Wirtschaft

Mehr als nur ein Abkommen - EU-Freihandelszonen wollen fairen Welthandel anstelle Zolldiplomatie

Präsident António Costa berichtete auf der Plenartagung des Europäischen Parlaments vom 21. Januar 2026: "Handelsabkommen sind globale Regelwerke; Zölle sind Steuern, die auf Bürgerinnen und Bürgern und Unternehmen lasten. Die Europäische Union hat das umfassendste Netz von Handelsabkommen aufgebaut, das sich auf 78 Länder erstreckt, und die Kommission erzielt beeindruckende Fortschritte bei den Verhandlungen mit Ländern wie Indien, Australien, Thailand, den Philippinen und den Vereinigten Arabischen Emiraten, um nur einige zu nennen".

 

 

 

Präsident António Costa trifft den Außenminister von Uruguay, Mario Lubetkin (c) EU

Die Frankfurter Rundschau schreibt am 24. März, durch das Abkommen mit Australien sei mehr als nur ein Abkommen geboten: "Das Handelsabkommen der EU mit Australien ist ein weiterer Schritt des alten Kontinents in die richtige Richtung. Europa verbessert damit nicht nur nach den Abkommen mit vier südamerikanischen Staaten des Mercosur-Bunds und Indiens seine wirtschaftlichen Perspektiven. Es stellt zugleich seine Handelsbeziehungen breiter auf und wird damit weniger vulnerabel. Die Europäer stärken zudem politisch einen Bund mit einer weiteren Mittelmacht. Das ist in Zeiten der belasteten Beziehungen zwischen der EU einerseits und den USA und China andererseits nicht zu unterschätzen. Ironischerweise hat US-Präsident Donald Trump mit seiner Politik die Annäherung von EU und Australien beschleunigt. Dieses erhöhte Tempo wünscht man sich auch für andere Bereiche. Das gilt vor allem für die Verteidigungspolitik, aber auch für den Binnenmarkt, wo noch Potenzial schlummert. Und beim Klimaschutz sollten die Verantwortlichen nicht weiter bremsen, sondern die angepeilten Ziele engagierter verfolgen".

António Costa erklärt mit seiner Rede: "Das historische Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur wurde unterzeichnet, mit dem die größte Freihandelszone der Welt geschaffen wird. Ein Markt mit mehr als 700 Millionen Verbrauchern in 31 Ländern. Seine politische und wirtschaftliche Bedeutung kann nicht hoch genug bewertet werden, insbesondere im derzeitigen Kontext. Dieses Abkommen hat nicht nur wirtschaftlichen Nutzen, es hat gerade jetzt eine entscheidende geopolitische Bedeutung".

Dieses Abkommen sendet ein starkes Signal an die Welt: Anstelle von Zöllen bietet die Europäische Union Partnerschaften. Statt Einflusssphären sollen Sphären des gemeinsamen Wohlstands geschaffen werden.

vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt wiederum sagt über die Einigung auf das Freihandelsabkommen der EU mit Australien: "Die Einigung sendet ein starkes Signal. Angesichts der veränderten Weltlage sind Deutschland und die EU mehr denn je gefordert, neue Handels-, Rohstoff- und Investitionspartnerschaften überall auf der Welt abzuschließen. Die Handelspolitik von US-Präsident Trump belastet den gesamten Welthandel. China nutzt seine Exportkontrollen für Seltene Erden als machtpolitisches Mittel. Eine internationale und global vernetzte Volkswirtschaft wie Bayern bekommt das zu spüren. Das Abkommen mit Australien ist nach dem erzielten Abkommen mit Indien ein weiterer wichtiger Schritt, um unsere Handelsbeziehungen zu diversifizieren und unsere Position im Indo-Pazifik zu stärken.

2025 gingen nur 0,8 Prozent aller bayerischen Exporte nach Australien. Der Pazifikstaat nimmt damit lediglich Platz 25 unter den größten Exportmärkten für bayerische Waren ein. Gleichzeitig landet Australien mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 1.580 Milliarden Euro im Vergleich der größten Volkswirtschaften weltweit auf Rang 14. "Wird das Abkommen umgesetzt, könnte der Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen den beiden Partnern nach Einschätzung der Europäischen Kommission um rund ein Drittel steigen. Durch den Wegfall der Zölle auf 99 Prozent der Warenexporte der EU bietet das Abkommen neue Absatzmöglichkeiten. Insbesondere der Maschinenbau, die Automobilindustrie sowie die Chemie- und Pharmaindustrie könnten profitieren", so Brossardt und ergänzt: "Obwohl nur 2,3 Prozent der gesamten bayerischen ausländischen Direktinvestitionen nach Australien gehen, zeigt sich ein kontinuierliches Interesse bayerischer Unternehmen an diesem Markt."

