Ob als Ärztin oder Arzt, in der Pflege
oder in einem anderen medizinischen Beruf: Sie erleben
täglich die gravierenden gesundheitlichen Folgen von
starkem Übergewicht. Durch Adipositas und andere
ernährungsbedingte Erkrankungen entstehen unserem
Gesundheitssystem jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe.
Beim Thema Prävention gehört Deutschland hingegen zu den
Schlusslichtern Europas.
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Blick durch die zuckersüße
Kuchentheke in einer Bäckerei
Foto (c) Kulturexpres |
Mit der Bundesratsinitiative
Schleswig-Holsteins für eine nach Zuckergehalt
gestaffelte Limo-Abgabe besteht jetzt die reale Chance
auf die politische Umsetzung einer nachweislich
wirksamen Präventionsmaßnahme.
Bitte unterzeichnen Sie deshalb folgenden Appell
„Ärztinnen und Ärzte für die Zuckersteuer“ an die
Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der
Länder. Fügen Sie gerne auch einen Kommentar mit
Erfahrungen aus ihrer beruflichen Praxis ein. Die ersten
50 Unterzeichnenden werden prominent auf der Webseite
genannt.
Appell
Sehr geehrte Ministerpräsidentinnen und
Ministerpräsidenten,
wir wenden uns als Ärztinnen und Ärzte aller
Fachrichtungen an Sie – in großer Sorge insbesondere um
die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in
Deutschland und mit Blick auf die bevorstehende
Abstimmung im Bundesrat zur Einführung einer
Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke
(„Zuckersteuer“).
Ernährungsbedingte Erkrankungen nehmen seit Jahren
deutlich zu. In unseren Praxen und Kliniken sehen wir
die Folgen täglich: Übergewicht und Adipositas bereits
im Kindesalter, frühe Stoffwechselstörungen,
Typ-2-Diabetes, Fettlebererkrankungen sowie Karies.
Diese Entwicklungen sind häufig vermeidbar – und sie
verursachen zugleich enorme Folgekosten für das
Gesundheitswesen und die öffentlichen Haushalte.
Zuckergesüßte Getränke spielen dabei eine zentrale
Rolle. Sie liefern große Mengen freien Zuckers in kurzer
Zeit, ohne zu sättigen. Gerade bei Kindern und
Jugendlichen tragen Limonaden, Energydrinks und ähnliche
Produkte wesentlich zur täglichen Zuckeraufnahme bei.
Das Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes und Karies
steigt mit regelmäßigem Konsum deutlich. Prävention muss
deshalb dort ansetzen, wo besonders wirksame und
bevölkerungsweite Effekte erreichbar sind.
Eine nach Zuckergehalt
gestaffelte Herstellerabgabe ist ein geeignetes,
evidenzbasiertes Instrument:
- Sie setzt klare Anreize zur Reformulierung und
senkt so den Zuckergehalt in Getränken.
- Sie reduziert den Zuckerkonsum über Getränke in
allen Altersgruppen
- Sie entlastet langfristig das Gesundheitswesen
und wirkt präventiv, ohne individuelle Verantwortung
zu negieren.
- Sie wird in etlichen Ländern bereits erfolgreich
eingesetzt – mit messbaren Effekten auf
Produktzusammensetzung und Konsum.
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Aus ärztlicher Sicht ist die Dringlichkeit hoch. Jede
weitere Verzögerung bedeutet: mehr Kinder mit
vermeidbaren Erkrankungen, mehr lebenslange
gesundheitliche Belastungen und weiter steigende Kosten.
Gerade Kinder können sich den aktuellen
Rahmenbedingungen – aggressivem Marketing, niedrigen
Preisen und allgegenwärtiger Verfügbarkeit – nicht
entziehen. Die Politik hat hier eine besondere
Schutzverantwortung.
Eine nach Zuckergehalt gestaffelte Abgabe auf Limonaden
und Co. würde nicht nur die Krankheitslast der kommenden
Generationen verringern, sie würde zudem
gesellschaftliche Folgekosten in Milliardenhöhe
einsparen und langfristig wirtschaftliche Stabilität
sichern. Wir bitten Sie deshalb nachdrücklich: Stimmen
Sie in der bevorstehenden Bundesratsabstimmung für die
Einführung einer wirksamen, nach Zuckergehalt
gestaffelten Herstellerabgabe auf zuckergesüßte
Getränke.
Erstunterzeichner:innen:
- Dr.med. Klaus Reinhardt, Präsident der
Bundesärztekammer, Facharzt für Allgemeinmedizin
- Dr. med. Susanne Johna, Vorsitzende des
Marburger Bundes, Internistin, Krankenhaushygienikerin
und Gesundheitsökonomin
- Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Berthold Koletzko,
Facharzt für Kinder- und Jugendmedzin, Stiftung
Kindergesundheit
- Prof. Dr. med. univ. Julia Szendrödi,
Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft,
Ärztliche Direktorin der Klinik für Endokrinologie,
Diabetologie, Stoffwechselkrankheiten und Klinische
Chemie der Universitätsklinik Heidelberg
- PD Dr. Burkhard Rodeck, Generalsekretär der
Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
- Christine Neumann-Grutzeck, Fachärztin für
Innere Medizin, Präsidentin des Berufsverbands Deutscher
Internistinnen und Internisten (BDI)
Meldung: Bundesärztekammer, Berlin
Appell: Ärztinnen und Ärzte für die Zuckersteuer | FW DE