Die
Drei-Flüsse-Stadt Passau
Start der
Reise ist in Passau, jener Stadt, in der Donau, Inn und
Ilz zusammenfließen. Sie mischen hier nicht nur ihr
Wasser, sondern auch die Farben – ein Naturphänomen, das
man sogar schon vom Ufer aus beobachten kann Es lohnt
sich, die schöne Altstadt vor der Abfahrt bei einem
geführten Spaziergang zu erkunden. Danach heißt es:
Leinen los! Noch schnell ein letzter Blick auf den Dom,
dann schiebt sich die Celina lautlos flussabwärts. Wer
oben an Deck steht, merkt: Der Reiz liegt nicht im
Tempo, sondern im Perspektivwechsel. Die Donau fließt
von hier aus weiter Richtung Osten, vorbei an barocken
Klöstern, Weinbergen und historischen Städten bis nach
Linz.
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Linz |
Linzer
Torte und Ars Electronica
Die oberösterreichische Landeshauptstadt zeichnet sich
durch einen großen Hauptplatz mit barocken Fassaden und
die imposante Dreifaltigkeitssäule aus. Wer mag, geht zu
Fuß durch die Altstadt, genießt einen Kaffee und die
berühmte Linzer Torte. Oder man besucht den Dom, in dem
einst Anton Bruckner an der Orgel musizierte. Sehenswert
ist auch das Ars Electronica Center: Künstliche
Intelligenz, digitale Kunst und interaktive
Installationen sind hier zu erleben. Die Stadt fühlt
sich jung und experimentierfreudig an und die
Anlegestelle ist direkt im Zentrum, so dass man auch
abends nochmal einen individuellen Spaziergang machen
kann.
Postkartenidylle in Steyr
Ein
optionaler Ausflug führt nach Steyr, einem hübschen Ort
mit dem barocken Stadtplatz und interessanten
historischen Bauten. Zwischen gotischen Bürgerhäusern
lässt sich gut verstehen, warum hier seit Jahrhunderten
Handel getrieben wird. Der Stadtplatz wirkt wie aus
einem historischen Film und am Zusammenfluss von Enns
und Steyr lohnt sich eine kleine Rast.
Während das Schiff weiter stromabwärts fährt, ziehen
UNESCO-Welterbestätten, mittelalterliche Burgen und
moderne Metropolen vorbei. Für manche Gäste ist das
Sonnendeck der bevorzugte Ort, um die Ausblicke zu
genießen, für andere ist der Salon ein lebendiger
Treffpunkt. Besonders aufregend sind die
Schleusen-Passagen, in denen das Schiff teilweise über
zehn Meter Höhenunterschied ausgleichen kann.
Schließlich nähert man sich der österreichischen
Hauptstadt.
Wiener
Genüsse
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Wien |
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Im
historischen Kern von Wien verdichtet sich die
Vergangenheit. Die Hofburg, in der früher die Habsburger
residierten, wirkt monumental. Man kann durch ihre
Arkaden schlendern und sich für einen Moment vorstellen,
wie hier einst Weltpolitik verhandelt wurde. Fiaker
rollen über das Pflaster und ein paar Schritte weiter
ragt der Stephansdom über den Stephansplatz. Sein
Südturm ist bis heute eines der bekanntesten Wahrzeichen
der Stadt. Wer die 343 Stufen hochsteigt, wird mit einem
Blick über die Dächer Wiens belohnt – rote Ziegel, grüne
Kupferdächer und dazwischen moderne Glasfassaden. Im
berühmten Café Demel kann man anschließend eine Pause
einlegen. Hier wird die Wiener Kaffeehauskultur zur
Bühne. Hinter Glas locken verführerische Torten und
traditionell gekleidete Kellner balancieren Tabletts,
auf denen Melange und süße Leckereien thronen. Das
Kaffeehaus ist in Wien kein bloßer Ort zum
Koffeintanken, es ist ein wichtiger gesellschaftlicher
Treffpunkt.
Ein paar Kilometer weiter flussaufwärts liegt
Klosterneuburg, viel ruhiger und grüner als Wien. Das
Stift Klosterneuburg thront über der Stadt, ein
mächtiger Komplex mit jahrhundertealter Geschichte.
Weinberge ziehen sich die Hänge hinauf und der Blick
reicht weit ins Umland. Es ist dieser Kontrast, der
Donau-Reisen so spannend macht: gerade war man noch im
urbanen Trubel, jetzt steht man zwischen Reben und
Barockmauern.
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Cafe Central in Budapest
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Budapest
leuchtet
Für viele Gäste ist Budapest der Höhepunkt der Reise.
Bei der gemächlichen Einfahrt werden einige der
Sehenswürdigkeiten schon anmoderiert und viele genießen
das Panorama mit einem Cocktail in der Hand vom
Sonnendeck aus. Am rechten Donauufer liegen die
Stadtteile Buda mit dem Burgberg und Obuda mit den
Ruinen des alten römischen Legionslagers Aquincum, am
linken Ufer der Stadtteil Pest. Im 18. Jahrhundert kamen
die Habsburger unter Maria Theresia als Besatzer. Ihren
Architekten verdankt die Burg ihre Wandlung zum heutigen
Barockschloss. Weitläufige Boulevards, berühmte
Thermalbäder, berühmte Cafés und Märkte, in denen
ungarische Spezialitäten wie Paprika, Salami und Foie
Gras in allen Variationen angeboten werden, sind
tagsüber lohnende Ziele. Besonders schön sind das
spektakuläre neugotische Parlament, die Kettenbrücke und
die Lichter der Stadt bei Einbruch der Dämmerung – sie
alle spiegeln sich im Wasser.
