WOHA  -  Architektur atmet - bis 29. 04. 2012


Auf Einladung des DAM in Frankfurt - WOHA hat mit "The Met" den Hochhauspreis 2010 gewonnen und liefert ein absolut ökologisch ausgewogenes Konzept, das auf Hochhäuser und Gebäudekomplexe jeder Größe international ausgeweitet werden kann

 Foto: Maass   

Im Deutschen Architekturmuseum läuft eine visionär-utopische Ausstellung von WOHA mit den Architekten Wong Mun Summ und Richard Hassell aus Singapur. Mit "The Met" hat das Architekturbüro eines seiner visionär-ökologischen Projekte verwirklicht. Von dem über 100 Meter hohen Gebäude in Bangkok wird gesagt, es sei eine zukunftsweisende Architektur im Hochausbau. Das Grünzeug überwiegt. Die Gebäude verfügen über ein grünes Kleid, das sich bis in die baulichen Strukturen und bis in die kleinste Ritze und schmalste Fuge hinein übertragen läßt. Wie mit Flüssigkeit aufgefüllte Standzylinder aus Glas in denen das vegetative System wie eine Masse hin- und herschwappt und Gefahr läuft gleich überzulaufen. Eine Architektur die pulsiert und atmet.

Das vegetative System soll allmählich Oberhand über das gesamte Gebäude gewinnen und dieses von unten bis oben durchdringen. Einige Jahre wird das dauern bis das Konzept verwirklicht ist. Die äußerst stabile Zellstruktur der Baumstammfasern wurde auf die Statik des Gebäudes übertragen und manifestiert einmal mehr sich an der Natur zu orientieren. Tiefe durchgehende Hohlräume wurden in Betonplatten eingefaßt, damit Licht und frische Luft die Zirkulation anregen.

Für das Wasserreservoire wurde gesorgt, damit eine Vielfalt an Pflanzen gleich bewässert und Pflanzenwachstum angeregt wird. Das geschieht in Thermen, die im Gebäudeinneren verschwinden und in offenen Wasserbecken, die zum baden einladen und ein dekoratives Moment in umbauter Landschaft abgeben. Es ist in Asien eben der Lotusblüteneffekt, der zum Zuge kommen soll.

Natürlich wird dafür viel Personal benötigt. Schließlich soll der häusliche Wohlstand gewahrt bleiben. Die Asiaten bringen sehr viel Sinn für das kleinteilige mit. Der Gedanke ist, in Städten wie Singapur und Bangkok wimmelt es nur so von Arbeitssuchenden, die mit "The Met" eine Lösung ihrer Probleme geboten bekommen, weil die Instandhaltung sehr aufwendig ist und bewußt so gehalten wurde. Hier soll ein Ausgleich zwischen arm und reich geschaffen werden. Die individuelle Note, die geschaffen werden soll, kann nur durch die Verantwortung jedes einzelnen Mitarbeiters gewährleistet sein.

WOHA bietet mit "The Met" und anderen Projekten ein Gesellschaft übergreifendes Konzept der Zukunft. Und einige Großprojekte mehr wurden schon umgesetzt, weitere sollen folgen. Davon erzählt die Ausstellung. Großformatige Plakatwände geben ein Bild von der Idee. Neben hervorragend arrangierten Architekturmodellen mit viel Grün und menschlichen Figuren wurden große Farbtafeln an den Außenwänden der Ausstellung im Parterre des Museums mit Computer-Animationen und realen Aufnahmen verschiedenster WOHA Projekte bestückt. Das hat bei der Betrachtung etwas visionäres an sich.

Nahperspektiven, die in das von Pflanzen umwucherte Geschehen hineinführen, geben Einblick in das aktuelle Konzept von WOHA. Eine Zeitenwende soll sich vollziehen, die sich in Architektur und im Städtebau gleichermaßen wiederfindet. Die asiatischen Länder, womit auch China gemeint sein soll mit übergroßen Dimensionen, müssen diesen Schritt der ökologischen Zukunft bewältigen. Das zu hinterfragen, hat sich WOHA zur Aufgabe gestellt.

Das Architekturbüro wurde bereits in den 1990er Jahren mit tropisch-offenen Einfamilienhäusern bekannt. Mittlerweile bauen sie vorwiegend Hochhäuser oder Großstrukturen. Einen Mega-Wohnpark in Indien sowie Büro- und Hoteltürme in Singapur, die als Grünlandschaft in einer neuen vertikalen Dimension erscheinen. Klimaanlagen sind in den perforierten Bauten nur noch Zusatzaggregat. Die offene Bauweise sorgt für Kühlung. Natürliche Belichtung ist Standard. Solarmodule gewinnen Energie für den Verbrauch im Gebäude. Brauch- und Regenwasser wird gesammelt und aufbereitet.

 

 

 

 

Durchlässigkeit für Klima und Natur, Gemeinschaftsbereiche und vertikale Begrünung werden in einer Einzelausstellung vorgestellt. 19 Projekte von WOHA, aufgeteilt in vier Kategorien: Permeable Einfamilienhäuser; offene Schul- und Gemeinschaftsbauten; poröse Türme; durchlässige Hotels und Resorts werden etwa auf 500 Quadratmetern mit großformatigen Fotos und Plänen, Projekttexten, digitalen Bildern und Modellen präsentiert. Bei der Eröffnungsrede zur Ausstellungseröffnung am 1. Dezember sprach auch die Grünenvertreterin Carolina Romahn, Leiterin des Kulturamtes im Frankfurter Römer und bekundete ihr Anliegen am ökologischen Umbau.

WOHAS's Architektur ist geprägt von den Kulturen Südostasiens und dem Standort ihres Büros im Stadtstaat Singapur: 130 Kilometer nördlich des Äquators mit ganzjährig gleichbleibenden Tagestemperaturen um die 32° C, die nachts auf 23° C fallen, und heftigem Regen während der Monsunmonate.

 

 

 

 

 

 

Zentrale Bedeutung der nationalen Identität hat der öffentliche Wohnungsbau. Die staatliche Wohnungsbaugesellschaft Housing and Developement Board (HDB) erstellt mit ihren Bauprogrammen den Wohnraum für beinahe 85 Prozent der Bevölkerung als Wohnungseigentum. Hauptanliegen ist es in Singapur und Bangkok, die verschiedenen ethnischen Gruppen zu durchmischen.

Neben der vertikalen Fortbewegung der Aufzüge gibt es ebenso Bewegungsformen in der Horizontalen. Auf den übereinander gestapelten waagrechten Ebenen der "Multiple Ground levels" können die Bewohner flanieren und verweilen, so als ob ebeneerdige städtische Bereiche mit ihren Plätzen, Parks und Wegen in der Höhe übereinander multipliziert wurden.

Siehe auch:   Internationaler Hochhauspreis 2010 an "The Met" von WOHA Architects in Bangkok

 

 

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vom 17. Dezember 2011