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In den Räumen, die von den
Jugendlichen mit Kunstwerken aus der Sammlung des MMK gestaltet
und eingerichtet wurden, waren schon viele Ausstellungen zu
sehen. Der Raum befindet sich im Parterre, der über eine
zusätzliche Treppe erreichbar ist, links im Innenraum neben der halbrunden
Treppe zum Foyer. Davor stehen zwei Vitrinen mit Hausmodellen.
Die Hauswand im Modell hat einen roten Anstrich. Auf der
Einladungskarte ist ein Ausschnitt davon abgebildet. Die Modelle
wirken sehr akkurat und zeugen von technischem Knowhow in der
Art wie sie präsentiert werden. Es sind zwei Modelle. Hausmodell
und Umgebungsmodell stehen fast unscheinbar nebeneinander, so
als hätten sie gar nicht viel mit der Ausstellung zu tun. Es
fehlt ein wenig die zielgerichtete Belichtung darauf. Die
eigentliche Ausstellung befindet sich im Raum, der über die
Eingangstreppe erreichbar ist und wie auf einer Empore einen
erhöhten Zustand zum Normalniveau im Parterre des Museums ergibt. Auch hier stehen Vitrinen mit Kunstwerken, wie Andreas Slominskis zusammengefaltete Handtücher.
Gegenüber ist Martin Honerts Junge am Tisch sitzend aufgestellt. Aber auch Bilder, die
auf den Kopf gestellt sind oder quadratische Fototafeln gehören
zum Ausstellungsprojekt. Das sieht einfach aus. Hier ein Bild,
dort ein Kunstgegenstand und schon ist eine Ausstellung
zusammengewürfelt. Doch so einfach ist das nicht, denn der
künstlerische Anspruch, der vermittelt werden soll, steht in
einem bestimmten Kontext, der nicht getrennt werden kann von der
Bedeutung, die gerade dieser Raum im MMK für die Ausstellung
behält. Die spektakulärsten Ausstellungen fanden in diesen
Räumlichkeiten schon statt, wie die von Murakami, der dort eine
Art Shop mit bunten Plüschfiguren eingerichtet hielt.
Die
Jugendlichen haben sich sehr intensiv mit der Frage der
Ausstellungsgestaltung beschäftigt. Gemeinsam wurden Modelle
erarbeitet, wovon die drei besten schließlich umgesetzt wurden.
Die
Modelle wurden am Ausstellungsraum ausgerichtet. Dabei halfen
auch Computeranimationen. Letztlich waren Modelle jedoch
entscheidend für die Raumgestaltung. Einer der Schüler, Marc,
erklärte während der Pressekonferenz zur Ausstellung am 15.
Dezember, daß Begriffe wie: Familie, Gemeinschaft, Essen,
Dekoration, Hygiene, Schlaforte und Gesellschaft ausschlaggebend
sind.
16 Schüler der
Ludwig-Börne-Schule in Frankfurt haben im MMK die Aufgabe des
Kuratoren übernommen. Das Ergebnis dieser intensiven
Zusammenarbeit mit dem MMK ist die Ausstellung "Zuhause".
Thematisch geht es im weitreichenden Sinne um eine
Begriffsdefinition.
Dabei können die Vorstellungen
ebenso schlicht wie komplex sein: Als Verbindung zwischen Vater,
Mutter und Kind kann „Zuhause“ in den Werken von Michael
Kalmbach, Hans-Peter Feldmann und Heiner Blum verstanden werden.
Stefan Exlers großformatige Fotografien von Jugendzimmern
verweisen auf die Beziehung zwischen Freunden und in den Werken
von Florian Slotawa kann sogar der kurzfristig konstruierte
Schlafplatz in einem Hotelzimmer ein Zuhause sein. Wo fängt ein
Zuhause an und wann hört es auf ein Zuhause zu sein? Die
Jugendlichen haben Werke ausgewählt, die diese unterschiedlichen
Vorstellungen des Begriffes aufgreifen und ausgehend von ihren
eigenen Auffassungen veranschaulichen. In der Ausstellung sind
die Jugendlichen jedoch nicht nur durch die von ihnen
ausgewählten Werke präsent, sondern sprechen die Besucher auch
direkt an. „Aus ihren eigenen Statements und Interviews mit
Passanten haben die jugendlichen Ausstellungsmacher einen
Videoguide für „Zuhause“ produziert. Per Smartphone kommen die
Jugendlichen somit beim Ausstellungsbesuch selbst zu Wort“, sagt
Kunstvermittlerin Katharina Mantel, die das Projekt geleitet
hat.
