Konzert

Maximilian Haberstock dirigierte Wagner, Liszt und Beethoven souverän mit jugendlichem Elan in der Alten Oper Frankfurt

Am 18. März dirigierte der erst 21-jährige Dirigent aus München im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt mehrere Stücke der klassischen Musik aus seinem umfangreichen bereits in so jugendlichen Jahren erworbenen musikalischen Repertoire. Das Publikum zollte beachtlichen Beifall für diese Leistung. Vor der Pause wurde Richard Wagners Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg" gespielt. Im Anschluss folgte das Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur, S. 125 von Franz Liszt. Die Aufführung dauerte insgesamt 2 Stunden bis um 21 Uhr.

 

 

   

Maximilian Haberstock gab sein Debüt als Dirigent beim Oltenischen Philharmonischen Orchester, wo er 2023 zum ersten Gastdirigenten ernannt wurde. Er gab im selben Jahr sein erstes Operndirigat an der Opera Romana Craiova mit Bizets Les Pécheurs de Perles. Zudem war er mehrfach beim Verbier Festival zu Gast, unter anderem als Assistent von James Gaffigan, und wurde 2023 als jüngster Teilnehmer in die Gstaad Conducting Academy aufgenommen. Er trat als Gründer und Chefdirigent des Jungen Philharmonischen Orchesters München mit Solisten wie Alban Gerhardt und Daniel Müller-Schott auf. Haberstock ist in der Generation Z verankert. Er kuratiert zudem seine künstlerische Arbeit auf Social Media Kanälen.
 

Mit auf der Bühne war der 23-jährige Pianist Maxim Lando aus den USA, der für seine Virtuosität und Bühnenpräsenz geschätzt wird. Sein Auftritt 2017 an der Seite von Lang Lang, Chick Corea und dem Philadelphia Orchestra bei der Eröffnungsgala der Carnegie Hall verschaffte ihm internationale Aufmerksamkeit. Er begeisterte zuletzt bei seinem Debüt in der Alten Oper Frankfurt mit Ausdruckskraft und künstlerischer Reife, nachdem er mit dem Czech National Symphony Orchestra eine USA-Tournee absolviert hatte. Er wurde mit dem Vendome Grand Prize, dem International German Piano Award und dem Khaledi Prize 2025 ausgezeichnet.

 

Maximilian Haberstock füllte den Abend des 18. März eindrucksvoll und dirigierte nach der Pause Beethovens 5. Sinfonie. Der Saal war mit Publikum weitestgehend gefüllt. Nur vereinzelt waren Plätze frei in den Reihen im Großen Saal. Die Sinfonie Nr. 5 Beethovens dürfte klanglich jedem geläufig sein. Somit zählt die Interpretation, sie offenbart die wahre Leistung im weiten Repertoire des frischgebackenen Dirigenten. Er gehört zu den aufregendsten jungen Talenten seiner musikalischen Generation. Die Aufführung der 5. Sinfonie ist ihm souverän gelungen. Vor allem bei den Nuancen fehlte es nicht an Aufmerksamkeit, die ihm das Orchester entgegenbrachte. Welche Stimmungen werden erzeugt? Wie kommt die Musik an? Welche Ahnungen überkommen einen beim Hören der Musik? Wesentliche Fragen die sich stellen während der Aufführungen vor Publikum, die immer authentisch sind. Es sind Fragen, die zugleich während der Aufführung beantwortet werden, die darüber entscheiden, wie das Stück gerade ankommt. Eine bestimmte Art des Raunens erfüllte den Raum, wenn Instrumente den Anfang einzelner Passagen anspielten. Ein Moment der Spannung baut sich auf: Werden damit auch wirklich alle Erwartungen an Beethoven erfüllt? Ja, sie wurden!

 

Die Ausarbeitung der Feinheiten sind dem Dirigenten hervorragend gelungen. Das Orchester im Zaume halten, um Anforderungen an das Stück musikalisch zu erfüllen. Der Taktstock zählt jede Sekunde der Sinfonie. Musiker nehmen den Takt gewissenhaft auf und reagieren mit Gefühl. Sie geben Antwort zu dem, was der Dirigent mit seiner Emphase während des Dirigierens an das Orchester mitzuteilen hat. Beethovens fünfte wirkt impulsiv, darin ist sie ewiglich konzipiert. Dieser Eigenschaft des Klassischen zu entsprechen, ist eine Fähigkeit die der junge Maximilian Haberstock erfüllt. Der Beifall an jeder Stelle des Stückes, der zuweilen während der Aufführung aufkam, war durchweg verdient. Häufige Beifallsbekundungen offerierten Sympathie für den jungen Musiker. Kleine Pausen zwischen den Passagen innerhalb der 5. Sinfonie erlauben diese spontane Zuwendung durch aufmerksames Beifallklatschen.

 

Beethovens fünfte atmete jeden Moment. Die Akustik im Großen Saal der Alten Oper erfüllt alle Ansprüche, um das volle Volumen dieser Musik im Moment seiner größten Ausdehnung musikalisch aufzunehmen. Entscheidend ist die Geschwindigkeit mit der Beethovens 5. Sinfonie gegeben wird. Wäre sie zu langsam, verlöre sie an Spannung: Wenn zu schnell gespielt wird, träfe das musikalische Erlebnis nicht mehr zu. So geht die fünfte wie im Rausch vorüber. Sie muss perfekt abgestimmt sein, um die Geschlossenheit zu bilden, wie sie für Beethoven typisch ist.  Der einen in Bann halten kann, bis der letzte Ton im Saal verklungen ist. Danach entsteht ein Moment der Leere, typisch für Beethoven im Ausdruck seiner Kolossalität, erst dann folgte ein Beifallssturm.

 

Haberstocks Repertoire kreist um Beethoven sowie die Romantik und Spätromantik. Mit sieben Kontrabässen ist das junge Orchester besetzt, dahinter steht eine bewusste künstlerische Entscheidung, um ein klangliches Fundament zu schaffen. Die Kontrabässe werden durch tiefe Register getragen, dieser Orchesterklang wurzelt in der deutschen Tradition des 19. Jahrhunderts.

 

Maximilian Haberstock gründete 2023 das Junge Philharmonische Orchester München. Seither wuchs das Orchester auf 97 Musiker aus über 30 Nationen an, von ursprünglich 52, und begeisterte mit Konzerten, in denen Solisten wie Alban Gerhardt, Daniel Müller-Schott und Eva Gevorgyan auftraten. Es bringt außergewöhnliche junge Musiker aus der ganzen Welt zusammen - mit dem Ziel, einen der führenden internationalen Klangkörper der Zukunft zu werden. Dafür hat er herausragende Musikerinnen und Musiker aus über dreißig Nationen – von Belgien bis USA, von China bis zur Ukraine – um sich versammelt.

 

Im März 2026 führte ihn die Tournee durch vier bedeutende Musikstädte: Am 15. März erklang das Orchester im Smetana Saal in Prag, am 17. März im Friedrich-von-Thiersch-Saal in Wiesbaden, am 18. März in der Alten Oper Frankfurt und am 19. März im Herkulessaal München. R.M.

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 20. März 2026