Der Wechselkurs der isländischen Währung
stürzte ab. Die Hausbesitzer überschuldeten sich. Das Volk
revoltierte, wählte seine Regierung ab und ächtete die wenigen
Hauptverursacher derart, dass diese fortan (mitsamt Devisenreserven)
ein Leben im Exil führen mussten. Doch das Leben geht weiter – und
die Isländer, die über Jahrhunderte ein armes, entbehrungsreiches
aber auch erfindungsreiches Leben geführt haben, müssen sich wieder
auf ihre ursprünglichen Charaktereigenschaften besinnen.
Wen erstaunt es, wenn die Geothermie eine wirtschaftlich genutzte
Ressource des Landes ist. Es müßte heißen, die wirtschaftlich
genutzte Ressource. Die Fontänen heißer Geysire sind ein nicht mehr
wegzudenkendes Nationalsymbol verknüpft mit der Insel im
Nordatlantik.
Island ist ein sehr junges Land. Eine eigene
Architekturgeschichte gibt es überhaupt erst seit Ende des 19.
Jahrhunderts als neue Bauformen aus Europa nach Island
überschwappten. Vorwiegend aus den skandnavischen Ländern kamen
Einwanderer und brachten diese mit.
Die sogenannte Holzrahmenbauweise mit geteerten Wänden und
Giebeldächern breitete sich seit dem frühen 19. Jahrhundert
insbesondere in Reykjavík und anderen kleinen Handelsorten entlang
der Küste schnell aus. Im Verlauf des Jahrhunderts wurde die
Architektur der Holzhäuser zunehmend weiterentwickelt. Ab 1870 gab
es eine starke Verbreitung der in Fertigbauweise vorfabrizierten
Holzhäuser, wie sie von norwegischen Heringhändlern und Walfängern
nach Island gebracht wurden. Dieser Einfluss manifestierte sich als sogenannter Schweizer Stil (deutscher Begriff auch in Island), der
die abschließende Phase der Holzkonstruktion prägte, welche ungefähr
bis 1915 andauerte.
Überwiegend großformatige Fotografien werden in der Ausstellung
im DAM präsentiert, die eine Entwicklung vorwegnehmen, die noch gar
nicht so recht in Gang gekommen ist. Island ist das Land der
Zukunft. In Zeiten zunehmender Mobilität dürften die Möglichkeiten
der Entwicklung groß genug sein. Ausgehend von einem alles
überragenden Naturschutz gestaltet sich die bizarre Oberfläche des
Landes immer mehr. Unter der verkrusteten Lava schlummern
Energieressourcen, die erst mit den neuen Technologien
wirtschaftlich genutzt werden können.
Mit der Bankenkrise änderte sich für
die Isländer zwar einiges, weil die Banken kollabierten und die
Regierung sich im Glücktaumel wirtschaftlichen Aufstiegs befand.
Nach dem Aufstieg kommt der Fall, das hat sich am Beispiel Island
einmal mehr erwiesen. Das Blatt hat sich gewendet, weil die
Bankenkrise zu einem internationalen Problem wird und immer mehr
paradoxe Züge annimmt. Die Protestbewegung gegen die Banken und
deren unverantwortliches Handeln ist vor den
Toren der Europäischen Zentralbank angekommen, um dort ihren Unmut kund
zu tun.
Der Versuch der Isländer in die europäische
Währungsunion aufgenommen zu werden, sei ihnen gegönnt. Welche
Qualitäten Island zu bieten hat für den Mitteleuropäer ist noch
nicht ausgesprochen worden. Dabei ist Europa herzlich willkommen in
Island. Der Norden hat es von je schwerer gehabt im Umgang mit dem
menschlichen Dasein wegen der Kälte im Winter. Deshalb sollten Dinge des
Haushalts im Land zum Wohle der Bevölkerung geregelt sein und in
Ordnung gehalten werden. Die Isländer verstehen sich schon eine
Weile als Schweizer
des Nordens. Eine lange Freundschaft verbindet den Inselstaat mit
den skandinavischen Ländern. Schweden, Dänemark und Norwegen haben
von je her einen guten Ruf in Island gehabt. Die Norweger stellen
sogar Geder zur Kulturförderung des Landes und zum kulturellen
Austaus zur Verfügung.