Im Nordosten von Kastilien-León liegt
eine der unbekanntesten und zugleich faszinierendsten
Regionen Spaniens: die Provinz Soria. Dünn besiedelt,
rau und von eindrucksvoller Schönheit geprägt, steht sie
für ein Spanien abseits der touristischen Hauptströme –
ursprünglich, geschichtsträchtig und überraschend
vielseitig. Mit nur rund 8,6 Einwohnern pro
Quadratkilometer gilt Soria als die am dünnsten
besiedelte Provinz Spaniens und dadurch bewahrt sie eine
selten gewordene Authentizität. Wer hierher kommt, sucht
Ruhe, Natur, Geschichte und kulinarische Genüsse – und
wird reich belohnt. Es lohnt sich in jedem Fall, eine
Rundreise zu unternehmen.
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Soria leuchtet |
Der Auftakt dieser Reise beginnt in Aranda de Duero,
einem der bedeutendsten Orte für Weine aus der Ribera
del Duero. Er hat mehr als 32.000 Einwohner, die an den
Ufern des Flusses leben und hat sich den Charme
vergangener Zeiten in seinem historischen Zentrum
bewahrt – besonders unter der Erde. In den
mittelalterlichen Kellern wie der traditionsreichen
Bodega Histórica Don Carlos herrscht ein anderes
Zeitgefühl. Hier reifen nicht nur Weine, sondern
Geschichten. Bei einer geführten Tour durch die
unterirdischen Gänge bekommt man einen guten Einblick in
die Tradition und kann währenddessen auch einige Weine
probieren.
Die Region erzählt von kulturellen Übergängen, von
Mauren und Christen, von Grenzland und Begegnung. Ein
eindrucksvolles Beispiel dafür ist die abgelegene
Eremitage von San Baudelio in Casillas de Berlanga.
Erbaut Ende des 11. Jahrhunderts und dem heiligen San
Baudelio gewidmet, wurde dieses Heiligtum im
mozarabischen Stil errichtet. Es gilt als Juwel der
vorromanischen Architektur der Provinz Soria. Das Äußere
ist sehr schlicht, nur das Hufeisenbogenportal sticht
hervor. Alle Wände waren mit Tempera-Malereien im
romanischen und mozarabischen Stil bedeckt; einige sind
noch erhalten, andere wurden entfernt und befinden sich
heute in Museen in Boston und im Prado.
Mittelalterliche Architektur
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Kathedrale in Burgo de Osma |
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Südwestlich von Soria erhebt sich Berlanga de Duero wie
ein steinernes Echo des Mittelalters. Die Burg wacht
über ein Ensemble aus Arkaden, Kopfsteinpflaster und
stillen Plätzen. Hier soll einst Rodrigo Díaz de Vivar
gewirkt haben – Spaniens legendärer Nationalheld.
Geschichte ist in Berlanga kein Museumsstück, sondern
Teil des Alltags. Am Fuße der imposanten Burg liegt das
elegante Stadtzentrum, das den Glanz seiner historischen
Vergangenheit bewahrt hat, ohne die mittelalterliche
Atmosphäre seiner gepflasterten Straßen und
arkadengesäumten Plätze zu verlieren.
Nicht weniger eindrucksvoll zeigt sich El Burgo de Osma,
dessen monumentale Architektur von religiöser und
politischer Bedeutung zeugt. Am Tor von San Miguel, dem
Eingang zur ummauerten Stadt, fließt der Ucero durch
eine fruchtbare Ebene und umgibt den Hügel, auf dem
einst die alte Siedlung Uxama stand, bewacht von einer
Burg. Der Hauptplatz befindet sich an der Stelle der
ursprünglichen Kathedrale, wo Besucher die typischen
Kolonnaden mittelalterlicher Marktplätze bewundern
können. Die gotische Kathedrale, ursprünglich als
romanischer Bau geplant, beherbergt zahlreiche
Kunstschätze. Spuren der Renaissancearchitektur finden
sich im monumentalen Turm und in der der
Mudéjar-Stierkampfarena. Die Eleganz der Renaissance
trifft in Burgo de Osma auf die Strenge romanischer
Formen und schafft eine Atmosphäre, die fast meditativ
wirkt.
