Die Beckmann
Ausstellung im Städelmuseum beschäftigt sich mit den Jahren des
Künstlers, die er in Amerika verbrachte. Er kehrte nach seiner
Auswanderung 1947 in die Staaten nicht mehr nach Deutschland zurück.
Bisher gehörten diese Jahre nicht ins Zentrum seines Schaffens. Die
Rede war bisher immer vom allzu klischeehaften mit dem die Bilder
der amerikanischen Jahre
behaftet sind. Im Grunde hätte sich Beckmann nicht mehr lösen können
von der Malerei, die er vor allem in Europa in den Jahren in
Frankfurt und Amsterdam erworben hatte. Das waren seine Hauptjahre,
viele seiner unvergleichlichen Werke entstanden in dieser Zeit.
Was
die Ausstellung in Frankfurt präsentiert und zum Teil aus privaten
Sammlungen stammt, zeichnet eines neues Bild in dieser Phase.
Praktisch wird damit eine Aufarbeitung der letzten
Schaffensjahre vorgenommen. Bei der Betrachtung der Bilder in der Städelausstellung
werden diejenigen Inhalte offensichtlich, die nur in Übersee
entstanden sein können. Ein Sonnenaufgang am Mississippi, die
Wassermühle im Wald oder der Sturz eines Mannes aus einem Hochhaus
in New York senkrecht in eine Häuserschlucht, wie hier
"Abstürzender", 141 x 88.9 cm, Öl auf Leinwand (1950). Das andere
abgebildete Werk nennt sich "Mühle im Eukalyptuswald (Mills
College)", 139,5 x 61 cm , Öl auf Leinwand (1950). Weiter unten ist
der "Morgen am Mississippi", 59,5 x 80 cm, Öl auf Leinwand (1949)
abgebildet. Die starken Konturen nehmen im Spätwerk scheinbar an
Dichte zu. Sie besitzen zwar noch den typischen Duktus von Beckmann,
entfernen sich damit aber aus der Vergangenheit in seiner neuen
Heimat. Bei den Amerikanern ist die Kunstvermittlung und das Neue in
der Malerei viel wichtiger. In Europa dominierte die verinnerlichte
Sicht und der Rückblick auf die vielen Vorbilder in der Malerei aus
der Vergangenheit, was sich auf das Ergebnis malerisch
niederschlägt.
Der einzigartige Charakter des Künstlers auch in Amerika voller
Selbstbewußtsein aufzutreten und sein Werk nicht in Frage zu
stellen, haben sich gelohnt. Beckmann behielt den Anspruch eine tiefer gehenden Kunst,
obwohl seine Formensprache einfach und expressionistisch ist. Ein
Erlebnis für die Sinne sind auch die späten Jahre Max Beckmanns. Die
Ausstellung wurde vom Hessischen Kulturfond gefördert, der damit
seine Reihe Expressionismus in Hessen abschließt und sich thematisch
stärker der Romantik in Hessen widmen wird.
Zur Ausstellung ist ein Katalog mit 280 Seiten bei Hantje und
Cantz erschienen, herausgegeben von Jutta Schütt mit zahlreichen
Beiträgen auch anderer Autoren. Viele Selbstbildnisse Beckmanns
finden sich und Zeichnungen auf Papier. Darunter sind auch mehrere Frauenbildnisse
zu entdecken. Es gibt Stadtansichten aus der Fremde, Öl auf
Leinwand, mit Straßengewirr und
Häusersilhouette. Insgesamt 110
Exponate auf zwei Etagen verteilt, die sich im Katalog abgebildet
finden. Mehrere große Tryptichen hängen in der Ausstellung, auch
sonst werden viele unbekannte Werke aufgeführt.