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Eine Feier für alle Sinne |
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25 Jahre Schlosskonzerte
Bad Homburg |
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Im Rahmen der
Bad Homburger Schlosskonzerte in Kooperation mit den
Staatlichen Schlössern und Gärten wurde am 9. Mai das
Jubiläum mit einer Barocknacht gefeiert, die alle Sinne
ansprach. Musikliebhaber, Kulturförderer und zahlreiche
Gäste aus Politik und Gesellschaft kamen zusammen, um
ein Vierteljahrhundert hochkarätiger Kammermusik und
internationaler Konzertkultur zu würdigen.
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In der
Schlosskirche |
Das Schloss
Bad Homburg ist eng mit der Barockzeit verbunden, auch
wenn seine Ursprünge weiter zurückreichen. Typisch für
diese Epoche sind die klare Symmetrie, die
repräsentativen Raumfolgen und die Einbindung in eine
streng gestaltete Gartenanlage. Landgraf Friedrich II.
hatte die mittelalterliche Burg, von der heute nur noch
der Weiße Turm zeugt, ab 1680 zu einer repräsentativen
barocken Residenz umgestalten lassen. Das Schloss wurde
damit zu einem Ausdruck fürstlicher Macht und Kultur, in
dem Musik, Feste und höfisches Leben eine zentrale Rolle
spielten. Bis heute lässt sich diese barocke Prägung in
der Architektur und Atmosphäre des Schlosses spüren.
„Aus diesem Grund haben wir uns für dieses Fest für
eine musikalische Begleitung aus dem Barock
entschieden“, erklärte der Veranstalter der
Schlosskonzerte, Karl-Werner Joerg. „So erklingt Musik,
wie sie auch zu Zeiten von Landgraf Friedrich II. hätte
klingen können.“ Bei höfischer Barockmusik wurde damals
allerdings nicht immer so still und konzentriert
zugehört wie heute. Musik hatte an den europäischen
Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts oft eine
gesellschaftliche Funktion – sie begleitete Feste,
Empfänge, Bankette oder Tanzveranstaltungen. Viele
barocke Tänze, etwa Allemande, Courante, Sarabande oder
Gigue, waren ursprünglich Teil des höfischen
Gesellschaftslebens. Während festlicher Anlässe wurde
gesprochen, gegessen oder flaniert; Musik lief dabei
häufig nur im Hintergrund oder strukturierte den Ablauf
des Abends. Die heute übliche Konzertatmosphäre mit
konzentrierter Aufmerksamkeit und Applaus am Schluss
entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert im Zuge des
bürgerlichen Konzertwesens.
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Im Landgrafensaal |
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Das erste Konzert des Abends fand in der
Schlosskirche statt. Das Barockensemble Unda Maris mit
Francisca Hajdu (Violine), Margherita Pupulin (Violine),
Charlotte Schwenke (Viola da Gamba) und Johannes Bake
(Cembalo) gestaltete ein abwechslungsreiches Programm.
Das Ensemble gehört zu den interessantesten jungen
Vertretern der historischen Aufführungspraxis. Mit dem
Anspruch, Barockmusik möglichst authentisch und zugleich
lebendig zu präsentieren, verbindet es wissenschaftliche
Genauigkeit mit unmittelbarer musikalischer
Ausdruckskraft. Im Mittelpunkt steht die historisch
informierte Aufführungspraxis: Gespielt wird auf
historischen Instrumenten oder originalgetreuen
Nachbauten, orientiert an aktuellen Erkenntnissen der
Musikforschung. Dabei geht es den Musikerinnen und
Musikern ausdrücklich nicht um museale Rekonstruktion,
sondern um eine frische, emotionale und gegenwärtige
Interpretation Alter Musik. Klanglich zeichnet sich das
Ensemble durch Transparenz, feine Artikulation und
stilistische Vielfalt aus. In der schönen Schlosskirche
spielten sie Werke von Jean-Marie Leclair und Marin
Marais. Leclairs elegante, von der französischen
Geigenschule geprägte Sonate stand dabei in spannendem
Kontrast zu der ausdrucksstarken Suite von Marais. Unda
Maris gelang es, die stilistische Vielfalt beider
Komponisten herauszuarbeiten und zugleich eine
gemeinsame barocke Klangsprache hörbar zu machen. Mit
feiner Artikulation, transparentem Zusammenspiel und
einem sensiblen Gespür für rhetorische Gesten entstand
ein Konzert, das sowohl die Eleganz der französischen
Barockmusik als auch ihre emotionale Tiefe eindrucksvoll
zur Geltung brachte.
