Kooperationsprojekt  SHOW UP!  bis 25. 03. 2012


Zuhause  -  Ausstellung mit Jugendlichen im MMK in Frankfurt

   Flyer: Museum für Moderne Kunst

In den Räumen, die von den Jugendlichen mit Kunstwerken aus der Sammlung des MMK gestaltet und eingerichtet wurden, waren schon viele Ausstellungen zu sehen. Der Raum befindet sich im Parterre, der über eine zusätzliche Treppe erreichbar ist, links im Innenraum neben der halbrunden Treppe zum Foyer. Davor stehen zwei Vitrinen mit Hausmodellen. Die Hauswand im Modell hat einen roten Anstrich. Auf der Einladungskarte ist ein Ausschnitt davon abgebildet. Die Modelle wirken sehr akkurat und zeugen von technischem Knowhow in der Art wie sie präsentiert werden. Es sind zwei Modelle. Hausmodell und Umgebungsmodell stehen fast unscheinbar nebeneinander, so als hätten sie gar nicht viel mit der Ausstellung zu tun. Es fehlt ein wenig die zielgerichtete Belichtung darauf. Die eigentliche Ausstellung befindet sich im Raum, der über die Eingangstreppe erreichbar ist und wie auf einer Empore einen erhöhten Zustand zum Normalniveau im Parterre des Museums ergibt. Auch hier stehen Vitrinen mit Kunstwerken, wie Andreas Slominskis zusammengefaltete Handtücher. Gegenüber ist Martin Honerts Junge am Tisch sitzend aufgestellt. Aber auch Bilder, die auf den Kopf gestellt sind oder quadratische Fototafeln gehören zum Ausstellungsprojekt. Das sieht einfach aus. Hier ein Bild, dort ein Kunstgegenstand und schon ist eine Ausstellung zusammengewürfelt. Doch so einfach ist das nicht, denn der künstlerische Anspruch, der vermittelt werden soll, steht in einem bestimmten Kontext, der nicht getrennt werden kann von der Bedeutung, die gerade dieser Raum im MMK für die Ausstellung behält. Die spektakulärsten Ausstellungen fanden in diesen Räumlichkeiten schon statt, wie die von Murakami, der dort eine Art Shop mit bunten Plüschfiguren eingerichtet hielt. Die Jugendlichen haben sich sehr intensiv mit der Frage der Ausstellungsgestaltung beschäftigt. Gemeinsam wurden Modelle erarbeitet, wovon die drei besten schließlich umgesetzt wurden.

Die Modelle wurden am Ausstellungsraum ausgerichtet. Dabei halfen auch Computeranimationen. Letztlich waren Modelle jedoch entscheidend für die Raumgestaltung. Einer der Schüler, Marc, erklärte während der Pressekonferenz zur Ausstellung am 15. Dezember, daß Begriffe wie: Familie, Gemeinschaft, Essen, Dekoration, Hygiene, Schlaforte und Gesellschaft ausschlaggebend sind.

16 Schüler der Ludwig-Börne-Schule in Frankfurt haben im MMK die Aufgabe des Kuratoren übernommen. Das Ergebnis dieser intensiven Zusammenarbeit mit dem MMK ist die Ausstellung "Zuhause". Thematisch geht es im weitreichenden Sinne um eine Begriffsdefinition. Dabei können die Vorstellungen ebenso schlicht wie komplex sein: Als Verbindung zwischen Vater, Mutter und Kind kann „Zuhause“ in den Werken von Michael Kalmbach, Hans-Peter Feldmann und Heiner Blum verstanden werden. Stefan Exlers großformatige Fotografien von Jugendzimmern verweisen auf die Beziehung zwischen Freunden und in den Werken von Florian Slotawa kann sogar der kurzfristig konstruierte Schlafplatz in einem Hotelzimmer ein Zuhause sein. Wo fängt ein Zuhause an und wann hört es auf ein Zuhause zu sein? Die Jugendlichen haben Werke ausgewählt, die diese unterschiedlichen Vorstellungen des Begriffes aufgreifen und ausgehend von ihren eigenen Auffassungen veranschaulichen. In der Ausstellung sind die Jugendlichen jedoch nicht nur durch die von ihnen ausgewählten Werke präsent, sondern sprechen die Besucher auch direkt an. „Aus ihren eigenen Statements und Interviews mit Passanten haben die jugendlichen Ausstellungsmacher einen Videoguide für „Zuhause“ produziert. Per Smartphone kommen die Jugendlichen somit beim Ausstellungsbesuch selbst zu Wort“, sagt Kunstvermittlerin Katharina Mantel, die das Projekt geleitet hat.

