Das echte Leben boomt: Wie regionale Freizeit- und Kulturangebote wieder an Bedeutung gewinnen

3.744 Stunden verbringen die Deutschen pro Jahr online. Das entspricht der gesamten Lebensspanne eines Labord-Chamäleons auf Madagaskar. Während dieses in den fünf Monaten seines Daseins ein erfülltes Leben führt, macht uns die Zeit an Handy, Tablet und Co. meist nicht glücklich. Im Gegenteil – sogenanntes Doomscrolling, das insbesondere in Krisenzeiten praktiziert wird, erzeugt laut Studien Stress und fördert sowohl Ängste als auch Misstrauen gegenüber den Mitmenschen.

 

 

 

Foto (c) Kulturexpress

Statt sich diesen negativen Folgen auszusetzen, entscheiden sich immer mehr Menschen gegen eine ständige Onlinepräsenz. Sie suchen gezielt den Kontakt zu anderen, etwa bei Freizeit- und Kulturveranstaltungen. Dadurch erhalten insbesondere regionale Events immer mehr Zulauf.

Regionale Angebote als Sinnbild des gesellschaftlichen Zusammenhalts

Stadtfest, Vereinsjubiläum oder Sportturnier standen früher oft als lästiges Pflichtprogramm im Kalender. Vielen fehlte die rechte Lust, solche Veranstaltungen zu besuchen. Ganz anders sieht es heute aus. Besonders regionale Events werden mehr und mehr als Zeichen des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der lokalen Identität verstanden.

Denn genau die Dinge sind es, die in einer digitalisierten und vernetzten, dadurch jedoch immer unpersönlicheren Welt fehlen. Schließlich kann das Surfen im Internet weder echte Kontakte, noch reale Erlebnisse ersetzen.

Insbesondere das Scrollen auf Social Media – also auf Plattformen, die eigentlich für das Miteinander geschaffen wurden – kann zur emotionalen Vereinsamung führen. So fühlen sich europaweit besonders diejenigen einsam, die sich mehrere Stunden täglich im Internet aufhalten. In Deutschland etwa gab in einer Studie aus dem Jahr 2024 jeder zweite junge Mensch an, sich moderat oder stark einsam zu fühlen.

Doch natürlich ist die zunehmende Vereinsamung kein alleiniges Problem der jüngeren Generation. Auch in den älteren Jahrgängen steigt die Zahl derer, die sich manchmal oder gar häufig einsam fühlen.

Daher verwundert es nicht, dass die Gesellschaft vermehrt nach echten Erfahrungen mit anderen Menschen hungert. Der Wunsch, Erlebnisse zu teilen, lässt sich auf regionalen Veranstaltungen besonders schnell und einfach realisieren.

Wer Freizeitangebote in der Region entdecken möchte, ist dabei längst nicht mehr auf Artikel in der Tageszeitung angewiesen. Stattdessen geben Online-Plattformen einen Überblick über alle Events, die in der Nähe des eigenen Wohnorts stattfinden.

Das soziale Miteinander als neues Statussymbol

 

   

Lange Zeit war der soziale Status an materiellen Besitz gekoppelt. Das Haus, das Auto oder die teure Uhr – Eigentum wurde meist als wertvoller erachtet als Erfahrung. Insbesondere bei jungen Erwachsenen aus westlichen Gesellschaften haben sich diese Wertvorstellungen jedoch auffällig verschoben.

Das belegen Umfragen eines US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens aus dem Jahr 2025. Rund 2.000 Männer und Frauen zwischen 18 und 34 Jahren wurden gefragt, wofür sie am liebsten ihr Geld ausgeben würden. Drei von vier Befragten gaben an, ihr Erspartes lieber in reale Erlebnisse statt in materielle Dinge investieren zu wollen.

Noch ein Zusammenhang wurde in der Umfrage deutlich: Je mehr die Teilnehmer verdienten, desto größer war ihr Wunsch nach dem Erlebbaren.

Gesellschaftsforscher erklären sich diesen Trend so:

Das Arbeits- und Sozialleben vieler Menschen findet inzwischen zu großen Teilen online statt. Dadurch wird es immer müheloser, materielle Begehrlichkeiten zu stillen. Beim Onlineshopping etwa ist der nächste Konsumkick nur einen Klick entfernt. Dagegen werden handfeste Erlebnisse in einer digitalisierten Welt seltener und damit wertvoller.

Doch es sind nicht die Abenteuer an sich, die einen immer größeren Reiz ausstrahlen. Vielmehr verspüren viele Menschen den Wunsch, ihr Erlebtes mit Gleichgesinnten zu teilen. Nicht im Internet, sondern von Angesicht zu Angesicht. Dadurch erleben regionale Events einen immer größeren Zulauf. Unabhängig davon, ob es sich um ein Konzert, eine Kirmes oder eine Vorlesung handelt.