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Beim Sektempfang |
Nach einem Sektempfang, der bei strahlendem
Sonnenschein viele Gäste auf die Dachterrasse der
Romanischen Halle führte, ging es im Landgrafensaal
weiter. Dort überzeugte Unda Maris mit Werken von
Francesco Geminiani, Arcangelo Corelli, Georg Friedrich
Händel, Ferdinando Pellegrini und Georg Philipp
Telemann. Besonders Händels Sonata g-Moll HWV 364 aus
dem Jahr 1733 fand großen Anklang beim Publikum. Sie
gehört zu den eindrucksvollsten Kammermusikwerken des
Barock. Der Komponist verband darin virtuose Passagen
mit großer emotionaler Ausdruckskraft. Typisch für
seinen Stil wechseln sich kantable, beinahe gesangliche
Melodien mit lebhaften, tänzerischen Sätzen ab. Die
Sonate entfaltet eine zugleich elegante und dramatische
Klangsprache, wie sie für die höfische Musik des 18.
Jahrhunderts charakteristisch ist. In der historisch
informierten Aufführungspraxis von Unda Maris gewann das
Werk durch den warmen Klang barocker Instrumente eine
besonders intime Wirkung.
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Kaiserliche Tafel |
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Im Anschluss an die Konzerte wurden fachkundige
Führungen durch das Schloss angeboten. Vor allem die
Kaiserappartements zählen zu den eindrucksvollsten
historischen Räumen der Residenz und zeugen von der
besonderen Bedeutung des Schlosses im Kaiserreich. Sie
wurden vor allem unter Wilhelm II. genutzt, der Bad
Homburg zeitweise zu seiner Sommerresidenz machte. Die
elegant ausgestatteten Räume verbinden höfische
Repräsentation mit persönlicher Wohnatmosphäre. Nach
umfangreichen Restaurierungen präsentieren sich die
Appartements heute wieder in ihrem historischen Glanz –
mit sorgfältig rekonstruierten Möbeln, Stoffen und
Dekorationen. Viele Teilnehmer sahen die
Kaiserappartements zum ersten Mal nach der Renovierung
und waren begeistert. Selbst für Einheimische, die das
Schloss bereits gut kennen, ergaben sich bei den
Führungen neue und interessante Einblicke.
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Weißer Turm |
Beim
anschließenden festlichen Dinner stellte sich heraus,
dass Karl-Werner Joerg nicht nur ein kreativer und
engagierter Konzertveranstalter ist, sondern seit zwei
Jahren auch geprüfter Sommelier. Dies spiegelte sich in
der Auswahl der Weine aus dem Rheingau und der Pfalz
wider, die er persönlich vorstellte. Es entstanden
angeregte Gespräche an den runden Tischen im Weißen Saal
und man tauschte sich über die Musik, die schöne
Atmosphäre und die gelungene Feier aus. Die Gäste waren
durchweg begeistert von diesem „Erlebnis für alle Sinne“
im eindrucksvollen Rahmen des Bad Homburger Schlosses.
Es bleibt zu hoffen, dass ähnliche Veranstaltungen auch
in Zukunft stattfinden werden. Text und Fotos:
Barbara Altherr
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