Eröffnung des Grünen Bunkers" in St. Pauli

 

 

 

Bunker Cam

Die lang erwartete Eröffnung des Feldstraßenbunkers am Heiligengeistfeld in St. Pauli steht bevor. Bekannt als Grüner Bunker", wird dieses beeindruckende Projekt ab dem 5. Juli 2024 für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Dieser Termin markiert die Fertigstellung eines ambitionierten Vorhabens, das nicht nur architektonisch beeindruckt, sondern auch einen bedeutenden Beitrag zum urbanen Klimaschutz leistet. Kebony, bekannt für seine nachhaltigen Holzprodukte, hat im Rahmen des Podcasts Zukunft Holz mit Bernhard von Ehren gesprochen. Die Baumschule Lorenz von Ehren hat maßgeblich zur Bepflanzung des Bunkers beigetragen. In dem Podcast erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Bernhard von Ehren, welche Stadtbäume der Zukunft besonders geeignet sind und wie der Ahorn seinen Weg in den Himmel von St. Pauli gefunden hat.

Ein nachhaltiges Konzept für die Stadt

 

 

Der Grüne Bunker" bietet mehr als nur eine spektakuläre Aussicht über Hamburg. Die umfangreiche Begrünung des ehemaligen Flakbunkers dient als natürliche Klimaanlage und setzt ein starkes Zeichen für die ökologische Umgestaltung urbaner Räume. Der Dachgarten und die begrünten Fassadenflächen tragen zur Verbesserung der Luftqualität bei, reduzieren die Hitzeentwicklung und bieten neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere in der Stadt.

 

Der Bunker wurde um fünf Etagen erhöht und umfasst nun ein Hotel mit 134 Zimmern, verschiedene gastronomische Einrichtungen, eine Sport- und Konzerthalle sowie einen Gedenk- und Informationsort zur Geschichte des Bunkers. Ein besonderes Highlight ist der Bergpfad, der Besucher über Rampen und Treppen auf das Dach führt, wo sie einen 1.400 Quadratmeter großen Garten mit etwa 4.700 Pflanzen vorfinden werden.
 

 

Als einer der beiden sogenannten Flaktürme in Hamburg reicht die Geschichte des Bunker St. Pauli zurück bis in die Zeit des Nationalsozialismus. Quellen belegen, dass bei den Bombardements auf die Stadt Hamburg zeitweise bis zu 25.000 Menschen im Bunker Schutz fanden. Der Verein Hilldegarden hat im Rahmen eines breit angesetzten Beteiligungsprojektes u.a. die „Arbeitsgruppe Gedenkstätte“ gegründet. Zusätzliche Informationen finden Sie auch auf der Seite des Hilldegarden e.V..

 

Wissenschaftlich begleitetes Pionierprojekt

 

Die Dach- und Fassadenbegrünung des Bunkers wird von Wissenschaftlern genau überwacht. Rund 80 Sensoren erfassen vielfältige Klimadaten, die helfen sollen, die Effekte der Begrünung auf das Gebäude und das umliegende Mikroklima zu dokumentieren. Diese Daten werden wertvolle Erkenntnisse für zukünftige urbane Begrünungsprojekte weltweit liefern.

 

Marco Schmidt von der TU Berlin betont die Vorbildfunktion des Projekts: „Der Bunker St. Pauli wird ein Vorbild und wissenschaftliches Demonstrationsprojekt für die Klimaanpassung von Großstädten weltweit.“ Diese Begrünungsmaßnahmen sind besonders wichtig, um Hitzewellen, Dürren und Luftverschmutzung in dicht besiedelten Metropolen zu bekämpfen.

 

 

Ein Vorbild für die Welt

 

Mit einer Investition von rund 60 Millionen Euro ist der "Grüne Bunker" ein leuchtendes Beispiel dafür, wie historische Strukturen nachhaltig und zukunftsorientiert umgestaltet werden können. Er zeigt, dass der Schutz unseres Klimas und die Schaffung lebenswerter urbaner Räume Hand in Hand gehen können.

 

Besuchen Sie den Grünen Bunker" ab dem 5. Juli 2024 und erleben Sie selbst, wie eine historische Landmarke zur grünen Lunge von St. Pauli wird. Weitere Informationen und Eindrücke finden Sie in unserem ausführlichen Podcast mit Bernhard von Ehren. Hören Sie jetzt reinPodcast anhören.

 

Meldung: Kebony, 28844 Weyhe

 

Bunker St. Pauli | Grüner Bunker in der Feldstraße Hamburg (bunker-stpauli.de)

 

Hamburgs neues Wahrzeichen

 

 

 

Animation

Es ist ein landschaftsarchitektonisches Pionierprojekt mitten in Hamburg – und künftiges Vorbild für die Klimaanpassung von internationalen Millionenmetropolen. Wissenschaftler begleiten die imposante Begrünung des Bunker St. Pauli. Mit Sensoren erheben sie begehrte Daten zu Wärmedämmung und Kühleffekten. Seit dem 5. Juli ist das grüne Leuchtturmprojekt für die Allgemeinheit kostenlos geöffnet.

