Konzert im Speicher Bad Homburg Auf musikalischer Weltreise mit den Nighthawks

Als am 24. April im Speicher die Lichter gedimmt werden und eine gespannte Ruhe den Raum erfüllt, betreten die Mitglieder der Nighthawks die Bühne und nehmen in den folgenden zwei Stunden ihr Publikum mit auf eine klangliche Reise, die ebenso entspannt wie intensiv ist. Die Stilrichtung der Band zu beschreiben, ist kein einfaches Unterfangen: Jazzrock, Fusion, Ambient, Funk, Trance, NuJazz, Weltmusik und Progrock verschmelzen hier zu einem dichten, hypnotischen Gesamtbild.

 

 

   

Was die Nighthawks auf die Bühne bringen, ist ein ganz eigener Soundkosmos – atmosphärisch dicht, vielschichtig und immer wieder überraschend. Im Zentrum steht der pulsierende und vielschichtige Rhythmus. Darüber legen sich melodische Linien, die mal reduziert und schwebend wirken, dann wieder expressiv und energiegeladen. Charakteristisch ist auch der Einsatz elektronischer Effekte, die jedoch nie Selbstzweck sind. Sie erweitern vielmehr den akustischen Klangraum und verleihen der Musik eine moderne, urbane Note. Gleichzeitig bleibt das Zusammenspiel organisch und lebendig – ein Balanceakt, den die Band überzeugend meistert. Die Songs entwickeln sich oft langsam, bauen Schicht um Schicht Atmosphäre auf. Sanfte Trompetenlinien treffen auf zurückhaltende Beats, darüber legen sich flächige Keyboard-Sounds, die an nächtliche Stadtlandschaften erinnerten – ein Markenzeichen der Band, das auch live hervorragend funktioniert. Die Künstler verstehen es, Spannung nicht durch Lautstärke, sondern durch Reduktion zu erzeugen. Immer wieder nehmen sie Tempo und Dichte heraus, lassen Raum entstehen, um ihn anschließend mit umso größerer Wirkung wieder zu füllen.

Die Musik der Nighthawks funktioniert auf zwei Ebenen. Sie kann konzentriert gehört werden, mit all ihren rhythmischen Feinheiten und harmonischen Details. Gleichzeitig besitzt sie eine unmittelbare körperliche Wirkung – man spürt den Puls, lässt sich treiben, gerät beinahe in einen Zustand zwischen Wachsein und Trance. Das Publikum im gut gefüllten Speicher ließ sich bereitwillig darauf ein.

 

   

In der Gruppe sind fünf sehr unterschiedliche Musiker am Werk, die in vielen verschiedenen Genres zu Hause sind. Sie bringen das Beste daraus in ihrer jeweils ganz individuellen Art und Weise in das gemeinsame Projekt ein. Gemeinsam erschaffen sie eine Musik, die von Spielfreude, gegenseitigem Respekt und hörbarer Leidenschaft getragen ist. Auf der Bühne kommunizieren sie nicht nur musikalisch, sondern auch mit Blicken und Gesten: ein harmonisches Miteinander, das sich unmittelbar auf das Publikum überträgt. Die Gründer der Band sind Dal Martino (Bass, Gitarre, Keyboard, Gesang) und Reiner Winterschladen (Trompete und Flügelhorn), die schon seit rund dreißig Jahren zusammenspielen. Dazu kamen im Lauf der Zeit der Keyboarder Jürgen Dahmen, der Schlagzeuger Thomas Alkier und der Gitarrist Jörg Lehnardt. Die Musiker, die auf der Bühne nicht nur mit Ihren Instrumenten kommunizieren, sondern auch mit Mimik und Gesten, strahlen viel Spielfreude und Harmonie aus.

 

   

Sie spielten unter anderem Songs aus ihrem Album „707“, dessen Titel sich auf den Flugzeugtyp bezieht, der Passagiere - darunter natürlich auch viele Musiker – in den späten 50er-Jahren erstmals nonstop über den Atlantik brachte und damit die kulturelle Entwicklung sehr förderte. Die Stücke aus dem aktuellen Album „Paris Dakar“, das Corona-bedingt viel später veröffentlicht worden war als geplant, fanden großen Anklang. Die Nighthawks kreieren laut eigener Aussage „Musik für Reisende“. Es sind oft geradezu schwebende Melodien, manchmal vermixt mit originellen Zitaten und O-Tönen. Viele Rhythmuswechsel und virtuose Soli verwöhnen auch anspruchsvolle Hörer, die komplexe Musik schätzen. Die oft gedämpfte Trompete erzeugt mit Hall-Effekten sehnsuchtsvolle, ja fast transzendente, sphärische Klänge. Es gibt viel Raum für Improvisationen und jeder einzelne Musiker kann auch in Solo-Passagen sein Können und seine Individualität zeigen.

Auf die Frage, ob der Bandname vom Militärjet F117 oder von Edward Hoppers gleichnamigem weltberühmten Bild abstammt, erzählt Dal Martino: „Wir haben früher aus Kostengründen oft erst nachts im Studio gearbeitet, da hatten wir irgendwann den Spitznamen Nighthawks - also Nachteulen - weg.“ Der charismatische Musiker ist weit gereist und hat auch einige Zeit im Ausland gelebt. Man spürt die Weltoffenheit auch in seinen Songs. Das Konzert im Speicher endete mit langanhaltendem Applaus. Die Band bedankte sich mit „Hard Nights Day“ als Zugabe und etliche Fans ließen sich anschließend noch ihre Alben signieren. Text und Fotos: Barbara Altherr

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 28. April 2026