Wirtschaft

Erste Coface-Zahlungsstudie für Brasilien

Meldung: Coface

CC0 by Assy/ pixabay, Rio de Janeiro

 

   

Schwache wirtschaftliche Entwicklung wirkt auf Zahlungsverhalten
 

  • 75 Prozent der befragten Unternehmen werden von Kunden um Verlängerung der Zahlungsfrist gebeten

  • Über 55 Prozent der Unternehmen erleben steigende Ausfälle

  • Im Branchendurchschnitt liegen Verzögerungen bei bis zu 30 Tagen. Ausnahmen: Bau und Lebensmittel/ Landwirtschaft mit mehr als 120 Tagen

  • Lieferung auf Zahlungsziel ist gängige Praxis in Brasilien. Fast alle (97 Prozent) Unternehmen gewähren den Lieferantenkredit. Hauptgrund: Wettbewerb
     

Die erste Untersuchung von Coface zum Zahlungsverhalten in Brasilien, an der über 120 Unternehmen teilnahmen, reflektiert die angespannte wirtschaftliche Situation des Landes. Zwar geht Coface davon aus, dass Brasilen die Rezession verlässt, das Wachstum dürfte mit 0,4 Prozent aber sehr schwach bleiben.
 

Rund die Häfte der Unternehmen berichtet von einem verschlechterten Zahlungsverhalten aufgrund finanzieller Probleme der Kunden
 

Fast alle Unternehmen (97 Prozent) in Brasilen räumen ihren Kunden Zahlungsziele ein. Dies beruht primär auf der Wettbewerbssituation. Cash-Flow-Probleme ihrer Abnehmer geben hingegen nur überraschend wenige der befragten Unternehmen an. Die schwache Konjunktur wirft Schatten auf das Zahlungsverhalten. Im Vergleich zu den Vorjahren erlebten die Firmen mehr Ausfälle. 2016 beklagten 46 Prozent der Unternehmen, dass sich das Zahlungsverhalten verschlechtert habe. Für die gleiche Anzahl hat sich nichts verändert, nur acht Prozent berichten von einer Verbesserung. Allerdings überschreiten für die Mehrheit der Unternehmen (79 Prozent) die Überziehungen nicht die 30-Tage-Hürde. Nur 13 Prozent haben ein Risikoexposure von über 5 Prozent. Das heißt: Mehr als 5 Prozent des Umsatzes sind von Zahlungszielüberschreitungen betroffen. Bei rund 40 Prozent liegt diese Quote zwischen 0,5 und 2 Prozent.
 

Wenn Kunden um Zahlungsaufschub nachfragen geben sie nach Angaben von 57 Prozent der Unternehmen als Gründe an: finanzielle Schwierigkeiten, hohe Kündigungsquoten im eigenen Kundenportfolio sowie Probleme im Kundenmanagement. Darüber hinaus sehen 81 Prozent der Unternehmen die wirtschaftliche Rezession als Hauptgrund für Probleme ihrer Kunden. Auch die politische Instabilität dürfte sich kurzfristig kaum verbessern. Seit Bekanntwerden der „Car Wash“-Affäre im März 2014 hat der EPU-Index bis Ende Dezember 2016 um 247 Punkte zugelegt (siehe Grafik unten).

Brasilien – EPU-Index

Was tun Unternehmen beim Zahlungsverzug

 

Mehr als drei Viertel (78 Prozent) der Unternehmen setzen im Falle von Zahlungsproblemen auf kooperative Gespräche mit dem Kunden. Dabei ist es auch schwierig, Ansprüche durchzusetzen. Nach Zahlen des „Doing Business Index“ von 2017 dauert es im Schnitt 731 Tage und kostet 20,7 Prozent der Forderung. Im Durschnitt für ganz Lateinamerika dauert es 749 Tage und kostet 31.3 Prozent des Forderungswertes.
 

Seit einigen Jahren nehmen Insolvenzverfahren nach Chapter XI in Brasilen stetig zu und betreffen Unternehmen aller Größen und Branchen. So geben auch 58 Prozent der von Coface befragten Unternehmen an, das sich die Zahl ihrer Kunden, die Chapter XI anwenden, erhöht hat. Schon 2015 gab es einen Höhepunkt mit plus 55 Prozent im Vergleich zu 2014, 2016 stieg die Zahl noch einmal um 45 Prozent. Allerdings stellte die Hälfte der Unternehmen, die mehr Chapter XI-Fälle in ihrem Kundenkreis haben, keine wesentlichen Veränderungen in deren Verhalten fest.
 

Zahlungsverzögerungen in allen Branchen
 

Über alle Branchen betrachtet, erleiden 75 Prozent der Unternehmen in Brasilien Zahlungsverzögerungen. Aus den Sektoren Informations- und Kommunikationstechnologie und Bau berichten sogar alle (100 Prozent) der befragten Unternehmen von Zahlungsproblemen ihrer Kunden. Am geringsten betroffen ist mit 36,8 Prozent der Einzelhandel.
 

Das Zahlungsziel wird durchschnittlich um bis zu 30 Tage überschritten. Einzige Branchen mit deutlich längeren Überziehungen sind der Bau und Landwirtschaft/Lebensmittel. Dort warten Lieferanten über 121 Tage nach Fälligkeit. Bemerkenswert ist, dass kein Unternehmen in der Befragung angab, länger als 150 Tage warten zu müssen.

 

www.coface.de

 

 

Kulturexpress ISSN 1862-1996

vom 28. August 2017