Nach dem Studium von Gesang,
Tanz und Schauspiel an der
Universität der Künste in Berlin
begann für sie ein unstetes,
performatives Wanderleben. Es
folgten Jahre als singende und
tanzende Darstellerin zwischen
Theaterhäusern und Varietézelten
in Wien, Prag, Amsterdam und
Berlin. Diese Zeit hat Spuren
hinterlassen: die Lust am großen
Auftritt, das präzise Spiel mit
Gestik, Mimik und Körpersprache,
aber auch das Bewusstsein für
das Flüchtige des Moments. All
das floss auch an diesem Abend
in Bad Homburg ganz
selbstverständlich in ihre
Performance ein.
Die Lieder
ihres Albums „Transit“, die der aktuellen Tour ihren
Namen gab und die sie zum großen Teil im Konzert
präsentierte, thematisierten das Unterwegssein und den
Wandel. Zwischen den Liedern sprach Magdalena Ganter von
Abschieden, von der Rückkehr aus Berlin in ihre Heimat
im Schwarzwald, vom Muttersein und von Neuanfängen. Und
auch Stücke ihres ersten Solo-Albums „Neo Noir“, einer
Mischung aus Chanson, Cabaret Noir und Jazz im Stil der
1920er-Jahre, zelebrierte sie mit großer Lebensfreude.
Die Lust am Spiel
Ein früher
Höhepunkt
des
Konzertes
war das
Stück
„Josephine
Baker“.
Ganter sang
es nicht
nur, sie
verneigte
sich vor
ihrem Idol.
Ihre
Begeisterung
für Baker
war
greifbar,
beinahe
ansteckend.
Mit
funkelnden
Augen
erzählte sie
von ihrer
Radikalität,
ihrer Lust
und ihrer
politischen
Haltung.
Ähnlich
innig war
der Moment,
in dem sie
ihre
Bewunderung
für
Hildegard
Knef teilte.
Die
lakonische
Härte, das
Stolze im
Verletzlichen
– all das
findet sich
auch in
ihren
eigenen
Liedern
wieder.
Immer
feinfühlig
begleitet
wurde sie
von Simon
Steger am
Piano und
Sebastian
König am
Schlagzeug.
Im Song „Was
immer Lola will“ zelebrierte Magdalena Ganter
Selbstbestimmung, Begehren und Ironie mit einem
Augenzwinkern. Die Leidenschaft für Cabaret und Varieté,
die sie über Jahre hinweg geprägt hat, schimmerte immer
wieder durch. Ganz reduziert zeigte sie sich in „Nackt“.
Fast schmerzhaft ehrlich stand sie auf der Bühne, ohne
Schutz, ohne Pose. Das Publikum war still – und genau
darin entfaltete das Lied seine große Wirkung. Auch der
Song „Zwei Erbsen“ machte nachdenklich, da er Leben und
Sterben thematisiert. Selbst sehr ernste Themen
verpackte die Musikerin so elegant und anmutig in
leichte Muse, dass sie erst nach dem Hören so richtig
trafen und Eindruck hinterließen.
Magdalena
Ganter bewies im Speicher Bad Homburg eindrucksvoll,
warum sie zu den eigenständigsten und spannendsten
Künstlerinnen der aktuellen deutschsprachigen Szene
gehört. Es war ein Konzertabend, der noch lange
nachhallt – elegant, lustvoll und tief berührend.
Text und
Fotos: Barbara Altherr