Der BDA Frankfurt begrüßt laufenden Prozess „Zukunftslabor Juridicum“

Die ganzheitliche vergleichende Untersuchung verschiedener Entwicklungsszenarien schafft eine gute fachliche Basis für die anstehenden politischen Entscheidungen zum Juridicum. Die Art des Verfahrens bekräftigt zudem einen Paradigmenwechsel in der Frankfurter Planungskultur hin zu der Frage: Wie wollen wir mit der vorhandenen Stadt umgehen?

 

 

 

Foto (c) Kulturexpress

In dem von der Frankfurt University of Applied Sciences FUAS moderierten Verfahren diskutieren Expert:innen und Stakeholder:innen über den von Ferdinand Kramer 1962/63 geplanten und zwischen 1963 und 1970 auf dem Campus Bockenheim errichteten Bau. Für das ca. 19.000 m² umfassende Gebäude sollen vier Entwicklungsszenarien beleuchtet werden, in denen bauliche und funktionale Faktoren unterschiedlich kombiniert werden: Baulich wird zwischen dem kompletten oder teilweisen Erhalt und dem Abbruch abgewogen. Als Funktionen werden Wohnen, Bildung, Gewerbe und Büros betrachtet.

 

Von den vier Varianten ist eine vor Prozessbeginn im Auftrag der ABG bereits untersucht und offenbar von ihr auch schon verworfen worden: Die Variante „Umnutzung des Bestands in Wohnen“. Die hierzu veröffentlichte Studie kommt zum Ergebnis, dass ein Wohnungsneubau inkl. Abbruch des Bestands wirtschaftlicher und ökologischer zu bewerten sei als dessen Umbau zu Wohnungen im ABG-Standard. Ein parallel vorgelegtes Gutachten zur „Technischen Bewertung des Bestandsrohbaus“ dokumentiert hingegen umfangreich, dass die Bausubstanz im Wesentlichen gut erhalten ist und Potenziale zum Um- und Weiterbauen bietet. Hervorzuheben ist die besondere Tragfähigkeit der Gebäudestruktur, die neben Wohnen auch die Nutzung durch Büros, Gewerbe, Bildung und Kultur ermöglicht. Eine so flexible und leistungsfähige Gebäudestruktur zugunsten eines konventionellen und unifunktionalen Wohnungsneubaus abzureißen – wie es die ABG anzustreben scheint – ist vor diesem Hintergrund kaum nachhaltig und zeitgemäß. Daher darf man auf die Entwicklungsvarianten mit gemischten Funktionen gespannt sein – und auf deren Bewertung durch die Expert:innen. Der BDA Frankfurt begrüßt, dass solche Entwicklungsvarianten geprüft werden.

 

Der BDA Frankfurt sieht im Zukunftslabor Juridicum aber darüber hinaus auch eine grundsätzliche Qualität. Das Frankfurter Planungsdezernat hat einen Prozess angestoßen, der qualitätsorientiert einen Paradigmenwechsel in der Stadtplanung verfolgt. Der Wandel ist eine Folge veränderter Rahmenbedingungen: der Klimakrise, drastisch gestiegener Baukosten, knapper Ressourcen sowie des wachsenden gesellschaftlichen Anspruchs an Teilhabe und baukultureller Identifikation. Städtebau kann heute nicht mehr primär über Flächenverwertung und Neubauvolumen definiert werden. Die Entscheidung über Abriss oder Erhalt hat klimapolitische, ökonomische und gesellschaftliche Relevanz – und das Juridicum steht exemplarisch für diese Fragen.

 

Weiterbauen bedeutet dabei nicht Stillstand, sondern Innovation im Bestand – verbunden mit dem bewussten und verantwortlichen Aushandeln von Abweichungen zu Baugesetzen und Regelwerken, die weitgehend für den Neubau konzipiert sind. Am Kulturcampus bietet das Juridicum Potenziale für eine gemischte Nutzung aus Wohnen, Hochschule, Kultur und temporäre Nutzungen – ressourcenschonend, anpassungsfähig und sozial wirksam.

 

Das Zukunftslabor Juridicum öffnet den Dialog zwischen Wohnungsbaugesellschaft, Fachöffentlichkeit und Zivilgesellschaft. Der Fokus verschiebt sich damit weg von „Abriss oder Neubau?“ hin zu der grundlegenden Frage: Wie wollen wir mit der vorhandenen Stadt umgehen?

 

Der gestartete Prozess zeigt, dass Qualität nicht durch Geschwindigkeit entsteht, sondern durch sorgfältige Abwägung, Transparenz und gute Verfahren. Das Juridicum kann – unabhängig vom späteren Ergebnis – zu einem Modellfall werden: für Umbaukultur, für neue Planungs- und Genehmigungsprozesse und für eine Stadtentwicklung, die den Herausforderungen unserer Zeit gerecht wird. Frankfurt bricht auf – und nicht ab! Der BDA bestärkt die Stadt Frankfurt in Verwaltung und Politik, dem eingeschlagenen Weg weiter zu folgen.

 

Peter D. Rodriguez, Antje Voigt und Marius Mersinger

für den BDA Frankfurt

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 11. Februar 2026