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Für eine nachhaltige
Architektur der Stadt (2025) von Jens
Jakob Happ und Helmut Kleine-Kraneburg bei
Wagenbach |
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Nachhaltige
Architektur der Stadt bedeutet
geringer Verbrauch an
Materialien, Reparatur und
Wiederverwendung von
Gebrauchtem, Einsatz von
Nützlichem ermöglichen, als auch
Zusammenwirken aller in
einem Kreislauf befindlicher
Abläufe. Mit dem Blick auf
zukünftige Generationen ist das einer der zentralen
gesamtgesellschaftlichen
Aufgabenstellungen. Vor allem
in Bezug auf unsere Städte, die
beständig unter dem laufenden
Verkehr, Überhitzung, sozialer
Erkaltung, zunehmender
Verschmutzung und Verwahrlosung
und dem Verlust an bezahlbarem
Wohnraum leiden und zugrunde
gehen.
Die
vorliegende Textsammlung unterschiedlicher Autoren und
Fachrichtungen verbindet diese Sicht auf die Stadt als
kollektives Gebilde mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit.
Ein Gedanke, der mit dem Begriff der Permanenz bereits
von Aldo Rossi (1966) eingeführt wurde. Jahre später
nach Veröffentlichung von dessen Traktat ist es immer
noch an der Zeit, unser Verständnis der Bedeutung von
Architektur und Stadt für das Kollektiv grundlegend zu
revidieren. Die Verpflichtung der Menschheit ist immens,
sich an der Umsetzung zu mehr Verantwortung zu
beteiligen. Ganz abgesehen von den politischen
Forderungen die damit verknüpft sind, sollte die
Bedeutung zu mehr Verantwortung gegenüber Umwelt und der
Lebenswelt vielmehr natürliches Bedürfnis einer
besonnenen Menschheit sein, um an einem Aufenthalt auf
sicherem Boden festzuhalten.
Dringender als je zuvor wird aufgrund der enormen
Belastungen, die der Umwelt angetan werden deutlich,
dass Bauen kein Vorgang beliebiger Produktion und
Verwendung von Konsum- und Verbrauchsgütern mit geringer
Verfallszeit ist. Bauen ist vielmehr auf Dauerhaftigkeit
ausgelegt. Häuser, Plätze, Straßen müssen sich einfügen,
Bausteine eines Ganzen sein, die über ihre
Entstehungszeit und die aktuellen Bedingungen hinaus
Berechtigung auf Bestand haben.
Eine Neuausrichtung der Architektur steht somit vor
allem unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit, einer
Nutzung die auf Qualität setzt, Umbau und Weiterbauen im
Bestand ermöglicht noch bevor der Neubau zur
unausweichlichen Tatsache geworden ist.
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Podiumsdiskussion
am 24.
November im
Vortragssaal
des
Deutschen
Architekturmuseum
(DAM). Daran
beteiligt
v.l.n.r.:
Helmut
Kleine-Kraneburg,
Jens Jakob
Happ, Peter
Cachola
Schmal,
Elisabeth
Endres sowie
Ernst Böhm,
Foto (c)
Kulturexpress |
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Aus der
Reihe
Wagenbachs
andere
Taschenbücher
WAT äußern
sich
namhafte
Autoren mit
Beiträgen
zum Buch.
Darunter
sind
Vittorio
Magnago
Lampugnani,
italienischer
Architekt
und
Architekturtheoretiker
sowie
ehemaliger
Direktor des
Deutschen
Architekturmuseum
(DAM) in
Frankfurt,
Architekt
Florian
Nagler,
dessen
Forschungshäuser
werden
mehrmals
thematisiert,
die 2022 den
Nachhaltigkeitspreis
gewannen
sowie Ernst
Böhm,
Inhaber der
B+O Gruppe
in Bad
Aibling,
ursprünglich
bestehend
aus einer
Dachdeckerfirma,
B&O, und
einem
Unternehmen
für
Haustechnik
HTW. Mit
seinem
Beitrag
bietet Ernst
Böhm einen
Lösungsvorschlag,
wie mit
weniger
Kosten mehr
Wohnungen
geschaffen
werden. Zu
den
Kostenverursachern
zählen
Umsatz- und
Grunderwerbssteuer
wie zu
teueres
Bauland, was
knapp ist,
und die zu
hohen
Bau-Standards,
welche
unnötig hohe
Baukosten
verursachen.