In den vergangenen fünf Jahren wurde der Bunker St. Pauli, einer der größten Hochbunker Deutschlands, um fünf pyramidenartige Geschosse erweitert und mit 4.700 Bäumen, Gehölzen und Sträuchern, 16.000 Stauden sowie vielen Kletterpflanzen bepflanzt. Es sind sorgfältig ausgewählte Pflanzenarten, die vor allem im nordeuropäischen und alpinen Raum beheimatet sind und Frost, Hitze und Sturm in mehr als 50 Meter Höhe aushalten, so Frank Schulze, Sprecher des Bauherrn Matzen Immobilien. „Ein englischer Garten würde nicht zu St. Pauli passen. Also wird es hier auf dem Bunkerdach natürlich und urwüchsig aussehen, ein wenig wild, ein bisschen zerzaust.“ Zu den Pflanzen zählen u.a. Obstbäume, Strauch-Waldkiefern, Felsenbirnen, Zoeschner Ahorn, Lorbeer-Kirsche, Stechpalme, Feldahorn, Efeu und Rosenstöcke. Die größeren Gehölze werden zusätzlich unterirdisch verankert, um sie gegen Windstoß zu sichern, ein Landschaftsgärtnerteam mit Industriekletterern wird regelmäßig für die Pflege des Stadtgartens im Einsatz sein. Ein nachhaltiges temperaturgesteuertes Be- und Entwässerungskonzept reduziert die Regenwassermengen, die normalerweise dem öffentlichen Siel zufließen würden, um gut 75 Prozent.

Der grüne Bunker gilt als neues spektakuläres Highlight im Hamburger Stadtbild: ein öffentlich frei zugänglicher Dachgarten in 58 Meter Höhe, mit insgesamt mehr als 10.000 Quadratmeter Grün-, Fassaden- und Gemeinschaftsflächen. Zudem gibt es Räume für Stadtteilkultur, Ausstellungsflächen, Urban-Gardening-Möglichkeiten, Unterkünfte für Stipendiaten und Künstler, eine moderne Dreifeldhalle für Schulsport und Kulturveranstaltungen sowie ein „Reverb by Hard Rock“-Hotel mit 134 Zimmern. Und: Zum ersten Mal erhält der historische Ort einen Erinnerungs- und Informationsort. Im ehemaligen Leitstand und an anderen Stellen im Bestandsbau erinnert die Nachbarschaftsinitiative Hilldegarden e.V. an die Opfer des NS-Regimes und des Zweiten Weltkriegs. Das außergewöhnliche Projekt vereint ökologische, kulturelle und historische Aspekte. Panoramablick auf Elbphilharmonie, Michel und Hafen inklusive.

Angesichts der Konzepts fühlen sich Architekturkritiker an die „Hängenden Gärten der Semiramis“ erinnert, die „Seite Drei“ der „Süddeutschen Zeitung“ lobt den „Mut“ und die unternehmerische „Kühnheit“ des Vorhabens und sieht das Projekt im „Reigen spektakulär begrünter Bauwerke“ auf einem „Spitzenplatz unter den weltweiten Attraktionen“.

Das Interesse daran ist weltweit groß. Landschaftsarchitekten sehen im grünen Bunker St. Pauli ein wichtiges Leuchtturmprojekt für die ökologischen Herausforderungen, denen sich besonders auch Großstädte jetzt stellen müssen. Denn Hitzewellen, Dürren, Starkregen und Luftverschmutzung betreffen besonders auch internationale Millionenmetropolen. Eine der drängendsten Fragen, die auch der aktuelle UN-Klimabericht 2022 erstmals in einem eigenen Kapitel aufgreift: Wie kann die Erhitzung der Großstädte gestoppt werden? Um die Effekte einer Begrünung exakt zu belegen, sind in Kooperation mit Wissenschaftlern der TU Berlin im gesamten Bunker Sensoren installiert, die fünf Jahre lang Daten zu Verdunstungskälte und Wärmedämmung erfassen. Die Erkenntnisse über die Wirkung der Pflanzen auf das Gebäude werden ausgewertet und können künftig ähnlichen Vorhaben zur Verfügung gestellt werden.

Die Realisation dieses faszinierenden Traums erfolgt von Beginn an in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz und bedeutet auch für die verantwortlichen Bauexperten des Planungs- und Ingenieursbüros phase 10 eine konzeptionelle Herausforderung: Die imposante Tragkonstruktion wiegt insgesamt etwa 33.500 Tonnen – was dem Gewicht von 60 vollbeladenen Airbus A380 entspricht. Der Lastabtrag der Aufstockung erfolgt ausschließlich über 16 massive „Geilinger Stützen“ auf den bis zu 4,5 m dicken Bunkeraußenwänden.

