärtigen Bereich sollte ein nicht unter Denkmalschutz stehender Flachbau abgerissen und durch ein höheres Bürogebäude ersetzt werden. Das Gebäudemanagement stellte im September 2018 im Baukollegium des Senats konkrete Pläne vor, die eine Rekonstruktion der ursprünglichen Fassadengestaltung in Verbindung mit inneren Umbaumaßnahmen vorsahen. Die vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (GMP) Entwürfe wurden sahen eine Überarbeitung der ursprünglichen weißen Aluminium-Verkleidung vor. Der Senat zeigte sich grundsätzlich einverstanden. Tishman Speyer vereinbarte Mietverträge mit dem Online-Möbelhändler Wayfair über acht Etagen und mit dem Medienkonzern Naspers über sieben Etagen. Im Jahr 2021 wurde das Gebäude so vorbereitet, dass es als Sitz mehrerer Unternehmen genutzt werden kann. Zitiert nach Ulrich Paul: Neue Fassade nach altem Vorbild, in der Berliner Zeitung, vom 11. Septmber 2018.

 

Meldung gmp Architekten, Hamburg und Wikipedia: Haus des Berliner Verlages

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 24. Mai 2026