Erlebnisse in der Puszta
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Originelle
Installation in der Puszta
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Ein lohnender
Ausflug von Budapest aus führt in die Puszta. Sie ist
Teil der Großen Ungarischen Tiefebene, ein scheinbar
endloses Grasland, das im Sommer flimmert und im Herbst
golden wirkt. Auf dem Weg erlebt man plötzlich eine
Überraschung: am Straßenrand stehen hohe Elektromasten,
grau, funktional, scheinbar gesichtslos. Und dann – beim
zweiten Blick – haben sie plötzlich Augen. Was zunächst
wie eine optische Täuschung wirkt, entpuppt sich als
Kunst im Vorbeifahren. Einige der Masten sind so
geformt, dass sie menschliche Gesichter darstellen. Mal
schauen sie erstaunt, mal mürrisch, mal amüsiert mit
hochgezogenen Brauen. Gerade in der weiten Landschaft,
in der der Horizont dominiert, wirken sie wie Landmarken
mit Humor.
Beliebte Ziele in der Puszta sind die traditionsreichen
Reiterhöfe. Die weitläufigen Güter wirken wie eine
Mischung aus landwirtschaftlichem Betrieb und
folkloristischer Bühne. Weiße Stallungen, Holzzäune,
Kutschen – alles sorgfältig arrangiert, aber mit
authentischem Hintergrund, denn Pferdezucht hat hier
Tradition. Im Mittelpunkt stehen die Reiterspiele. Die
Csikós, die ungarischen Pferdehirten, zeigen
akrobatische Kunststücke, für die sie weltweit bekannt
sind. Am spektakulärsten ist der „Puszta-Fünfer“, bei
dem ein Reiter auf zwei Pferden steht und drei weitere
vor sich her lenkt – in vollem Galopp. Hier bekommt man
eine Ahnung davon, wie sehr Pferde die Kultur dieser
Region geprägt haben.
Wer am Abend wieder an Deck der Celina steht und sieht,
wie die Lichter von Budapest im Wasser tanzen, versteht
schnell, warum die Donau seit Jahrhunderten Dichter,
Musiker und Reisende inspiriert. Der Fluss ist Bühne und
Weg zugleich – ein Ort, an dem Europa in seiner ganzen
Vielfalt sichtbar wird. Doch es wird Zeit, die Rückreise
anzutreten, auf der auch noch viele Sehenswürdigkeiten
besucht werden.
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Stift Melk |
Bratislava, Stift Melk und die Wachau
Nach dem
großen Auftritt von Budapest wirkt Bratislava, die
Hauptstadt der Slowakei, fast entspannt. Die Altstadt
ist kompakt, die Wege kurz und die Burg über der Stadt
bietet den klassischen Postkartenblick auf die Donau.
Ein Spaziergang reicht, um ein Gefühl zu bekommen für
die slowakische Sprache und die Mischung aus
Ostblock-Vergangenheit und neuer Kreativszene.
Flussreisen haben oft diesen besonderen Moment: Man
sitzt an Deck und plötzlich taucht auf einem Felsen ein
Bauwerk auf, das aussieht wie ein Filmset. In Melk ist
es das gewaltige Benediktinerstift, gelb leuchtend über
der Donau. Der Aufstieg lohnt sich, selbst für jene, die
mit Kirche sonst wenig anfangen können.
Zwischen Melk und Krems beginnt die Wachau – jener
Donauabschnitt, der als der malerischste gilt. Vom
Sonnendeck aus ziehen steile Weinberge, kleine Orte mit
Zwiebeltürmen und Burgruinen auf Felsen vorbei. Die
Landschaft wirkt fast zu perfekt, um zufällig entstanden
zu sein. Mit ihren Aprikosenhainen, Trockensteinmauern
und Weinterrassen ist die Wachau eine Kulturlandschaft,
die über Jahrhunderte gewachsen ist.
Abschied
in Passau
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Passau bei Nacht |
Als die MS
Celina wieder in Passau anlegt, ist es Zeit für ein
Resümee. Innerhalb weniger Tage sah man Metropolen wie
Wien oder Budapest, dazwischen kleine Orte, Weinberge
und Auenlandschaften. Europa verdichtet auf wenigen
hundert Kilometern – kulturell, architektonisch und
kulinarisch. Formularbeginn
Es bleiben viele Erinnerungen, auch an das Zuhause auf
Zeit, die MS Celina. Mit maximal 178 Passagieren an Bord
stellte sich schnell ein vertrautes Gefühl ein. Das
Schiff ist stilvoll und komfortabel eingerichtet.
Besonders empfehlenswert sind die Kabinen auf dem
Mittel- und Oberdeck, denn sie verfügen über bis zum
Boden reichende Panoramafenster, die man komplett öffnen
kann. Die Ausflüge sind gut strukturiert und das
kulturelle ist Angebot reichhaltig. Die exquisite Küche
bietet Gerichte, die sich oft an der landestypischen
Küche orientieren, so dass man die jeweiligen Länder
auch kulinarisch besser kennenlernt. Das festliche
Galadinner ist einer der Höhepunkte auf dem Schiff.
Die Donau steht heute auch symbolisch für das
europäische Projekt. Viele der Städte entlang des
Flusses waren einst durch politische Systeme, Ideologien
und Grenzen getrennt. Während des Kalten Krieges verlief
entlang der Donau teilweise die Trennlinie zwischen Ost
und West. Doch heute verbindet sie Regionen, die immer
enger zusammenarbeiten – wirtschaftlich, kulturell,
touristisch und politisch. Eine Kreuzfahrt ist eine der
schönsten Reisearten, um diese Verbundenheit und
Weltoffenheit selbst zu erleben. Text und Fotos:
Barbara Altherr