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Gänsegeier
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Cañón del Río Lobos
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Spektakuläre Natur
Die Fahrt geht weiter in den Naturpark Cañón del Río
Lobos, den „Canyon der Wölfe“, der zu den
spektakulärsten Naturkulissen Spaniens gehört. Steile
Kalksteinwände, tiefe Schluchten und kreisende
Gänsegeier prägen das Bild. Wacholder und Kiefern
verströmen ihren Duft, während Wanderwege durch eine
Landschaft führen, die zugleich wild und harmonisch
erscheint. Besonders pittoresk ist das mittelalterliche
Dorf Calatañazor mit seiner Burgruine. Von den Türmen
aus lassen sich die eindrucksvollen Gänsegeier besonders
gut beobachten. Die schroffen Felswände bieten ideale
Brut- und Lebensbedingungen für die Greifvögel, deren
Population auf der Iberischen Halbinsel rund 90 Prozent
aller europäischen Brutpaare umfasst. Mit einer
Flügelspannweite von bis zu 2,7 Metern, einer markanten
weißen Halskrause und einem fahl- bis zimtbraunen
Gefieder sind sie leicht zu erkennen. Die Region ist das
ideale Ziel für Beobachtungen, denn die Geier sind hier
das ganze Jahr über präsent.
Paradies
für Genießer
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Pilzgericht |
Sorias Küche ist im wahrsten Sinne tief in der Natur
verwurzelt. Besonders berühmt ist die Region neben dem
Wein für ihre Pilze, die in den umliegenden Wäldern
gedeihen. Rund um Navaleno und Almazán wachsen sogar die
begehrtesten Schätze der spanischen Küche: schwarze
Trüffel! Bei Besuchen auf Trüffelplantagen zeigen
ausgebildete Hunde ihr feines Gespür – ein Schauspiel,
das Gourmets ebenso begeistert wie die anschließende
Verkostung. Hier wird deutlich: Soria ist ein Zentrum
der Mykologie, der Pilzkunde, und hat daraus eine eigene
kulinarische Identität entwickelt.
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Beim Kongress |
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Im Herzen der Provinz liegt die Hauptstadt Soria, ein
kulturelles Zentrum mit reichem romanischem Erbe.
Bauwerke wie die Kirche Santo Domingo oder San Juan de
Rabanera zeugen von der mittelalterlichen Blütezeit. Die
Kathedrale San Pedro und das Kloster San Juan de Duero
mit seinen einzigartigen Kreuzgängen gehören zu den
bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Soria ist
zwischen zwei Hügeln gelegen und vom Fluss Duero
durchzogen. Die „Stadt der Dichter“ verbindet romanische
Architektur mit lebendiger Kultur. Und sie hat sich mit
der Veranstaltungsreihe Soria Gastronómica auf die
kulinarische Weltkarte gesetzt. Spitzenköche,
Wissenschaftler und Genießer kommen hier zusammen, um
über Pilze zu sprechen und sie zu feiern. Der
Internationale Kongress für Mykologische Küche und
Tourismus bietet Meisterklassen und Vorträge führender
Persönlichkeiten mit Schwerpunkt Mykologie,
praxisorientierte Workshops und geführte Exkursionen.
Die alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung hat
bereits einige der renommiertesten Köche Spaniens und
der Welt begrüßt. Sie hat sich zudem als Forum für
Austausch und Diskussion über gastronomischen Tourismus
und wissenschaftliche und pädagogische Aspekte rund um
die Welt der Pilze etabliert.
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Soria steht nicht nur für beeindruckende Landschaften
und faszinierende Architektur, sondern auch für eine
Lebensweise, die eng mit Natur und Tradition verwoben
ist. Das ist sichtbar in der Küche, in kleinen Dörfern
und im Rhythmus der Jahreszeiten. Wer Soria besucht,
sucht nicht das Spektakel, sondern das Echte: Stille
statt Lärm, Weite statt Enge, Substanz statt
Inszenierung. Darin liegt die besondere Anziehungskraft
dieser reizvollen Provinz im Norden Spaniens. Text
und Fotos: Barbara Altherr