In
zwei Akten, Oper die aus sieben Bildern auf
Grundlage einer lyrischen Tragödie von
Federico García Lorca besteht. Der spanische Dichter
griff in seinem 1933 uraufgeführten Drama
„Bluthochzeit"
auf einen zeitlosen Stoff zurück. Seine Anklage richtet
sich gegen das eiserne Gesetz der Blutrache.
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Im Wolkenfoyer, Foto (c)
Kulturexpress |
Das Libretto wurde von Wolfgang Fortner komponiert und basiert auf
dem gleichnamigen Schauspiel des spanischen Dichters.
Als Textvorlage für die Oper dient die häufig verwendete deutsche Übersetzung von Enrique Beck. Das Stück wurde
zum ersten Mal am 8. Juni 1957 am Opernhaus der Stadt
Köln unter der Leitung von Günter Wand aufgeführt. Der
große Erfolg führte dazu, dass das Stück bald auf
zahlreichen anderen Bühnen gespielt wurde, aber
heutzutage ist es in den Spielplänen eher selten zu
finden. Dieser Eindruck spiegelte sich ungerechtfertigterweise auch am 13. Mai an der Oper
Frankfurt wider. Premiere war am 10. Mai.
Zuerst stellte sich heraus, dass der Platz auf dem ich
saß, gar nicht meiner war. Auf meiner Eintrittskarte
stand 1. Rang. Stattdessen hatte ich mich ins Parkett in
die zweite Reihe ganz vorne hin verirrt. Prompt kam ein
Gast und sagte, ich hätte seinen Platz. Woraufhin eine
Platzanweiserin sofort zur Stelle war, um bei der
Aufklärung des Sachverhalts zu helfen. Es stellte sich
heraus, dass meine Karte eine Etage höher für den Balkon
vorgesehen, ich versehentlich den falschen Platz
ausgesucht hatte. Die Platzanweiserin fügte unvermittelt
an: ich könne bleiben, da die Vorstellung nicht
übermäßig gut besucht sei und ließ mir freie Platzwahl.
Das hatte den Vorteil, dass so gut wie jedes Wort der
Aufführung über den Orchestergaben hinweg akustisch
leicht verständlich war, was in schwierigen Opern nicht
immer der Fall ist.. Fortners Oper
„Bluthochzeit" ist
äußerst textbetont, die gesamte Aufführung
setzt sich ähnlich einem Theaterstück aus gesprochener
Sprache und Dialogen zusammen.
In seiner Oper orientiert er sich eng an Lorcas Text,
fügt lange gesprochene Passagen in seine Partitur ein
und verwendet den Gesang als eine intensive, dramatisch
gesteigerte Form der Sprache. Dieser Eindruck
täuscht nicht darüber hinweg, dass auch musikalisch
einiges hochrangig zu bewerten ist. Wolfgang Fortner
nutzt in seiner Komposition anspruchsvoll Schönbergs
Zwölftonmusik, nimmt es angeblich aber nicht immer so genau
damit. Der Atem der spannungsgetriebenen 1950er
Jahre, auf explodierendes Zischen und prasselndes
Schlagzeug setzend, kam stellenweise auch an diesem
Abend durch.
Foto (c)
Xiomara Bender
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Magdalena Hinterdobler, Braut
hier in Weiß |
Zum Inhalt:
In einem spanischen Dorf haben sich zwei Familien seit
Generationen bekriegt. Eine Hochzeit steht bevor. Durch
den bitteren Konflikt zwischen den Clans hat die Mutter
des Bräutigams ihren Ehemann und ihren ältesten Sohn
verloren. Jetzt kämpft sie um das Leben ihres jüngsten
Sohnes. Sie hat Angst, dass seine Ehe dazu führen wird,
dass der Konflikt zwischen den beiden Familien erneut
aufflammt. Die Braut ist weiterhin in ihren ehemaligen
Verlobten Leonardo verliebt, der dem feindlichen Clan
angehört. Er entführt sie direkt nach der Hochzeit. Sie
entkommen in den Wald, aber ihre Verfolger holen sie
ein. Der Bräutigam und Leonardo sterben im Duell, die
Blutrache verdoppelt sich.