Australien gehört zu den führenden Rohstoffexporteuren der Welt, ist der weltgrößte Lithiumförderer und verfügt über bedeutende Vorkommen an Seltenen Erden. "Das Abkommen spielt also auch für den Zugang zu kritischen Rohstoffen für Europa eine zentrale Rolle", erläutert Brossardt.

Laut vbw muss Europa mit Blick auf die industrielle Expansion Chinas und die angespannten transatlantischen Beziehungen Einigkeit und Stärke demonstrieren. "Wir sind überzeugt, dass jedes Freihandelsabkommen unseren europäischen Wirtschaftsraum und unsere bayerische Volkswirtschaft stärker macht. Deswegen setzen wir auf eine zügige Ratifizierung des Abkommens ohne unnötige Verzögerungen", betont Brossardt abschließend.

António Costa setzt in seiner Rede vor dem Parlament fort: "Die Unterzeichnung des Abkommens zwischen der EU und dem Mercosur erfolgte nach mehr als zwei Jahrzehnten Verhandlungen. In dieser Zeit wurden alle Standpunkte, einschließlich derjenigen, die in diesem Haus geäußert wurden, aufmerksam gehört – und es wurde entsprechend gehandelt. So wurden in den vergangenen Monaten beispielsweise erhebliche zusätzliche Maßnahmen und Garantien eingeführt. Ich freue mich nun darauf, mit Ihnen an den nächsten Schritten zu arbeiten, für die die Rolle des Parlaments von wesentlicher Bedeutung ist.

Seine heutige Botschaft ist klar – nur wenn wir Grundsätze, Schutz und Wohlstand miteinander verbinden, können wir Europa souveräner, resilienter und stärker machen. Gemeinsam mit dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission werden wir weiterhin Ergebnisse erzielen– für unsere Bürgerinnen und Bürger, für unsere kollektive Stärke und für die Stellung Europas in der Welt".

"Nach Jahren des Ringens ist der Durchbruch gelungen: EU und Australien haben ihr Freihandelsabkommen abgeschlossen. Dass die Einigung jetzt gelingt, ist ein starkes Signal für wirtschaftliche Vernunft und strategisches Denken. Beide Seiten setzen damit bewusst auf mehr Wachstum, engere Zusammenarbeit und Stabilität in einem zunehmend unsicheren globalen Umfeld - und zugleich ein klares Zeichen für offenen Handel und gegen protektionistische Tendenzen", so Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) am 24. März, anlässlich der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens mit Australien.

"Inhaltlich setzt das Abkommen neue Maßstäbe: Rund 98 Prozent der Zölle werden abgeschafft, Bürokratie für international tätige Unternehmen spürbar reduziert und mit der gegenseitigen Anerkennung von Qualifikationen wird eines der ambitioniertesten Kapitel geschaffen, das die EU je verhandelt hat. Das erleichtert nicht nur den Handel, sondern auch die Mobilität von Fachkräften erheblich", so Jandura.

Jandura weiter: "Entscheidend ist jetzt, die Chancen zu nutzen und die Umsetzung zügig voranzutreiben. Europäische Unternehmen müssen im internationalen Wettbewerb gleichgestellt werden, Marktzugänge konsequent verbessert und Handelshemmnisse weiter abgebaut werden. Gerade in Schlüsselbereichen wie kritischen Rohstoffen zeigt sich, wie wichtig vertiefte Partnerschaften für wirtschaftliche Resilienz und Versorgungssicherheit sind. Zugleich ist das Abkommen ein starkes geopolitisches Bekenntnis zu offenen Märkten und enger Zusammenarbeit in der indopazifischen Region. Die EU stärkt damit ihre Präsenz in einer der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt und unterstreicht ihre Rolle als verlässlicher Partner in einer vernetzten globalen Wirtschaft."

Hintergrund: Bereits heute beträgt das jährliche Handelsvolumen rund 50 Milliarden Euro, das bilaterale Investitionsvolumen liegt bei etwa 148 Milliarden Euro. Der Warenhandel könnte um bis zu 33 Prozent wachsen, der Dienstleistungshandel um bis zu 8 Prozent. Bis 2030 wird für die EU ein zusätzlicher BIP-Zuwachs von bis zu 3,9 Milliarden Euro erwartet, für Australien zwischen 3 und 4,6 Milliarden Euro.

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 26. März 2026