Ein Abend zwischen Rock, Blues und gelebter Musikgeschichte

Siggi Schwarz & Friends in Friedberg

 

   

 

 

Die Stadthalle Friedberg wurde am 2. Mai 2026 zum Schauplatz eines Konzerts, das in Erinnerung bleibt als musikalisches Treffen von Gleichgesinnten. Unter dem Titel „Siggi Schwarz & Band feat. Andreas Kümmert“ versammelte der schwäbische Gitarrist Weggefährten und Gäste zu einem Abend, der sich zwischen Rock, Blues und Soul bewegte. Im Zentrum stand Siggi Schwarz selbst – flankiert von seiner eingespielten Band, deren Mitglieder Max Hunt (Keyboards und Gesang), Danny O´Steen (Bass) und Maxx Hertweck (Schlagzeug) das Fundament seines Sounds bilden.

 

 

Das Programm folgte keiner strengen Dramaturgie, sondern wirkte wie ein organisch gewachsener Streifzug durch die Musikgeschichte. Gespielt wurden Klassiker wie Santanas “Black Magic Woman”, Elton Johns “Rocket Man”, Eric Claptons “I Shot the Sheriff” und Jethro Tulls “Locomotive Breath”. Immer wieder standen improvisatorische Passagen und ausgedehnte Gitarrensoli im Mittelpunkt. Der Abend lebte weniger von einzelnen Hits als vom Wechselspiel: Blues als emotionale Basis, Rock als energetischer Motor, Soul als verbindendes Element.

Musikalische Freunde
 

Als prominenter Gast trat Andreas Kümmert auf, dessen Stimme zwischen rauer Intensität und kontrollierter Emotionalität pendelt. Der Sänger und Gitarrist wurde 2013 durch seinen Sieg bei der Castingshow „The Voice of Germany“ bekannt. Mit seiner authentischen Art und seinem unverwechselbaren Klang hob er sich deutlich von anderen Kandidaten ab. Besonders Aufmerksamkeit erregte Kümmert 2015, als er den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gewann, jedoch überraschend auf die Teilnahme verzichtete. Dieser Schritt wurde vielfach diskutiert, zeigte aber auch seine Haltung, künstlerische Integrität über kommerziellen Erfolg zu stellen. Siggi Schwarz traf ihn 2015 in Würzburg, wo er im Vorprogramm von „Toto“- Sänger Bobby Kimball auftrat. „Ich war sehr beeindruckt von seinem Auftritt und sagte ihm, dass ich gerne mit ihm arbeiten würde. Er meldete sich ein paar Tage später bei mir und los ging´s - mit einem Album ("Heart & Soul") und gemeinsamen Auftritten“, erzählte Siggi Schwarz nach dem Konzert.
 

 

   

Ergänzt wurde das Line-up durch den Gitarristen Frank Diez als Special Guest, ebenfalls ein sehr guter Freund von Siggi Schwarz und bekannt als ehemaliger Gitarrist der Band von Peter Maffay. Damit vereinte der Abend drei Generationen deutscher Rock- und Bluesgeschichte auf einer Bühne – ohne Nostalgiepose, aber mit deutlichem Bewusstsein für Tradition.

Siggi Schwarz: Gitarrist, Netzwerker, Chronist

Seit Jahrzehnten ist Siggi Schwarz nicht nur als Musiker und Bandleader, sondern auch als Produzent und Veranstalter tätig. Seine Karriere ist geprägt von Kollaborationen: Er stand mit internationalen Größen wie Aerosmith, Toto oder Bryan Adams im Studio oder auf der Bühne. Diese Offenheit für Zusammenarbeit prägt auch seine Konzertformate, zum Beispiel die gigantische Show „Rock meets Classic“, in denen er Rockklassiker mit orchestralen Arrangements verbindet. Als Bandleader kuratiert er Konstellationen, in denen unterschiedliche musikalische Biografien produktiv aufeinandertreffen. Parallel dazu hat er sich auch als Veranstalter etabliert. Er organisiert seit Jahren Konzerte und Festivals, oft mit internationaler Besetzung. Diese Doppelrolle – Künstler und Organisator – verschafft ihm eine ungewöhnliche Perspektive auf die Musikszene: Er ist Teil des Systems und gestaltet es zugleich aktiv mit. Als Autor hat er seine Erfahrungen in seiner sehr lesenswerten Autobiografie „Rock’n’Roll Road“ festgehalten. Nicht zuletzt ist der sympathische Künstler auch für sein soziales Engagement bekannt: Mehr als 250 Benefizkonzerte zeugen von einem Verständnis von Musik, das über Unterhaltung hinausgeht und gesellschaftliche Verantwortung einschließt.

Das Friedberger Konzert war ein Abend der Verdichtung: von Erfahrung, musikalischer Präzision und der Fähigkeit, Genres nicht als Grenzen, sondern als Möglichkeiten zu begreifen. Siggi Schwarz präsentierte sich dabei nicht als nostalgischer Hüter vergangener Rockgrößen, sondern als aktiver Vermittler – zwischen Generationen, Stilen und Publikum. Gerade in der Kombination mit Andreas Kümmert und Frank Diez entstand ein Spannungsfeld, das zeigte, wie lebendig Blues und Rock im Hier und Jetzt sein können. Text und Fotos: Barbara Altherr

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 05. Mai 2026