Architektin
und Klimaingenieurin Elisabeth Endres, ebenso wie Ernst
Böhm Teilnehmerin an der Podiumsdiskussion, die näher
mit Gebäudetechnologie von Bauten und Bauklimatik
befasst ist. Sie meinte, die Veröffentlichung des Buches
sei wichtig, um den Generationswechsel zu vollziehen
damit auch die Jungen ein Mandat haben. Die Autorin
fragt sich in ihrem Beitrag zum Buch: Wie wenig ist
genug? Meint damit die angewendeten Techniksysteme, die
immer komplexer werden, um geforderte Standards und den
Komfort in Gebäuden zu erreichen. Sie sagt, der Verzicht
auf Technik dürfe nicht als Qualitätsverlust verstanden
werden, sondern solle zur Steigerung derselben führen
z.B. durch Nutzung natürlicher Ressourcen wie frische
Luft durch gewöhnliche Fensteröffnungen. Sie fordert den
Quotienten der Energieeffizienz pro Kopf zu berechnen,
um schlüssige Ergebnisse über den Verbrauch zu ziehen
und um eine Verbesserung zu erreichen. Das klingt
zunächst sehr leistungsorientiert, dürfte aber mittelbar
ein Weg sein, um strategisch brauchbare Haushaltspläne
zu entwickeln.
Vittorio
Magnago Lampugani beschäftigt sich in seinem Beitrag
anfangs mit dem Schriftsteller Italo Calvino und dessen
Roman Die unischtbaren Städte, Originaltitel: Le
città invisibili (1972), hinterfragt die
Umweltbelastung, mit welchen Mitteln diese
reduzieren? Auch bei der Antwortsuche nimmt Lampugnani Bezug auf Calvino, der
im Roman eine erbarmungslose
Metapher auf den bedingungslosen Konsum vorgibt. Die allgemeine Wohnungsfrage wirft dagegen
Fragen auf, denn physisch sind Wohnungen vorhanden, nur nicht da
wo sie gebraucht werden. Nachhaltigkeit wird mit
Langlebigkeit beantwortet. Reparieren, Umbauen und
Weiterbauen sind schon bei Leon Battista Alberti im 15.
Jahrhundert publik gewesen. Hausabbrüche geschehen
oftmals viel zu früh. Dem herrschenden Anachronismus
auch in der Architektur Einhalt gebieten, das
heißt Abriss nur nach genauer Abwägung ermöglichen.
Ernst Böhm
sieht im Wohnungsmangel Defizite in der Infrastruktur.
Die letzte Bundestagswahl habe gezeigt, wie Wähler
verstärkt zu den Randparteien abwandern, auch um ihrem
Missmut einer zunehmenden Wohnungsnot Ausdruck zu
verleihen. Helfen könnte eine erleichterte
Baugenehmigungspraxis, um Zwei- oder Dreizimmerwohnungen
zu revitalisieren z.B. durch Umnutzung von Büro- und
Kaufhäusern sowie Aufstockungen und Nachverdichtungen.
Eine ganze Palette an Möglichkeiten böten sich, um mehr
Wohnraum zu gewinnen, ohne gleich an Neubau zu denken.
Bezug genommen wird auf die Initiative "Praxispfad CO2-Reduktion
im Gebäudesektor", die den Clean-Deal anstelle des
Green-Deal fordert. Insgesamt werden nach Umsetzung der
Vorschläge die Anzahl der Wohnungseinheiten eminent
erhöht. Einsparung im Flächenbedarf, CO2-Emissionen
regulieren, Einsparung bei den Kosten um 50 Prozent sind
möglich. Steuermittel werden gespart, Schulden
vermieden. Mit dem Bau-Turbo sei die Regierung jetzt
schon auf dem richtigen Weg. Es brauche ein Jahrzehnt
der Zuversicht und der Tatkraft, so die Zusammenfassung.
Weitere
Autor:innen sind: Jutta Albus, Gerrit Confurius, Frank
E.P. Dievernich, Dirk Hebel, Michael Heinrich, Hans Kollhoff, Michael Mönninger, Volker
Mosbrugger, Thomas Schröer und Wolfgang Sonne.
Interessant auch der Beitrrag von Anna Heringer, die mit
Jens Jakob Happ und Helmut Kleine-Kraneburg, den
Herausgebern zum Thema Lehm und Lehmbauweise im Gespräch
ist. Zahlreiche Befunde zur historischen Bautechnik,
einer Technik die auch in der Gegenwart auf immer mehr
Befürworter trifft wie zum Beispiel bei der Herstellung
vor Ort unmittelbar auf der Baustelle, teils in
maschineller Produktion, Lehmziegel herstellen wie am
Fließband in dafür zur Verfügung gestellten Feldfabriken
und zum Einsatz im Wohnungsbau.
Die Forderung des Buches und seiner Autor:innen ist
eine neue Herangehensweise für eine lebenswerte
Infrastruktur, die auf gesellschaftliche und klimatische
Veränderungen gleichermaßen reagiert. Denn Bauen ist
weltweit einer der größten Umweltfaktoren. Das Buch
handelt von Ästhetik und Pragmatik nachhaltiger
Architektur. Von Theorie und Praxis, Material und
Technik
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Inhalltsverzeichnis...
Für eine nachhaltige Architektur der Stadt
(Hrsg.) Jens Jakob Happ, Helmut Kleine-Kraneburg
WAT Wagenbach Verlag
1. Auflage, 2025
Broschiert, 160 Seiten, mit zahlreichen Abb.
ISBN 978-3-8031-2885-0
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