Konzert vom 24. Januar 2026 im Speicher Bad Homburg

Magdalena Ganter – Transit und Verwandlung

Die Schauspielerin, Sängerin und Songwriterin Magdalena Ganter schlüpft auf der Bühne in viele verschiedene Rollen - freigeistige Comedienne, sehnsüchtig Liebende und kindliche Lebensfreudeversprüherin - und bleibt dabei doch immer ganz sie selbst. Sie ist eine Grenzgängerin, die das Spiel mit Brüchen und Extremen liebt. Genau darin liegt ihre große Stärke.

 

 

 

Foto (c) Barbara Altherr

Nach dem Studium von Gesang, Tanz und Schauspiel an der Universität der Künste in Berlin begann für sie ein unstetes, performatives Wanderleben. Es folgten Jahre als singende und tanzende Darstellerin zwischen Theaterhäusern und Varietézelten in Wien, Prag, Amsterdam und Berlin. Diese Zeit hat Spuren hinterlassen: die Lust am großen Auftritt, das präzise Spiel mit Gestik, Mimik und Körpersprache, aber auch das Bewusstsein für das Flüchtige des Moments. All das floss auch an diesem Abend in Bad Homburg ganz selbstverständlich in ihre Performance ein.

 

Die Lieder ihres Albums „Transit“, die der aktuellen Tour ihren Namen gab und die sie zum großen Teil im Konzert präsentierte, thematisierten das Unterwegssein und den Wandel. Zwischen den Liedern sprach Magdalena Ganter von Abschieden, von der Rückkehr aus Berlin in ihre Heimat im Schwarzwald, vom Muttersein und von Neuanfängen. Und auch Stücke ihres ersten Solo-Albums „Neo Noir“, einer Mischung aus Chanson, Cabaret Noir und Jazz im Stil der 1920er-Jahre, zelebrierte sie mit großer Lebensfreude.

 

Die Lust am Spiel   

 

 

Ein früher Höhepunkt des Konzertes war das Stück „Josephine Baker“. Ganter sang es nicht nur, sie verneigte sich vor ihrem Idol. Ihre Begeisterung für Baker war greifbar, beinahe ansteckend. Mit funkelnden Augen erzählte sie von ihrer Radikalität, ihrer Lust und ihrer politischen Haltung. Ähnlich innig war der Moment, in dem sie ihre Bewunderung für Hildegard Knef teilte. Die lakonische Härte, das Stolze im Verletzlichen – all das findet sich auch in ihren eigenen Liedern wieder. Immer feinfühlig begleitet wurde sie von Simon Steger am Piano und Sebastian König am Schlagzeug.

Im Song „Was immer Lola will“ zelebrierte Magdalena Ganter Selbstbestimmung, Begehren und Ironie mit einem Augenzwinkern. Die Leidenschaft für Cabaret und Varieté, die sie über Jahre hinweg geprägt hat, schimmerte immer wieder durch. Ganz reduziert zeigte sie sich in „Nackt“. Fast schmerzhaft ehrlich stand sie auf der Bühne, ohne Schutz, ohne Pose. Das Publikum war still – und genau darin entfaltete das Lied seine große Wirkung. Auch der Song „Zwei Erbsen“ machte nachdenklich, da er Leben und Sterben thematisiert. Selbst sehr ernste Themen verpackte die Musikerin so elegant und anmutig in leichte Muse, dass sie erst nach dem Hören so richtig trafen und Eindruck hinterließen.

Magdalena Ganter bewies im Speicher Bad Homburg eindrucksvoll, warum sie zu den eigenständigsten und spannendsten Künstlerinnen der aktuellen deutschsprachigen Szene gehört. Es war ein Konzertabend, der noch lange nachhallt – elegant, lustvoll und tief berührend. Text und Fotos: Barbara Altherr

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 26. Januar 2026