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Foto (c)
Kulturexpress |
Bittere Wahrheit liegt auf dem amtlichen
Statistiktisch: Als „dramatisch“ hat das Verbändebündnis
Wohnungsbau die heute vom Statistischen Bundesamt
veröffentlichten Baufertigstellungszahlen für 2025
bezeichnet. Die Zahl von lediglich 206.600 neu gebauten
Wohnungen sei „schockierend niedrig“. Damit sei der
Wohnungsneubau im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr
noch einmal um 18 Prozent zurückgegangen. Die
Neubau-Bilanz erreiche damit den niedrigsten Wert seit
13 Jahren. Das zeige schonungslos: „Deutschland steckt
in einer tiefen strukturellen Wohnbaukrise. Wir liegen
weiter unter dem gesellschaftlich notwendigen Bedarf von
400.000 Wohnungen pro Jahr“, so das Verbändebündnis
Wohnungsbau.
Bereits beim
letzten Wohnungsbau-Tag Ende März hat das Bündnis aus
sechs führenden Verbänden und Organisationen der Bau-
und Wohnungswirtschaft ein konkretes
Vier-Punkte-Programm vorgelegt, um die Trendwende beim
Wohnungsbau zu schaffen. „Fast zwei Monate später sind
wir keinen Schritt weiter“, so das Bündnis. Und dessen
Prognose fällt noch düsterer aus: Die Branchen-Experten
erwarten in diesem Jahr sogar einen Absturz auf unter
200.000 neu gebaute Wohnungen. „Das ist nicht einmal die
Hälfte der Neubauwohnungen, die es geben müsste“, so das
Verbändebündnis Wohnungsbau.
„Dass sich der Wohnungsneubau trotz eines immer größeren
Wohnungsmangels negativ entwickelt, ist eine
Hiobsbotschaft – vor allem für Hunderttausende von
Menschen, die dringend eine bezahlbare Wohnung brauchen.
Aber auch für die Branche, der mehr und mehr die
Produktionskapazitäten wegbrechen, die eigentlich für
einen funktionierenden Wohnungsneubau dringend gebraucht
würden. Und natürlich auch für die Bundesregierung, die
ein ‚Bauen, bauen, bauen.‘ versprochen hatte“, erklärt
das Verbändebündnis Wohnungsbau.
Angesichts der dramatischen Perspektive für den
Wohnungsmarkt fordert das Bündnis:
-
Eine schnelle,
rechtssichere Umsetzung des gesetzlichen Standards
„Gebäudetyp E“ als das neue Normal. Dies darf nicht
erst zum Jahresanfang 2027 geschehen, sondern muss
zeitnah passieren. Pragmatische Vorschläge hierzu
wurden auf dem Wohnungsbautag dargestellt.
-
Nach dem Einbruch der
Förderungen auf ein Drittel des Niveaus von 2022 ist
es dringend erforderlich, ein einfaches
Förderkonzept aufzusetzen, das nicht erst 2027
greift, sondern umgehend. Die im Koalitionsvertrag
zugesagten Maßnahmen müssen zeitnah umgesetzt
werden. Die von der Bauministerin angekündigte
Verlängerung der EH-55-Förderung ist überfällig. Sie
muss vor allem aber verlässlich und bezüglich der
Zinsen attraktiv ausgestaltet werden. Durch eine
solche Förderung kann massiv privates Kapital
mobilisiert werden. Außerdem muss auch die
steuerliche Sonderabschreibung nach §7b EstG auf das
EH 55 EE ausgerichtet werden und nicht weiter auf
das völlig überteuerte EH 40 QNG. Dies sorgt für
einen Schub im Mietwohnungsbau.
-
Wohnungsbauprojekte
müssen nach dem „Fast Lane“-Prinzip einen
Abwägungsvorrang auf der Ebene einzelner Vorhaben
bekommen. Schnelleres Planen, Genehmigen und Bauen
muss im Fokus der Prozessoptimierung bei Ländern und
Kommunen stehen. Im Rahmen der Bau-BG-Novelle sollen
dazu die Grundlagen geschaffen werden. Auch hier
gilt es zu beschleunigen.
-
Als Pulsmesser für die
Effektivität von Maßnahmen gilt es, eine
Baubeginn-Statistik nach einheitlichen Kriterien zu
etablieren. Dies stellt keine zusätzliche Bürokratie
dar. Es vereinheitlicht allerdings die
Datenerhebung.
Branchen-Appell an die
Bundesregierung: „Die Lösungen liegen auf dem Tisch“
Das Verbändebündnis
Wohnungsbau appelliert eindringlich an die Politik: „Die
Fertigstellungszahlen sind kein Schicksal, sondern das
Ergebnis jahrelanger, unzureichender Rahmenbedingungen.
Auf verschlechterte Finanzierungsbedingungen wurde mit
komplexen, kleinteiligen Förderprogrammen, weiter
verschärften Anforderungen und damit Kostensteigerungen
reagiert. Das hat den Wohnungsneubau und die
Modernisierung abgewürgt. Es gibt kein
Erkenntnisproblem, wie der aktuelle Koalitionsvertrag
deutlich macht, sondern ein Umsetzungsproblem.“
Bezahlbares Wohnen sei Voraussetzung für
gesellschaftliche Teilhabe und sozialen Zusammenhalt.
„Gleichzeitig ist ein starker Wohnungsbau ein zentraler
Konjunkturmotor: Er schafft und erhält Arbeitsplätze im
Handwerk, in der Industrie, in der Planung, im
Fachhandel und stärkt die Wirtschaft weit über die
Bauwirtschaft hinaus“, erklärt das Wohnungsbau-Bündnis.
