Maximilian
Haberstock füllte den Abend des 18. März eindrucksvoll
und dirigierte nach der Pause Beethovens 5. Sinfonie.
Der Saal war mit Publikum weitestgehend gefüllt. Nur
vereinzelt waren Plätze frei in den Reihen im Großen
Saal. Die Sinfonie Nr. 5 Beethovens dürfte klanglich jedem
geläufig sein. Somit zählt die Interpretation, sie
offenbart die wahre Leistung im weiten Repertoire des
frischgebackenen Dirigenten. Er gehört zu den
aufregendsten jungen Talenten seiner musikalischen
Generation. Die Aufführung der 5. Sinfonie ist ihm
souverän gelungen. Vor allem bei den Nuancen fehlte es
nicht an Aufmerksamkeit, die ihm das Orchester
entgegenbrachte. Welche Stimmungen werden erzeugt? Wie
kommt die Musik an? Welche Ahnungen überkommen einen
beim Hören der Musik? Wesentliche Fragen die sich
stellen während der Aufführungen vor Publikum, die immer
authentisch sind. Es sind Fragen, die zugleich während
der Aufführung beantwortet werden, die darüber
entscheiden, wie das Stück gerade ankommt. Eine
bestimmte Art des Raunens erfüllte den Raum, wenn
Instrumente den Anfang einzelner Passagen anspielten.
Ein Moment der Spannung baut sich auf: Werden damit auch
wirklich alle Erwartungen an Beethoven erfüllt? Ja, sie
wurden!
Die
Ausarbeitung der Feinheiten sind dem Dirigenten
hervorragend gelungen. Das Orchester im Zaume halten, um
Anforderungen an das Stück musikalisch zu erfüllen. Der
Taktstock zählt jede Sekunde der Sinfonie. Musiker
nehmen den Takt gewissenhaft auf und reagieren mit
Gefühl. Sie geben Antwort zu dem, was der Dirigent mit
seiner Emphase während des Dirigierens an das Orchester
mitzuteilen hat. Beethovens fünfte wirkt impulsiv, darin
ist sie ewiglich konzipiert. Dieser Eigenschaft des
Klassischen zu entsprechen, ist eine Fähigkeit die der
junge Maximilian Haberstock erfüllt. Der Beifall an
jeder Stelle des Stückes, der zuweilen während der
Aufführung aufkam, war durchweg verdient. Häufige
Beifallsbekundungen offerierten Sympathie für den jungen
Musiker. Kleine Pausen zwischen den Passagen innerhalb
der 5. Sinfonie erlauben diese spontane Zuwendung durch
aufmerksames Beifallklatschen.
Beethovens
fünfte atmete jeden Moment. Die Akustik im Großen Saal
der Alten Oper erfüllt alle Ansprüche, um das volle
Volumen dieser Musik im Moment seiner größten Ausdehnung
musikalisch aufzunehmen. Entscheidend ist die
Geschwindigkeit mit der Beethovens 5. Sinfonie gegeben
wird. Wäre sie zu langsam, verlöre sie an Spannung: Wenn
zu schnell gespielt wird, träfe das musikalische
Erlebnis nicht mehr zu. So geht die fünfte wie im Rausch
vorüber. Sie muss perfekt abgestimmt sein, um die
Geschlossenheit zu bilden, wie sie für Beethoven typisch
ist. Der einen in Bann halten kann, bis der letzte
Ton im Saal verklungen ist. Danach entsteht ein Moment
der Leere, typisch für Beethoven im Ausdruck seiner
Kolossalität, erst dann folgte ein
Beifallssturm.
Haberstocks Repertoire
kreist um Beethoven sowie die Romantik und Spätromantik.
Mit sieben Kontrabässen ist
das junge Orchester besetzt, dahinter steht eine
bewusste künstlerische Entscheidung, um ein klangliches
Fundament zu schaffen. Die Kontrabässe werden durch
tiefe Register getragen, dieser Orchesterklang wurzelt
in der deutschen Tradition des 19. Jahrhunderts.
Maximilian
Haberstock gründete 2023 das Junge Philharmonische
Orchester München. Seither wuchs das Orchester auf 97
Musiker aus über 30 Nationen an, von ursprünglich 52,
und begeisterte mit Konzerten, in denen Solisten wie
Alban Gerhardt, Daniel Müller-Schott und Eva Gevorgyan
auftraten. Es bringt außergewöhnliche junge Musiker aus
der ganzen Welt zusammen - mit dem Ziel, einen der
führenden internationalen Klangkörper der Zukunft zu
werden. Dafür hat er herausragende
Musikerinnen und Musiker aus über dreißig Nationen – von
Belgien bis USA, von China bis zur Ukraine – um sich
versammelt.
Im März 2026 führte
ihn die Tournee durch vier bedeutende Musikstädte: Am
15. März erklang das Orchester im Smetana Saal in Prag,
am 17. März im Friedrich-von-Thiersch-Saal in Wiesbaden, am 18. März in
der Alten Oper Frankfurt und am 19. März im Herkulessaal
München. R.M.