Die Bilateralen Verträge I sind für Schweizer
Unternehmen für den langfristigen Unternehmenserfolg absolut
zentral. Dies geht aus einer erstmals durchgeführten Umfrage von
UBS hervor. Knapp zwei Drittel sprechen sich für eine
Weiterentwicklung der Bilateralen Verträge basierend auf einem
Rahmenabkommen aus, obwohl sich die Mehrheit der Firmen eher
skeptisch zum Zusammenhalt der EU äußert.
Großbritannien hat Ende März sein Austrittsgesuch in Brüssel
deponiert, mit Donald Trump als US-Präsident erlebt der
Protektionismus ein Comeback. In dieser außenwirtschaftlich
herausfordernden Zeit sind stabile Handelsbeziehungen zur
Europäischen Union (EU) von besonderer Bedeutung für die
Schweiz. Allerdings nagen die starke Skepsis der Schweizer
Bevölkerung gegenüber der Personenfreizügigkeit sowie das
Beharren der EU auf einem institutionellen Rahmen für die
Fortführung des „bilateralen Wegs“ an dieser Stabilität. Die
Beziehungen zur EU dürften in den nächsten Jahren auf einem
unsicheren Fundament stehen.
Wegfall der Bilateralen Verträge I hätte negative
Auswirkungen
Im Rahmen einer erstmals durchgeführten Umfrage haben die
Ökonomen von UBS 2500 Unternehmer oder Personen in leitender
Unternehmensfunktion zu den Beziehungen zwischen der EU und der
Schweiz befragt. Allgemein beurteilen die angesprochenen Firmen
den Zusammenhalt der EU skeptisch und zwei Drittel der
Umfrageteilnehmer rechnet gar mit weiteren Austritten aus der
Staatengemeinschaft. Zudem dürfte die EU ohne Großbritannien
leicht an wirtschaftlicher Bedeutung verlieren.
Trotzdem erachtet aber die Mehrheit der befragten Personen die
Bilateralen Verträge I für den Erfolg ihres Unternehmens als
wichtig. "Die Resultate zeigen, dass ein Wegfall der Bilateralen
Verträge negative Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit einer
Vielzahl von Unternehmen hätte", betonte Martin Blessing,
President UBS Switzerland, anlässlich einer Medienveranstaltung
in Zürich. Die Bedeutung der Bilateralen Verträge I steigt zudem
mit zunehmender Größe und auch mit zunehmender
Auslandsabhängigkeit der Unternehmen. Befragt nach dem Nutzen
der einzelnen Abkommen aus den Bilateralen Verträgen I schwingt
das Personenfreizügigkeitsabkommen obenauf.
Bei der Frage, wie die zukünftigen Beziehungen zwischen der EU
und der Schweiz ausgestaltet werden sollen, votieren nur 8
Prozent der befragten Unternehmen für eine Kündigung der
bilateralen Verträge, 27 Prozent sind für die Beibehaltung des
Vertragswerkes. 65 Prozent der Umfrageteilnehmer sprechen sich
gar für eine Weiterentwicklung der Bilateralen Verträge
basierend auf einem institutionellen Rahmenabkommen mit der EU
aus.
Schweizer Wirtschaft dürfte in 2017 um 1,4
Prozent wachsen
Trotz des massiv überbewerteten Schweizer Frankens wuchs die
Schweizer Wirtschaft im letzten Jahr um 1,3 Prozent. UBS rechnet
in diesem Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP)
von 1,4 Prozent. Das Wirtschaftswachstum wird sich damit zwar
nicht nennenswert beschleunigen, ist aber breiter abgestützt.
Eine Mehrheit der Schweizer Unternehmen hat sich inzwischen an
die neuen Wechselkursrealitäten angepasst. Dank dem breiter
abgestützten Wachstum dürfte die Arbeitslosenrate im
Jahresverlauf leicht sinken. Die Teuerung wird dieses Jahr vor
allem durch die Erholung der Erdölpreise angekurbelt. Zusätzlich
lässt auch der deflationäre Effekt des starken Frankens nach.
Die Schweizer Inflation dürfte in diesem Jahr auf 0,4 Prozent
steigen.
Politische Risiken bedrohen den optimistischen
Ausblick
An erster Stelle liegen die anstehenden Präsidentschaftswahlen
in Frankreich. Sollte die rechtskonservative Marine Le Pen
gewählt werden, könnte das zu einer erneuten Eurokrise führen.
Die Sorgen, dass Marine Le Pen die französischen Wahlen gewinnen
könnte, führte in den vergangenen Monaten bereits zu einem
erhöhten Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken. Doch der
Schweizerischen Nationalbank (SNB) gelang es im Februar und
März, mit Deviseninterventionen eine starke Frankenaufwertung zu
verhindern. Bis zur zweiten Runde der französischen Wahlen
dürfte der Aufwertungsdruck auf den Franken bestehen bleiben.
Die SNB wird weiterhin auf den Währungsmärkten intervenieren, um
einen zu starken Franken zu bekämpfen.
Eine erste Zinserhöhung durch die SNB von aktuell -0,75 auf
-0,50 Prozent sieht Daniel Kalt, UBS Chefökonom Schweiz, erst im
Juni 2018. Erst nachdem die Europäische Zentralbank ihr
Anleihekaufprogramm stark reduziert und der Druck auf den
Franken nachlässt, dürfte sich der SNB die Gelegenheit für eine
Zinserhöhung bieten.
UBS Wirtschaftsprognosen Schweiz

Bei der Erstellung der UBS CIO WM
Konjunkturprognosen haben die Ökonomen von UBS CIO WM mit bei
UBS Investment Research beschäftigten Ökonomen
zusammengearbeitet. Die Prognosen und Einschätzungen sind nur
zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation aktuell und
können sich jederzeit ändern.
UBS Outlook Schweiz: www.ubs.com/outlook-ch-de
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