Im Rahmen von „SHOW UP! 2011“ wählten Jugendliche die Werke aus der MMK Sammlung aus und entwickelten einen Videoguide. Nachdem das MMK mit dem Pilotprojekt „SHOW UP! 2010“ bereits mit dem renommierten „Kinder zum Olymp-Preis“ der Kulturstiftung der Länder ausgezeichnet wurde, setzt das Museum das erfolgreiche Projekt mit der aktuellen Ausstellung fort.

Seit August hatten die Schülerinnen und Schüler aus der „SchuB-Klasse“ – einer Schulform welche Schule und Betriebspraktikum miteinander verbinden will – die Ausstellung vorbereitet. „Die Jugendlichen kommen durch das Projekt zum ersten Mal mit Gegenwartskunst in Berührung. Es ist enorm, welche Erfahrungen sie daraus mitnehmen und welches Verständnis für Kunst sie entwickelt haben“, sagt Dr. Susanne Gaensheimer, Direktorin des MMK.

Die Ausstellung zeigt u.a. Werke von Paul Almasy, Anna und Bernhard Blume, Heiner Blum, Stefan Exler, Hans-Peter Feldmann, Bernhard Härtter, Martin Honert, Johannes Hüppi, Michael Kalmbach, Eva von Platen, Cornelia Schmidt-Bleek, Florian Slotawa und Abisag Tüllmann. Zuhause wurde kuratiert von Zelal Akbulut, Asli Bolat, Alessandro Calvente, Fabio Costanza, Estefanio Da Silva, Dominik Ebisch, Dominik Eschert, Tarik Ince, Kübra Karadeniz, Florian Kirchner, Albert Lopoz, Tuana Özcelik, Giuseppe Pagano, Laura Srsa, Marc Schwetz, Kübra Yurdakul. Mit freundlicher Unterstützung durch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main und die Crespo Foundation.   Foto: Maass

Hier auf dem Foto ein Ausschnitt aus besagtem Umgebungsmodell, außer dem roten Haus kahl und leer, erinnert die Umgebung ein wenig an das Testgelände für eine Atombombenexplosion, so rührend sind die Überbleibsel der Bäumchen oder das was mit den leicht geknickten Halmen gemeint ist. Milder ausgedrückt, könnte es sich auch um einen Truppenübungsplatz mit leerstehendem Haus handeln. Denn an einem solchen Ort zwischen einer Autobahnschleife, würde bestimmt kein Gebäude stehen bleiben. Wer sich mit moderner Kunst beschäftigt, ist jedenfalls aufgefordert über die Normalität des alltäglichen hinauszugehen.

Die ausgestellten Arbeiten unterscheiden sich, wobei Künstler in Beziehung zueinander gesetzt werden. Das Prinzip ist intuitiv entwickelt, wie Katharina Mantel erklärte. Beinahe nebenbei wurde erwähnt, die Ausstellungseröffnung am 17. Dezember soll auch als Referenz im Lebenslauf bei Vorstellungsgesprächen der Jugendlichen dienen. Aber auch für die Musealen ist die Projektarbeit sehr aufschlussreich. Über eine Vergütung für die Arbeit als Kurator im MMK wollten die Jugendlichen jedoch nicht sprechen. Die in der Obhut von Herrn Stüben stehenden gaben sich ganz uneigennützig in der Frage der Bezahlung. Torsten Stüben ist Schulbetreuer, der solche Projekte für Schüler und Schulen organisieren hilft. Es bleibt auf eine Fortsetzung zu hoffen.

www.mmk-frankfurt.de

 

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vom 23. Dezember 2011