Am 12.Juli sollte
die
Besetzung der Dondorfschen
Druckerei durch die Polizei
beendet werden. Die
Goethe-Universität, die die
Landesliegenschaft derzeitig
als Besitzerin nutzt, hat
sich nach Prüfung aller ihr
zur Verfügung stehenden
Optionen und deren
rechtlicher Implikationen
und nach mehrfachem Aufruf
zu einem freiwilligen Ende
der Besetzung, welchem das
Kollektiv „Die Druckerei“
nicht nachgekommen war, zu
diesem Schritt entschieden
und eine Strafanzeige sowie
einen Strafantrag gestellt.
Leicht ist der Universität
der Entschluss zur Räumung
nicht gefallen. Wenn die
Universität selbst auch
keinerlei Handhabe für eine
Entscheidung über die
künftige Nutzung der
ehemaligen Druckerei habe,
habe sie sich doch von
Anfang an dafür engagiert,
als Moderatorin die
zuständigen Parteien an
einen Tisch zu bringen, um
einen konstruktiven
Lösungsweg zu gestalten.
„Dennoch haben wir immer
wieder unmissverständlich
klargestellt, dass die
Universität eine Besetzung
nicht dauerhaft wird dulden
können“, so der Präsident
der Goethe-Universität,
Enrico Schleiff. „Wir haben
das Kollektiv mehrmals dazu
aufgerufen, die Besetzung
friedlich zu beenden.“ Dass
das nun anders gekommen sei,
bedauere die Universität
sehr.
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„Tatsächlich
kamen mehrere Gründe zusammen, die
uns dazu bewogen haben, diesen
Schritt zu gehen, den wir gerne
vermieden hätten“, erklärt
Universitätspräsident Schleiff. Die
Universität nutzt das Gebäude
derzeit noch für Teile ihres
Archivs. Dessen Umzug ist bereits
geplant, um die Immobilie spätestens
zum 1. November an das Land zur
Errichtung des Max-Planck-Institut
für empirische Ästhetik übergeben zu
können. Bis zu diesem Zeitpunkt ist
die Universität Besitzerin der
ehemaligen Druckerei, für alle
Prozesse rund um die Immobilie
zuständig, für einen rechtskonformen
Betrieb und die Nutzung der
Liegenschaft verantwortlich. Darüber
hinaus sei die Universitätsleitung
auch rechtlich dazu verpflichtet,
Schaden von der Universität
abzuwenden, der durch eine Duldung
der Besetzung hätte entstehen
können. Darunter fallen u.a.
Personenschäden, so hatten sich
einige Mitglieder der Besetzung
immer wieder illegal auf dem Dach
aufgehalten, was leicht zu Unfällen
hätte führen können. Aber auch
Schäden am Gebäude selbst, so wurden
während des Verlaufs der Besetzung
stetig weitere Räumlichkeiten
gewaltsam geöffnet, oder der
mögliche Verlust von Teilen des
Archivs, welche einen nicht
abschätzbaren immateriellen Schaden
verursacht hätte, zählen hinzu.
Präsident Schleiff stellt darüber
hinaus klar: „Auch die Verantwortung
für den bereits seit langem
geplanten Umzug des Archivs und
Freizug des Gebäudes und ein dafür
notwendiges Betreten durch
Drittfirmen während einer laufenden
Besetzung kann von der
Universitätsleitung nicht übernommen
werden.“
Für eine
der zentralen Forderungen
des Kollektivs, Freiräume
für kulturelle und
künstlerische Initiativen zu
erhalten, zeigt die
Universität durchaus
Verständnis, akzeptiert
jedoch nicht, dass dieser
Bedarf ausschließlich an das
Gebäude der ehemaligen
Druckerei geknüpft sein
soll. Das Land Hessen habe
dem Max-Planck-Institut für
empirische Ästhetik die
Nutzung der Liegenschaft
fest zugesagt. Der Präsident
betont: „Ich verstehe das
Anliegen des Kollektivs nach
Freiräumen, aber die
Ausgestaltung eines solchen
(sub-)kulturellen Raums in
Frankfurt ist eben die
Aufgabe der Stadt und liegt
nicht in der Hand der
Universität.“
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links:
Rückseite der
Universitätsbibliothek, im
Hintergrund: Bockenheimer Depot, Städtische Bühnen Frankfurt
und
rechts:Gelände der Dondorfschen Druckerei
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„Der
Protest der Besetzer der
Druckerei hat wichtige
Anliegen aufgegriffen, die
auch zum Themenfeld des
Instituts gehören – umso
mehr bedaure ich, dass sie
nicht dazu zu bewegen waren,
das Gelände freiwillig zu
verlassen“, sagt Angela
Dorn, Ministerin für
Wissenschaft und Kunst. „Der
Universität blieb in ihrer
Verantwortung sowohl für
Gebäude und Grundstück, für
die noch im Gebäude
befindlichen Archivalien als
auch für die Menschen, die
sich dort aufhielten, keine
andere Wahl als die Räumung.
Ich danke dem Präsidenten
der Universität, Herrn Prof.
Dr. Schleiff, für sein
besonnenes Vorgehen und
seine wiederholten Versuche,
die Besetzung einvernehmlich
zu beenden. Ich hoffe, dass
von den beteiligten
Initiativen anerkannt wird,
dass die Ansiedlung des
Max-Planck-Instituts mit
seinen Angeboten in
Forschung und Lehre,
öffentlichen Lectures,
Konzerten und
Kunstveranstaltungen ein
wichtiger Baustein für den
von der Stadt Frankfurt
geplanten Kulturcampus ist.“
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KfW-Bank
Zentrale, Frankfurt am Main;
Zeppelinallee gegenüber der Dondorfschen Druckerei
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Die von
den Besetzern angesprochenen
Themen des nachhaltigen
Bauens und vor allem des
Gedenkens an die Geschichte,
welche mit dem Gebäude
verbunden ist, sind auch dem
Max-Planck-Institut und der
Max-Planck-Gesellschaft als
Bauherrin wichtige Anliegen,
so die Universität, Schleiff
weiter: „Das
Max-Planck-Institut hat
bereits angekündigt,
gemeinsam mit interessierten
Anwohner*innen und
Initiativen wie den Freunden
Bockenheims Ideen für eine
angemessene
Erinnerungskultur entwickeln
und realisieren zu wollen.“
Wenn es von den Akteur*innen
gewünscht und als sinnvoll
erachtet wird, sind die
Goethe-Universität und
insbesondere der Präsident
gern bereit, diesen Prozess
moderierend zu unterstützen.
Foto (c)
Kulturexpress, Meldung:
Goethe-Uni Frankfurt