Im Rahmen
von „SHOW UP! 2011“ wählten Jugendliche die Werke aus der MMK
Sammlung aus und entwickelten einen Videoguide. Nachdem das MMK
mit dem Pilotprojekt „SHOW UP! 2010“ bereits mit dem
renommierten „Kinder zum Olymp-Preis“ der Kulturstiftung der
Länder ausgezeichnet wurde, setzt das Museum das erfolgreiche
Projekt mit der aktuellen Ausstellung fort.
Seit
August hatten die Schülerinnen und
Schüler aus der „SchuB-Klasse“ – einer Schulform welche Schule
und Betriebspraktikum miteinander verbinden will – die
Ausstellung vorbereitet. „Die Jugendlichen kommen durch das
Projekt zum ersten Mal mit Gegenwartskunst in Berührung. Es ist
enorm, welche Erfahrungen sie daraus mitnehmen und welches
Verständnis für Kunst sie entwickelt haben“, sagt Dr. Susanne
Gaensheimer, Direktorin des MMK.
Die
Ausstellung zeigt u.a. Werke von Paul Almasy, Anna und Bernhard
Blume, Heiner Blum, Stefan Exler, Hans-Peter Feldmann, Bernhard
Härtter, Martin Honert, Johannes Hüppi, Michael Kalmbach, Eva
von Platen, Cornelia Schmidt-Bleek, Florian Slotawa und Abisag
Tüllmann. Zuhause wurde kuratiert von Zelal Akbulut, Asli Bolat,
Alessandro Calvente, Fabio Costanza, Estefanio Da Silva, Dominik
Ebisch, Dominik Eschert, Tarik Ince, Kübra Karadeniz, Florian
Kirchner, Albert Lopoz, Tuana Özcelik, Giuseppe Pagano, Laura
Srsa, Marc Schwetz, Kübra Yurdakul. Mit freundlicher
Unterstützung durch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft
Frankfurt am Main und die Crespo Foundation.
Foto: Maass
Hier
auf dem Foto ein Ausschnitt aus besagtem Umgebungsmodell, außer
dem roten Haus kahl und leer, erinnert die Umgebung ein wenig an
das Testgelände für eine Atombombenexplosion, so rührend sind
die Überbleibsel der Bäumchen oder das was mit den leicht
geknickten Halmen gemeint ist. Milder ausgedrückt, könnte es
sich auch um einen Truppenübungsplatz mit leerstehendem Haus
handeln. Denn an einem solchen Ort zwischen einer
Autobahnschleife, würde bestimmt kein Gebäude stehen bleiben.
Wer sich mit moderner Kunst beschäftigt, ist jedenfalls
aufgefordert über die Normalität des alltäglichen hinauszugehen.
Die
ausgestellten Arbeiten unterscheiden sich, wobei Künstler in
Beziehung zueinander gesetzt werden. Das Prinzip ist intuitiv
entwickelt, wie Katharina Mantel erklärte. Beinahe nebenbei
wurde erwähnt, die Ausstellungseröffnung am 17. Dezember soll
auch als Referenz im Lebenslauf bei Vorstellungsgesprächen der
Jugendlichen dienen. Aber auch für die Musealen ist die
Projektarbeit sehr aufschlussreich. Über eine Vergütung für die
Arbeit als Kurator im MMK wollten die Jugendlichen jedoch nicht
sprechen. Die in der Obhut von Herrn Stüben stehenden gaben sich
ganz uneigennützig in der Frage der Bezahlung. Torsten Stüben
ist Schulbetreuer, der solche Projekte für Schüler und Schulen
organisieren hilft. Es bleibt auf eine Fortsetzung zu hoffen.
www.mmk-frankfurt.de
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