Malerei kann eine Beschäftigung für das ganze Leben sein


Peter Baer
(2011) ein farbiger Bildband herausgegeben von Andreas Kistler im Basler Friedrich Reinhardt Verlag mit zahlreichen Beiträgen aus den Blickwinkeln verschiedener Kunstkritiker zu und über den Künstler

Dieses Kunstbuch stellt das große malerische Œuvre von Peter Baer, das sich in einer spannungsreichen Zone zwischen Figuration und Abstraktion bewegt erstmals in einer umfassenden Monografie vor.

   Buchumschlag: Friedrich Reinhardt Verlag

In dem Basler Verlag ist eben erst ein Bildband mit Werken des Basler Künstlers Peter Baer erschienen. Herausgegeben von Andreas Kistler heißt es im Vorwort über das bisherige Lebenswerk des Zeichners und Malers, daß dieser immer noch voller Tatendrank tätig ist, um leere Leinwände mit Farbe zu füllen. Kistler beschreibt den Künsler als "Solitär" innerhalb der Schweizer und Basler Kunstszene, wenn es denn eine ausgeprägte Kunstszene wie in Zürich auch in Basel geben sollte. Darunter leidet die Stadt im Dreiländereck, daß die Zürcher Szene in der Schweiz bevorzugt genannt wird, weil das Leben, die Taktung der Menschen viel nervöser ist und die Stadt damit über viel mehr Flair verfügt. Was natürlich ein Trugschluß ist, aber in gewissen Teilen auch national gewollt scheint, vielleicht weil Basel eine Grenzstadt ist und Einflüsse von außen zuviel Einfluß nehmen könnten. Ich schätze die Stadt Basel sehr.

"Solitär" nennt sich ein Kartenspiel im Windows Betriebssystem, ist aber hauptsächlich ein Lehnbegriff, der in der Architektur häufig Erwähnung findet und soviel bedeutet wie: allein stehendes Haus. In der Stadt finden sich Solitäre recht selten, weil der Platz einfach viel zu eng bebaut ist, als daß Raum dafür bliebe. Einzeln stehen höchstens Hochhäuser einmal, weil diese viel Platz um sich herum benötigen. Solitär in der Stadt zu sein, bleibt deshalb im allgemeinen ein schwieriges Unterfangen.

In Bezug auf das Oeuvre Peter Baers wiederum erweist sich das Solitär als impulsive Kraft voll expressiver Momente. Wuchtig und gegenläufig wie ein Brandungsstoß. Bisweilen aufgekratzte Malerei, dann wieder feingliedrig fast spinnenhaft langgezogene Figuren, die lange Schatten werfen. Monochrome Tafeln, sparsam im Farbumgang gezeichnet. Die großen Formate sind ebenso wie kleinformatiges vorhanden. 216 Seiten im Format 24 x 29,8 cm mit viel abgebildeter Malerei über die der Band verfügt.

Die vielen Portraits verdienen eigene Erwähnung, weil der Künstler sich intensiv mit Portraitmalerei beschäftigt, wobei nicht die naturalistische Wiedergabe im Vordergrund steht, sondern der expressive Ausdruck über das Bild entscheidet, welches gerade gemalt worden ist. Peter Baer ist Schweizer Maler, der über die Grenzen hinaus nach Deutschland bisher nur selten Fuß gefaßt hat, obwohl interessant wäre, wie seine Malerei in der Kunst aufgefaßt wird.

Die "Neuen Wilden" gehören bald der Vergangenheit an. Welcher Stil im Moment bestimmend ist, schwer zu sagen? Pure Malerei wenigstens, in wirtschaftlich knappen Zeiten, kann nicht ohne weiteres gefragt sein. Die "Art Frankfurt" wurde nicht zuletzt aus Konkurrenz zu "Art Basel" und "Art Cologne" und der Kunstmesse in Sao Paulo schon vor Jahren aus finanziellen Gründen ausgemustert. Ersatz wurde bisher nicht geschaffen. Stattdessen gibt es die Creativeworld, die sich neben Paper- und Christmasworld umfassend mit dem heimischen Bastler- und Künstlerbedarf beschäftigt. Auf welchem Niveau ist natürlich sehr fraglich. Zunächst ist das eine Order- und Fachmesse für fachbezogenes Publikum.

Der Kunstmarkt muß sich erholen, bevor Kunstinteressierte wieder tiefer in Tasche greifen. Bevor dieser Kreislauf wieder funktioniert, müssen erst die mediterranen Südländer auf Vordermann gebracht werden, von dort kommen die malerischen Energien. Doch es droht der Zusammenbruch. Was die Schweizer selbst zunächst nicht betreffen mag, aber Deutschland nördlich der Alpen befindet sich in einer Abhängigkeit und sollte nicht in den Strudel der Finanzlöcher mit hinab gesogen werden. Deshalb ist erst einmal Abstinenz angesagt gegenüber künstlerischen Mitteln. Doch das muß sich bald wieder ändern, sonst gehen die Künstler wie Topfpflanzen ein. Das wäre doch schade!

In Verbindung mit der Veröffentlichung stand die Ausstellung "Im Schatten des Widders" vom 24. September bis 16. Oktober 2011, im Projektraum 54 in Basel einschließlich Performance: Björnchens Epilog sowie Buchvernissage. Die Einführung hielt Guido Magnaguagno, der auch einer der Beitragsgeber im Buch über Peter Baer ist. Die Performance wurde als filmisches Dokument aufgezeichnet.

 

Titelseite

vom 27. Januar 2012