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In
dem
Basler Verlag ist eben erst ein Bildband mit Werken des Basler
Künstlers Peter Baer erschienen. Herausgegeben von Andreas Kistler
heißt es im Vorwort über das bisherige Lebenswerk des Zeichners und
Malers, daß dieser immer noch voller Tatendrank tätig ist, um leere
Leinwände mit Farbe zu füllen. Kistler beschreibt den Künsler als
"Solitär" innerhalb der Schweizer und Basler Kunstszene, wenn es
denn eine ausgeprägte Kunstszene wie in Zürich auch in Basel geben
sollte. Darunter leidet die Stadt im Dreiländereck, daß die Zürcher
Szene in der Schweiz bevorzugt genannt wird, weil das Leben, die
Taktung der Menschen viel nervöser ist und die Stadt damit über viel
mehr Flair verfügt. Was natürlich ein Trugschluß ist, aber in
gewissen Teilen auch national gewollt scheint, vielleicht weil Basel
eine Grenzstadt ist und Einflüsse von außen zuviel Einfluß nehmen
könnten. Ich schätze die Stadt Basel sehr.
"Solitär" nennt
sich ein Kartenspiel im Windows Betriebssystem, ist aber
hauptsächlich ein Lehnbegriff, der in der Architektur häufig
Erwähnung findet und soviel bedeutet wie: allein stehendes Haus. In
der Stadt finden sich Solitäre recht selten, weil der Platz einfach
viel zu eng bebaut ist, als daß Raum dafür bliebe. Einzeln stehen
höchstens Hochhäuser einmal, weil diese viel Platz um sich herum
benötigen. Solitär in der Stadt zu sein, bleibt
deshalb im allgemeinen ein schwieriges Unterfangen.
In Bezug auf das Oeuvre Peter Baers
wiederum erweist sich das Solitär als impulsive Kraft voll
expressiver Momente. Wuchtig und gegenläufig wie ein Brandungsstoß.
Bisweilen aufgekratzte Malerei, dann wieder feingliedrig fast
spinnenhaft langgezogene Figuren, die lange Schatten werfen.
Monochrome Tafeln, sparsam im Farbumgang gezeichnet. Die großen
Formate sind ebenso wie kleinformatiges vorhanden. 216 Seiten im
Format 24 x 29,8 cm mit viel abgebildeter Malerei über die der Band
verfügt.
Die vielen
Portraits verdienen eigene Erwähnung, weil der
Künstler sich intensiv mit Portraitmalerei beschäftigt, wobei nicht
die naturalistische Wiedergabe im Vordergrund steht, sondern der
expressive Ausdruck über das Bild entscheidet, welches gerade gemalt
worden ist. Peter Baer ist Schweizer Maler, der über die Grenzen
hinaus nach Deutschland bisher nur selten Fuß gefaßt hat, obwohl
interessant wäre, wie seine Malerei in der Kunst aufgefaßt wird.
Die "Neuen Wilden" gehören bald der
Vergangenheit an. Welcher Stil im Moment bestimmend ist, schwer zu
sagen? Pure Malerei wenigstens, in wirtschaftlich knappen Zeiten,
kann nicht ohne weiteres gefragt sein. Die "Art Frankfurt" wurde
nicht zuletzt aus Konkurrenz zu "Art Basel" und "Art
Cologne" und der Kunstmesse in Sao Paulo schon vor Jahren aus
finanziellen Gründen ausgemustert. Ersatz wurde bisher nicht
geschaffen. Stattdessen gibt es die Creativeworld, die sich neben
Paper- und Christmasworld umfassend mit dem heimischen Bastler- und
Künstlerbedarf beschäftigt. Auf welchem Niveau ist natürlich sehr
fraglich. Zunächst ist das eine Order- und Fachmesse für
fachbezogenes Publikum.
Der Kunstmarkt muß sich erholen, bevor
Kunstinteressierte wieder tiefer in Tasche greifen. Bevor dieser
Kreislauf wieder funktioniert, müssen erst die mediterranen
Südländer auf Vordermann gebracht werden, von dort kommen die
malerischen Energien. Doch es droht der Zusammenbruch. Was die
Schweizer selbst zunächst nicht betreffen mag, aber Deutschland
nördlich der Alpen befindet sich in einer Abhängigkeit und sollte
nicht in den Strudel der Finanzlöcher mit hinab gesogen werden.
Deshalb ist erst einmal Abstinenz angesagt gegenüber künstlerischen
Mitteln. Doch das muß sich bald wieder ändern, sonst gehen
die Künstler wie Topfpflanzen ein. Das wäre doch schade!
In Verbindung
mit
der Veröffentlichung stand die Ausstellung
"Im Schatten des Widders" vom 24. September bis 16. Oktober 2011,
im
Projektraum 54 in Basel
einschließlich Performance: Björnchens Epilog sowie
Buchvernissage. Die Einführung hielt Guido Magnaguagno,
der auch einer der Beitragsgeber im Buch über Peter Baer ist. Die
Performance wurde als filmisches Dokument aufgezeichnet. |