Ein bepflanzter, fünf Meter breiter „Bergpfad“ führt Besucher nach oben. Der fast 600 Meter lange Weg beginnt ebenerdig beim heutigen Haupteingang am der Nordseite und führt an den Bunker-Außenfassaden entlang hoch zum Dachgarten. Mit den verschiedenen Perspektiven in alle Himmelsrichtungen beginnt das eindrucksvolle Erlebnis zum Dach des grünen Bunkers. Gehalten wird der Pfad von 24 Stahltragarmen; jeder wiegt etwa 5,5 Tonnen und wird mit mehreren, jeweils zwei bis drei Metern langen Gewindestangen in der Außenfassade befestigt. Das Bodenfundament des späteren Weges bilden etwa 20 cm hohe Spannbetonplatten mit einem zusätzlichen 24 cm hohen Aufbau. Darauf wird das Substrat für die Begrünung aufgebracht. Ein barrierefreier Zugang zum Stadtgarten ist über die neu errichteten Außenfahrstühle möglich.

Die Pläne für diese weltweit einzigartige Aufstockung sind in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Das liegt auch an den Ausmaßen des früheren Flakturms IV: mit rund 75 mal 75 Meter die Grundfläche ist der Weltkriegsbau ein Monolith. 1942 wurde er in etwa 300 Tagen unter Einsatz von Zwangsarbeitern erbaut. Der graue Koloss sollte zunächst vor allem der Flugabwehr dienen, zudem nutzte das NS-Regime die fast ikonische Festung als Propaganda-Instrument. Während des Zweiten Weltkrieges fanden Zehntausende Hamburger Schutz vor alliierten Luftangriffen. Bereits in den Nachkriegsjahren siedelten sich erste Medienmacher wie Axel Cäsar Springer in dem Bunker St. Pauli an. Im Dezember 1952 sendete der NDR, damals noch NWDR, die erste „Tagesschau“ vom Heiligengeistfeld. Was kaum einer weiß: Auch die erste TV-Ausstrahlung der legendären „Augsburger Puppenkiste“ wurde 1953 von hier live gesendet. 1975 gründete der Hamburger Modefotograf F.C. Gundlach im Bunker die weltweit renommierte Firma PPS. „Selbst in Amerika war der Bunker als Künstlertreff bekannt“, sagte die Fotografenlegende einmal. Seit den 90er Jahren besitzt Matzen Immobilien das Erbpachtrecht für den Bunker und hat den heutigen Mietermix von Unternehmen aus Medien, Kultur und Kreativwirtschaft geschaffen. Sie werden hier auch nach der Aufstockung unverändert ihre Heimat haben.

Die Verwirklichung der landschaftsarchitektonischen Vision einer bepflanzten Aufstockung gilt als Paradebeispiel gelungener Bürgerpartizipation. „Das Projekt ist großartig, weil es als spektakuläre Begrünungsaktion einen tollen Kontrast in der Stadtarchitektur darstellt“, sagte der frühere Alleinvorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg, Börries von Notz. Seit der ersten Idee einer Nachbarschaftsinitiative, 2014, arbeiten Anwohner, Architekten und der Bauherr an Realisierung eines grünen Bunkers. Jeder war zur Beteiligung eingeladen, in öffentlichen Veranstaltungen wurde informiert und Machbarkeiten diskutiert. Ziel war u.a. die Schaffung öffentlicher Flächen, Raum für umweltbewusste Modellprojekte und der ökologische Nutzen, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. An der Umsetzung ist neben dem Bauherrn Matzen Immobilien KG eine Vielzahl weiterer Hamburger Unternehmen mit einbezogen, für die der Bunker St. Pauli in der eigenen Heimatstadt Herzenssache ist. Dazu zählen u.a. das Landschaftsarchitekturbüro L+, die traditionsreiche Baumschule Lorenz von Ehren, der Landschaftsgärtner Hildebrandt, der Hotelbetreiber RIMC und viele weitere norddeutsche Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe. Nicht zu vergessen der Hallenbetreiber Wolf von Waldenfels, Macher des renommierten und mehrfach für sein Programm ausgezeichneten Szene-Clubs „Uebel & Gefährlich“. Insgesamt arbeiten etwa 180 Menschen und 25 Gewerke für die Vision des „grünen Bunkers“.

Die vom Bauherrn Matzen Immobilien KG privat finanzierten Kosten betragen etwa 100 Millionen Euro. Auch die Kosten für die Pflege des öffentlichen Stadtgartens trägt der Bauherr.

 

Foto u. Meldung (c) Frank Schulze Kommunikation, Hamburg

 

Siehe auch: Baubeginn für Hamburgs längsten „Bergpfad“

 

 

 

   

 

 

   

Kulturexpress ISSN 1862-1996

 vom 09. Juli 2024