Leonardo wird gesungen und gespielt von dem Bariton,
Mikołaj Trąbka, die Braut singt der Sopran,
Magdalena Hinterdobler, deren Kostüm sich vom Weiß
einer Braut zum Schwarz einer Witwe wandelt, den mit
einer Axt bewaffneten Mond singt der körperlich
hochgewachsene und Aufmerksamkeit erregende Tenor AJ Glueckert.
Der Mond tritt als personifizierter Holzfäller auf.
Seine Aufgabe ist es, als düsteres, unheilvolles
Schicksalssymbol den Wald zu erhellen, damit der Tod,
personifiziert durch die Bettlerin, um Braut und
Leonardo aufzuspüren. Er fungiert als grausamer
Helfershelfer, der die Fliehenden der tödlichen
Blutrache preisgibt.
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Bildmitte Claudia Mahnke (Mutter)
und Christian Clauß (Bräutigam) Hintergrund
Ensemble |
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Für die spanische Aufmachung während der Inszenierung
sorgen unter anderem Kastagnetten, die klangvoll altes
Brauchtum vermitteln. Immer wieder sind Blechinstrumente
singulär zu vernehmen, lautstark Akzente setzend die
Signalwirkung auf der Bühne haben. Große Teile der Oper
besteht aus Dialogen, die in Räumlichkeiten über
Esstisch und Sitzgelegenheit hinweg stattfinden, in
Küche oder Wohnraum. Eine Hochzeit bringt unversehens
Stimmung auf die Bühne, die Gefechte der Kontrahenten
enden leider tödlich. Die mehrheitlich spanisch
inspirierte Kostümierung ist schlicht
gehalten oftmals Schwarz oder Anthrazitfarben. Manche
weibliche Kostüme erinnern an ein zerzupftes
Federkleid wie bei einer Harlekinade. Die Gesichter der Interpreten
wirkten nicht sehr schmeichelhaft während des Applauses,
was wohl zur tragischen Aussage der Opernaufführung mit
dazu gehören sollte, obwohl echte Euphorie in dieser
Klasse verdient ist.
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Hintergrund ausgelassene
Hochzeitsgesellschaft, am Tisch
Claudia Mahnke, Mutter des
Bräutigams
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Bettlerin/ Tod: Daniela
Ziegler Ensemble mit Kind
(Alina Avagyan)
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Während der Einführung, vorab zur Aufführung, sprach
eine Geigerin über die Oper und über die Anwendung ihres
Instrumentes im Orchester. Sie gab eine kurze Kostprobe,
was an spanischem Temperament zu hören sein würde. Es
spielte das Frankfurter Opern- und Museumsorchester, so
dass von der Musik, von ihr als Einzelinterpretin, nicht
mehr viel übrig bleiben sollte. Das ist der
gemeinschaftliche Klang des Orchesters, der über die
Musik bestimmt. Erwähnt wurde außerdem, das sämtliche
Interpreten in der Oper "Bluthochzeit" keine eigene
Namen tragen, sondern nur verwandtschaftliche
Beziehungen wiedergeben nach denen sie benannt sind.
Einziger der im Stück namentlich genannt wird, ist
Leonardo, Liebhaber der Braut.
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Aufgebahrte Kontrahenten nach
tödlichem Duell
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Die Musik Fortners ist zwar modern, wirkt aber nicht
halsbrecherisch oder zur Überanstrengung neigend,
sondern erfüllt klassische Ansprüche.
Lorcas Vorlage wirkt thematisch wie eine antike Tragödie.
Musikalische Leitung hatte
Duncan Ward,
der als
Dirigent glaubhaft und genau passend zur Aufführung
auftrat. Das war spürbar. Die szenische Umsetzung,
ebenfalls beeindruckend, besonders die Bühnenkulissen
hatten es mir angetan, waren eindrucksvoll in Szene
gesetzt. In einer Inszenierung von
Àlex Ollé,
Regiemitarbeit
Sandra Pocceschi