Die aktuellen Zahlen seien deshalb mehr als ein
Warnsignal – sie seien ein klarer Auftrag: „Jetzt ist
die Zeit für entschlossenes Handeln – gemeinsam auf
allen Ebenen“, fordert Bündnis.
In dem Bündnis haben sich die Industriegewerkschaft
Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gemeinsam mit dem
Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), dem
Bundesverband deutscher Wohnungs- und
Immobilienunternehmen (GdW), dem Bundesverband Freier
Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) und der
Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM)
als Dachverband der Mauerstein-Industrie
zusammengeschlossen. Koordiniert wird das
Verbändebündnis vom Bundesverband Deutscher
Baustoff-Fachhandel (BDB). Einmal im Jahr veranstalten
die sechs Akteure der Bau- und Wohnungswirtschaft den
Wohnungsbau-Tag. Er gilt als der Branchen-Gipfel zum
Wohnungsbau in Deutschland.
Das Verbändebündnis Wohnungsbau legte zur Entwicklung
der Baufertigstellungen in Deutschland eine Grafik vor.
Den aktuellen Neubaubedarf kennzeichnet das Bündnis
darin bei 400.000 Wohnungen pro Jahr.
Statements der Akteure im Verbändebündnis Wohnungsbau
zu den am 22.
Mai vorgelegten Destatis-Zahlen der Baufertigstellungen
2025
Die Wohnungswirtschaft Deutschland |
GdW
Fast Lane für den Wohnungsbau
„Der Wohnungsbau muss jetzt endlich Fahrt aufnehmen.
Also: Schluss mit endlosen Diskussionen über Probleme,
stattdessen schnelle Umsetzung der notwendigen
Maßnahmen. In angespannten Märkten brauchen wir schnell
eine „Fast-Lane“ – also einen verbindlichen
Abwägungsvorrang – für das Wohnen, bundesweit einen
rechtlich verlässlichen Basisstandard, die steuerliche
Förderung des EH55 EE und Förderkonditionen, die sich
nicht im Wochentakt ändern, sondern endlich eine
Planbarkeit ermöglichen.“
Axel Gedaschko |
GdW-Präsident
Bundesverband Deutscher
Baustoff-Fachhandel | BDB
Halbe Legislaturperiode vergeht – ohne politische
Akzente
„Seit dem Wohnungsbau-Tag
sind schon wieder zwei Monate vergangen. Es gibt kein
Erkenntnisproblem, wie der Koalitionsvertrag zeigt,
sondern ein Umsetzungsproblem. Mit Umsetzungen von
Maßnahmen zum „Gebäudetyp E“ oder einer neuen
Fördersystematik bis Januar 2027 ist die Hälfte der
Legislaturperiode vergangen, ohne dass wirklich Akzente
gesetzt wurden. Währenddessen stürzt der Wohnungsneubau
ab und Kapazitäten verschwinden vom Markt.“
Katharina Metzger |
BDB-Präsidentin
Zentralverband Deutsches Baugewerbe |
ZDB
Bauinvestitionen sind Motor für den Wohlstand
"Die Wohnungsnot wächst.
Deswegen brauchen wir sofort eine Förderpolitik, die
Investitionen in den Wohnungsbau lenkt, damit endlich
nach Bedarf gebaut wird. Das ist nicht nur
Sozialpolitik. Das ist Wirtschaftspolitik:
Bauinvestitionen stärken Handwerk, Industrie und
regionale Wirtschaftskreisläufe – sie sind Motor für den
Wohlstand unserer Gesellschaft.“ Wolfgang
Schubert-Raab | ZDB-Präsident
Bundesverband Freier
Immobilien- und Wohnungsunternehmen | BFW
Fehlende Wohnungen sind
knallharter Standortnachteil
„Die Fertigstellungszahlen
beim Wohnungsneubau sind Gradmesser für den Erfolg des
Landes insgesamt. Denn die Wertschöpfung beim
Wohnungsneubau findet komplett inländisch statt. Ohne
ausreichend Wohnungsneubau fehlt das Fundament für
Wachstum. Wenn Häuser und Wohnungen fehlen, dann ist das
ein knallharter Standortnachteil. Es wird Zeit, dass aus
den Ankündigungen endlich Gesetze werden.“ Dirk
Salewski | BFW-Präsident
Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks-
und Wohnungsbau | DGfM
Kommt da noch was?
„Der ungebremste Einbruch
der Fertigstellungszahlen macht deutlich, dass die
bisherigen Maßnahmen keinen spürbaren Erfolg gebracht
haben. Deren Fortschreibung und Umstrukturierung wird
daher nicht reichen. Es braucht echte Veränderungen, wie
Zuschussprogramme und Abschreibungsmöglichkeiten für
Selbstnutzer. Wenn die noch vorhandenen
Produktionskapazitäten erhalten werden sollen, braucht
es eine schnelle Antwort auf die Frage: Kommt da noch
was?“ Dr. Hannes Zapf | DGfM-Vorsitzender
Industriegewerkschaft
Bauen-Agrar-Umwelt | IG BAU
Gute Arbeit setzt bezahlbares Wohnen voraus
„Alle gegenwärtigen Versuche, die Wirtschaft anzukurbeln
und mehr Menschen in Arbeit zu bringen, müssen ins Leere
laufen, solange eine Grundvoraussetzung für
funktionierende Arbeitsmärkte nicht erfüllt ist:
Ausreichend bezahlbarer und bedarfsgerechter Wohnraum
für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Will die
Bundesregierung die Bremse beim Wirtschaftswachstum
lösen, muss sie den bezahlbaren Wohnungsbau in Schwung
bringen.“ Robert Feiger | IG
BAU-Bundesvorsitzender