Nachruf

Über den Kunstmaler Peter Baer aus Basel

 

 

Peter Baer, mittig, mit Frau und Gastgeber zu Besuch in Vevey, 2011, Foto (c) Kulturexpress

Am 05. August 2025 ist der Schweizer Künstler Peter Baer in Basel gestorben. Geboren wurde er am 1. November 1936 in Winterthur. Er arbeitete und wohnte zeitlebens in Basel, ist dort aufgewachsen und unterhielt mehrere Künstlerateliers. Er war ausgebildeter Maler, Radierer, Zeichner und Bildhauer. Zuletzt befand sich sein Atelier im Hinterhaus seines Wohnhauses in einem Ortsteil von Kleinbasel nahe dem Rhein.

 

Das ist unweit des Kasernen-Areals, in dessen einstiger Klosterkirche sind zahlreiche Künstlerateliers und der Ausstellungsraum Klingental untergebracht, wovon Peter Baer über viele Jahre hinweg eines sein eigen nannte. Die meisten seiner Ausstellungen fanden innerhalb von Basel und in Basel-Land statt. Der Stadt fühlte er sich verbunden. Basel ist eine weltoffene, multisensible Großstadt in der viele Religionen zu Hause sind, vor allem die drei großen monotheistischen Strömungen, wobei starke reformatorische Bewegungen ihren Ursprung in Basel haben, die ursächlich für eine eigene Schweizer Identität sind.

 

Peter Baer hatte Aufenthalte in den USA und reiste häufig nach Spanien, nicht zuletzt um den Motiven in seiner Malerei nachzugehen. Seine Verbundenheit mit dem eigenen Land hielten ihn davon ab, Ausstellungsangebote aus dem deutschen Ausland anzunehmen, obwohl er dem Nachbarland Deutschland wohl gesonnen war, so dass vor allem Lokalkolorit in Bezug auf seine Identität als Schweizer Künstler zutrifft. Er schätzte die klassische Kunst, mehr als dass er sich neuesten Einflüssen der Moderne hingab. Die Präsentation seiner Bilder mit und ohne Rahmen war entsprechend geprägt, oft verbunden mit öffentlichen Happenings zu den Ausstellungseröffnungen wie im Ausstellungsraum Klingental, wo er ausstellte.

 

Die Basler Zeitung berichtete mehrmals in einer Reportage über ihn in der Beilage. Seine Bildformate konnten hochkant und großformatig sein, andere waren quadratisch und klein oder folgten einem länglichen Tafelformat. Er schuf eine große Anzahl an Triptychen, bei deren Aufhängung vor der endgültigen Fassung ich ihn einige Mal im Atelier in Basel besuchte. Einmal luden er und seine Frau mich anlässlich einer Ausstellungseröffnung nach Vevey an den Genfer See ein. Dort bewohnten wir ein Haus in der Altstadt, das kurz vor Fertigstellung seiner Gesamtrenovierung stand, wobei die Architekten Wert darauf legten, bauliche Veränderungen als Bestandteil des Interieurs erkennbar offen sichtbar zu belassen, was ein authentisches Bild über den Zustand des sanierten Gebäudes vermittelte.

 

Peter Baer malte Portraits, häufig war seine Frau und Lebenspartnerin Susi das Motiv, er übernahm häufig auch Auftragsarbeiten wie aus seiner Vita hervorgeht. Seine Bildmotive außerhalb der Portraits sind meist durch die Anwesenheit eines Stiers geprägt, dessen männlich betonter Habitus durchzieht seine Bilder leitmotivisch. Oftmals vor expressiver Kraft strotzend in Zusammenhang mit dem Stierkämpfer, den er Masshalter nennt, Widersacher und Gegenüber, um animalischen Trieben des Stiers paroli zu bieten. In ausgebreiteter Haltung positioniert sich der Stierkämpfer vor dem Herannahen, ohne den Stier in seiner Auseinandersetzung zum Blutopfer werden zu lassen. Es geht um den Habitus einer bestimmten Ästhetik während des Malens und um Haltung, die der Kämpfer im Moment seiner Begegnung mit dem Stier einnimmt. Manchmal ist das wie das Heranrollen einer Lawine bei der es um das Kräftemessen geht, wie eines Herkules der Kunst.

Viele Kunstsachverständige haben sich mit dem Werk Peter Baers auseinandergesetzt und Texte dazu geschrieben. Zu ihnen zählt Jean-Christophe Ammann, damals Direktor der Kunsthalle Basel, der sich intensiv für freischaffende Künstler einsetzte, obwohl unterschiedliche Herangehensweisen deren Werdegang prägte. Ammann befürwortete den radikalen Zugang zu aktuellen Strömungen in der modernen Kunst und förderte das was ihm Nahe stand. Peter Baer wollte das klassische Gemälde in der Kunst haben und stellte dies über die Aufschreie der Moderne. Vor Jahren erschien eine Publikation im Basler Friedrich Rheinhardt Verlag über Peter Baer und sein künstlerisches Werk. Darin enthalten zahlreiche Beiträge von unterschiedlichen Autoren über ihn oder der Schweizer Schriftsteller René Regenass, den ich einmal erleben konnte anlässlich einer Ausstellungseröffnung. Er gehört zu denjenigen mit denen der Künstler freundschaftlich verbunden war.

Manche Leinwände Peter Baers wirken leicht, fast schwebend, durch den hohen Weißanteil im Bild. Herausragend sind seine Kugelschreiber-Zeichnungen, publiziert im Buch: Ferienrapport, herausgegeben von Dieter Koepplin, die mit expressiver Ausdruckskraft die Handschrift des Architekten tragen, der dabei ist, seinen Entwurf in einer ersten Skizze umzusetzen. Ein Nachruf von Kulturexpress

 

 

 

 

   

 

Foto (c) Kulturexpress

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 29. Januar 2026