Ein Mann der Kunst (2020) Roman von Kristof Magnusson

 

   

Der Roman beginnt auf der Baustelle in Preungesheim, ein vielsagender Stadtteil in Frankfurt, der jedoch nur die Einleitung zu einem sehr weitreichenden Berufsfeld bildet, dem des Architekten. Von hier bis zur Überschrift "Ein Mann der Kunst" sind einige Schritte mehr nötig. Immerhin, so erfährt die Leserschaft bald, ist der Ich-Erzähler an einer Kunsthochschule im Fach Architektur ausgebildet worden und nicht an einer technischen Universität. Das ist natürlich ein Unterschied, doch um diesen richtig einordnen zu können Bedarf es weiterer Erläuterungen. Die Erkenntnis an sich ist nicht zielführend, um bei der Erstellung eines Bauwerks dienlich zu sein. Andere Kriterien zählen, die Sachverstand benötigen, um vorgegebene Gesetzmäßigkeiten einzuhalten. So bildet die Diskussion mit dem Metallbauer vor Ort die anfängliche Unterstützung im Roman, um zu einer übergreifenden Erzählung zu gelangen. 

 

Inhalt

Ein berühmter Maler, der zurückgezogen auf einer Burg am Rhein lebt, Kunstfreunde, die ihn verehren und ihm ein Museum bauen wollen: eine Begegnung, die die Höhen und Tiefen des Kulturbetriebs ausleuchtet, so heiter, komisch und wahr, wie es selten zu lesen ist.
 

KD Pratz ist ein Künstler der alten Schule, der sich jeglicher Vereinnahmung durch den Kunstbetrieb verweigert hat. Seine Bilder werden hoch gehandelt, er ist weltberühmt, hat sich aber aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Mit der Welt, verlogen wie sie ist, will er nichts zu tun haben, der eigene Nachruhm aber liegt ihm am Herzen, und so sagt er zu, den Förderverein eines Museums zu empfangen, der den geplanten Neubau ausschließlich seinen Werken widmen will.

 

Das erinnert, in gewissen Zügen das Künstlertum betreffend, an den satirischen Roman "Ich und Kaminski" (2003) von Daniel Kehlmann, dessen Thema der Versuch des eitlen und überheblichen Ich-Erzählers, des Kunstkritikers Sebastian Zöllner ist, der mit einer Biographie dem alten blinden Maler Kaminski auf die Sprünge helfen will. Das seltsame Spannungsverhältnis zwischen Kritiker und Künstler bildet hier den Rahmen für eine Satire auf den Kunstbetrieb mit seinen Eitelkeiten und die Darstellung der peinlichen Diskrepanz zwischen Zöllners Selbstüberschätzung und der Realität.

Zurück zu Magnussons Roman, in dem sich Mitglieder des Museums-Fördervereins nicht einer Meinung über die Bedeutung von KD Pratz werden, dennoch fühlen sie sich hoch geehrt, als ihnen ein exklusives Treffen mit dem Maler und ein Besuch auf seiner fast schon legendären Burg am Rhein in Aussicht gestellt wird. Wie die Kunstfreunde bei dieser Begegnung mit ihrem Idol nach und nach die Contenance verlieren, als der Meister ihnen die Unvollkommenheit der Welt und ihre eigene um die Ohren haut, dabei subtil die eigene Größe inszeniert, den Kunstbetrieb niedermacht und gleichzeitig behauptet – davon erzählt Kristof Magnusson mit großer Meisterschaft und leuchtet die Untiefen unseres Kulturbetriebs aus.

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 22. März 2021