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Kaputtes
DNA-Reparaturwerkzeug
beschleunigt
Alterung |
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Werden schwere DNA-Schäden nicht repariert, hat dies
dramatische Folgen für die Gesundheit von Zellen und
Geweben. Eine Studie unter Leitung von Forschenden der
Goethe-Universität Frankfurt als Teil der
Rhein-Main-Universitätsallianz zeigt: Der Ausfall eines
zentralen DNA-Reparaturenzyms namens SPRTN verursacht
nicht nur genetische Schäden. Darüber hinaus werden auch
chronische Entzündungen ausgelöst, die den
Alterungsprozess beschleunigen und zu
Entwicklungsstörungen führen. Die Ergebnisse verbessern
das Verständnis der seltenen Erbkrankheit
Ruijs-Aalfs-Syndrom und könnten Ansätze für
therapeutische Interventionen eröffnen.
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SPRTN
schützt die
DNA wie ein
Helm, indem
es
DNA-Protein-Crosslinks
repariert.
Künstlerische
Darstellung:
Anne-Claire
Jacomin
Goethe-Universität
Frankfurt
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Obwohl die DNA im Zellkern dicht
gepackt und gut geschützt ist,
ist sie ständig Gefahren
ausgesetzt – etwa durch normale
Stoffwechselprozesse oder äußere
Einflüsse wie Strahlung oder
chemische Substanzen. Um dem
entgegenzuwirken, verfügen
Zellen über ein komplexes Netz
an Reparaturmechanismen.
Versagen diese Systeme, können
sich DNA-Schäden ansammeln, die
das Funktionieren der Zelle
beeinträchtigen und zur
Entstehung von Krebs,
Alterungsprozessen und
degenerativen Erkrankungen
beitragen.
Eine besonders schwerwiegende
Form von DNA-Schäden sind
sogenannte
DNA-Protein-Quervernetzungen
(DNA-Protein Crosslinks, DPCs),
bei denen Proteine an die DNA
geheftet werden. DPCs können
durch Alkoholkonsum, durch die
Einwirkung von Substanzen wie
Formaldehyd oder anderen
Aldehyden oder durch Fehler von
Enzymen entstehen, die an der
Verdopplung oder Reparatur der
DNA beteiligt sind. Weil DPCs
die Verdopplung der DNA
blockieren, können sie schwere
Fehler bei der Zellteilung
verursachen. Daher stellen DPCs
eine erhebliche Bedrohung für
die Integrität des Genoms dar.
Das Enzym SPRTN beseitigt DPCs,
indem es die Verbindung zwischen
DNA und Proteinen spaltet.
Menschen, bei denen SPRTN
mutiert ist und nicht mehr
korrekt funktioniert, können
bereits im Jugendalter
Knochenfehlbildungen und
Leberkrebs entwickeln. Diese
seltene genetische Erkrankung
ist als Ruijs-Aalfs-Syndrom
bekannt. Die zugrunde liegenden
Mechanismen sind bislang nur
unzureichend verstanden,
spezifische Therapien gibt es
nicht.
Jetzt konnte ein Forschungsteam
unter der Leitung von Prof. Ivan
Ðikić vom Institut für Biochemie
II der Goethe-Universität
zeigen, dass der Verlust eines
funktionsfähigen SPRTN-Enzyms
nicht nur dazu führt, dass die
DNA im Zellkern immer mehr
Defekte aufweist. In
Zellkulturexperimenten und
mithilfe genetisch veränderter
Mäuse stellten die Forschenden
fest, dass zusätzlich DNA aus
dem Zellkern ins Zellinnere, das
Zytoplasma, gelangt.
DNA im Zytoplasma ist für die
Zelle ein Alarmsignal. Denn
solche DNA stammt normalerweise
von eindringenden Viren oder
Bakterien oder ist ein Zeichen
für eine Entartung der Zelle.
Zytoplasmatische DNA aktiviert
daher Abwehrmechanismen der
Zelle, indem sie den sogenannten
cGAS-STING-Signalweg auslöst.
Zudem setzt die Zelle
Botenstoffe frei, die
Immunzellen anlocken, die zu
einer chronischen Entzündung
führen.
Das Forschungsteam beobachtete,
dass diese chronische
Entzündungsreaktion besonders
stark in Maus-Embryonen
ausgeprägt ist. Sie hält an, bis
die Mäuse ausgewachsen sind und
zeigt sich dann vor allem in
Lunge und Leber. In der Folge
starben die Mäuse früh oder sie
zeigten Symptome eines
vorzeitigen Alterns, die denen
von Menschen mit
Ruijs-Aalfs-Syndrom ähneln.
Blockierten die Forschenden die
betreffende Immunreaktion,
ließen sich viele der Symptome
lindern.
„DNA-Protein-Quervernetzungen,
die nicht repariert werden
können, haben weitreichende
systemische Konsequenzen“,
erklärt Ðikić. „Sie gefährden
nicht nur die Stabilität des
Genoms, sondern treiben auch
chronische Entzündungen an, die
die Lebensspanne erheblich
beeinflussen können.“
Der Mediziner und
Molekularbiologe sieht darin das
Potenzial für die Entwicklung
neuer Therapien: „Neben dem
Ruijs-Aalfs-Syndrom gibt es
weitere seltene genetische
Erkrankungen, bei denen
DNA-Protein-Quervernetzungen
eine wichtige Rolle spielen. Mit
unserer Arbeit haben wir eine
wichtige Grundlage geschaffen,
um neue therapeutische Ansätze
auch für diese Krankheiten zu
entwickeln. Durch die
Untersuchung der zugrunde
liegenden Mechanismen seltener
Erkrankungen haben wir einen
neuen Zusammenhang zwischen
DNA-Schäden,
Entzündungsreaktionen und der
Lebensspanne eines Organismus
entdeckt. Das trägt auch dazu
bei, die Biologie des Alterns
besser zu verstehen.“
Zu den Partnern des
Forschungsprojekts gehörten die
Goethe-Universität und die
Johannes Gutenberg-Universität
Mainz (Institut für
Molekularbiologie/Professorin
Petra Beli und Institut für
Transfusionsmedizin/Professorin
Daniela Krause) innerhalb der
Allianz der
Rhein-Main-Universitäten (RMU),
das Deutsche Konsortium für
translationale Krebsforschung (DKTK),
das Deutsche
Krebsforschungszentrum (DKFZ),
die EPFL Lausanne, die Charité
Berlin sowie die Universitäten
Köln und Split (Kroatien).
Publikation: Ines Tomaskovic,
Cristian Prieto-Garcia, Maria
Boskovic, Mateo Glumac,
Tsung-Lin Tsai, Thorsten Mosler,
Rubina Kazi, Rajeshwari Rathore,
Jorge Andrade, Marina Hoffmann,
Giulio Giuliani, Anne-Claire
Jacomin, Raquel S. Pereira,
Elias Knop, Laurens Wachsmuth,
Petra Beli, Koraljka Husnjak,
Manolis Pasparakis, Andrea
Ablasser, Daniela S. Krause,
Michael Potente, Stamatis
Papathanasiou, Janos Terzic,
Ivan Dikic: DNA-Protein
crosslinks promote
cGAS-STING-driven premature
aging and embryonic lethality.
Science (2026)
https://doi.org/10.1126/science.adx9445
Meldung: Institut für Biochemie
II und Buchmann Institut für
Molekulare Lebenswissenschaften
Goethe-Universität Frankfurt
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