Der Erlebniswunsch als Teil der gesellschaftlichen Selbstverwirklichung

Der Begriff „Erlebnisgesellschaft“ wurde 1992 vom deutschen Soziologen Gerhard Schulze geprägt und war zunächst alles andere als positiv gemeint. Ganz im Gegenteil, Schulze verurteilte den Erlebnishunger gar als blanken Egoismus.

Dabei zeigt sich heute, dass bei gemeinsamen Erlebnissen eben nicht das „Ich“ im Mittelpunkt steht. Stattdessen sehnen sich Menschen unabhängig ihres Alters und ihrer sozialen Schicht nach Kontakten. Ein Grund für dieses Bedürfnis nach dem Erlebbaren sind möglicherweise fehlende Eindrücke im Arbeits- und Sozialleben.

Bevor die Digitalisierung in vielen Branchen Einzug hielt, war vor allem die Arbeitswelt von einem ständigen Miteinander geprägt. Ob im Büro oder auf der Baustelle – der Gesellschaft anderer Menschen war kaum zu entkommen. Der Rückzug ins Private ergab sich als natürliche Folge.

 

   

Doch auch das Privatleben der meisten Menschen war oft abenteuerlicher als gewünscht. Schließlich war es bis vor wenigen Jahrzehnten nicht unüblich, dass Ehepaare drei, vier oder mehr Kinder bekamen. In solchen Großfamilien gab es soziale Erlebnisse in Hülle und Fülle.

Heute sieht es sowohl am Arbeitsplatz als auch zu Hause anders aus – zumindest bei den meisten Bundesbürgern.

In zahlreichen Branchen gestalten smarte Tools die Arbeitsprozesse immer effizienter. Die Digitalisierung und daraus resultierende Automatisierungen machen zwischenmenschliche Kontakte im Büro zunehmend unnötiger.

Auch die Großfamilie entwickelte sich vom Standard zur Rarität. 2024 lag die durchschnittliche Geburtenrate in Deutschland bei 1,35 Kinder pro Frau.

Mehrgenerationenhaushalte sind ebenfalls selten geworden. Laut dem Statistischen Bundesamt lebten bereits 2016 nur in rund 209.000 Haushalten drei Generationen oder mehr unter einem Dach. Diese Zahl ging in den folgenden Jahren immer weiter zurück.

Dagegen nimmt die Anzahl der Singlehaushalte zu. 17 Millionen Menschen lebten im Jahr 2025 allein. Tendenziell nehmen also die sozialen Kontakte jedes einzelnen ab. Regionale Events sind daher ein willkommener Anlass der gemeinsamen Interaktion. Sie laden dazu ein, ins Gespräch zu kommen und schöne Erfahrungen zu teilen.

Das Internet als Unterstützer des sozialen Miteinanders

Zwar gelten die sozialen Medien als Quelle von Stress, Frust und zunehmender Vereinsamung. Dennoch steht das Internet dem Wunsch nach mehr sozialem Miteinander nicht grundsätzlich entgegen. Im Gegenteil – schließlich wurde es erfunden, um Menschen miteinander zu vernetzen.

Doch wie kann es gelingen, die Online-Zeit als Bereicherung statt als Belastung zu nutzen? Eine Möglichkeit besteht darin, Inhalte im Internet nicht länger als Hauptakteur der Unterhaltung anzusehen, sondern vielmehr als Vermittler zu verstehen.

So können etwa Plattformen dabei helfen, die Neuigkeiten aus der eigenen Region im Auge zu behalten. Mit ihrer Hilfe lassen sich nicht nur Veranstaltungen im Kalender vormerken. Die Eindrücke aus den Events können auch online geteilt werden. Das schafft noch einmal ein Wir-Gefühl, das die lokale Identität stärkt und die Menschen zusammenschweißt.

Insbesondere sind natürlich die sozialen Medien dazu gedacht, das Erlebte vor allem visuell zu teilen. Die Selbstspiegelung in Form von Erlebnis-Postings wirkt dabei wie eine Art Resonanzkörper. Sie verstärkt die eigenen Emotionen und kann einen angenehmen Nachhall des Erlebten erzeugen. Dieser wird umso stärker, wenn andere User positiv auf Fotos, Videos und Co. reagieren.

Doch noch wichtiger als virtuelle hochgereckte Daumen, Herzen oder bewundernde Kommentare sind natürlich die schönen Erinnerungen, die jeder Blick auf die Erlebnis-Postings wieder hervorrufen kann.

Meldung: Pixelrein GmbH & Co. KG,  Bonn

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 14. Februar 2026