Wohnbau-Offensive Hessen: Kosteneffizienz, Verfahrensschlankheit und Klimafreundlichkeit

Beim Plenum des Bündnisses für Wohnen in Hessen, einem Zusammenschluss von Kommunen, Wohnungsunternehmen, Kammern und Verbänden unter Federführung des Wirtschaftsministeriums, stieß diese Forderung auf breite Zustimmung. „Wenn wir im Land Hessen ernsthaft bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen, müssen wir den Wohnungsbau bezahlbar machen“, so AKH-Präsident Gerhard Greiner. „Die Zeit des Zögerns ist vorbei, wir brauchen eine Wohnungsbau-Offensive, die Wirklichkeit wird.“
 

 

 

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Die wohnungspolitischen Ziele des Landes sind ambitioniert. Doch die Realität sieht bislang anders aus: Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung beziffert den jährlichen Wohnungsbedarf in Hessen bis 2030 auf 26.400 neue Wohnungen. Tatsächlich fertiggestellt wurden laut Landesamt für Statistik im Jahr 2024 jedoch nur knapp 18.000. Die zur Verfügung stehenden Fördermittel reichen bisher längst nicht aus. So lag der Bedarf zur sozialen Wohnraumförderung im Jahr 2024 deutlich über dem verfügbaren Budget. Hinzu kommt: Es wird weniger gebaut, weil sich das Bauen wegen steigender Materialkosten immer seltener rechnet.

Drei Säulen Standard in Hessen für bezahlbaren, nachhaltigen Wohnraum

Kostenbewusst bauen: Durch Flächeneffizienz, einfache Bauweisen, modulare Vorfertigung und effiziente Planung soll Wohnraum schneller und kostengünstiger geschaffen werden. Dazu könnte auch ein neuer Gebäudetyp E beitragen, wie ihn andere Bundesländer schon geschaffen haben.

Verfahren schlank halten: Statt lange, bürokratische Prozesse zu durchlaufen, sollen Vergaben, Bauleitplan-Verfahren ebenso wie Planungswettbewerbe beschleunigt und vereinfacht werden. Eine Evaluation der Fördermittellandschaft könnte bedarfsgerechte Verteilung der Gelder sicherstellen und für schlankere Antragsverfahren sorgen.

Klimafreundlich planen und bauen: Ressourcenschonung, Umnutzung und Weiterbauen des Bestands vor Neubau, Stärkung grüner Infrastruktur und klimagerechte Standards sollen integraler Bestandteil der Bau-Offensive sein. Kammerpräsident Greiner betont: „Wir können heute zugleich bezahlbar und klimafreundlich bauen. Wir müssen uns nur trauen, Prozesse sinnvoll weiterzuentwickeln. Nachhaltigkeit ist kein Kostentreiber, sondern häufig die effizienteste Lösung.“

 

Die Wissenschaftler warnen vor einem „Wohnungsbau-Kollaps“. „Passiert jetzt nichts, dann wird das, was kommt, noch schlimmer, als wir es heute schon erleben. Der Einbruch bei den Baugenehmigungen ist der Vorbote für einen rapiden Absturz bei den Fertigstellungen. Dann haben wir eine ‚Wohnungsnot plus‘ – nämlich plus ‚Neubau-Not‘“, sagte Prof. Dietmar Walberg, auf dem 16. Wohnungsbau-Tag im April diesen Jahres an dem mehrere Verbände aus unterschiedlichen Branchen beteiligt waren.

„Konkret gehe es um den „Gebäude-Typ E“: „Das E steht dabei für einfacheres Bauen – für den Regelstandard ‚Erleichtertes Bauen‘. Aber auch für erfolgreiches Bauen: In Schleswig-Holstein sind damit gerade attraktive Mietwohnungen fertig geworden, bei denen die reinen Baukosten – also ohne Grundstück, Planung, Außenanlage – im Schnitt bei nur 2.230 Euro pro Quadratmeter liegen“, so Prof. Dietmar Walberg. Deutschland müsse anfangen, flächendeckend das Label „gut & günstiger“ an seinen Wohnungsneubau zu kleben.

Es komme deshalb jetzt darauf an, solide zu bauen – mit scharfem Blick auf die Kosten. „Das bedeutet: einfaches Bauen. Orientiert an dem, was gemacht werden muss – am notwendigen Regelstandard. Also keine High-End-Wohnungen mehr – jedenfalls nicht mit Geld vom Staat. Der sollte schleunigst dazu übergehen, nur noch den ‚Gebäude-Typ E‘ zu fördern“, so Prof. Dietmar Walberg. Denn solche Wohnhäuser hätten weniger Extras, seien robuster und damit weniger aufwendig in der Unterhaltung. Vor allem aber seien sie günstiger.

Die Förderprogramme sind zu komplex. Um überhaupt eine Förderung zu bekommen, müssen Mehrkosten in Kauf genommen werden, die am Ende gerade einmal durch die staatlichen Mittel kompensiert werden. Diese Förderpolitik führt nicht dazu, dass die Eigenkapitalsituation privater und institutioneller Investoren verbessert wird. Bauvorschriften und Förderprogramme haben die Vorschriftenflut weiter anschwellen lassen. Außerdem ist es nicht gelungen, die Digitalisierung der Verwaltungsprozesse pragmatisch und unkompliziert voranzubringen, lautete die Schlussfolgerung zum 16. Wohnungsbau-Tag in Berlin.

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 02. Dezember 2025