Im
Portikus wurde ein neuer Ausstellungsbereich im
oberen Stockwerk eingerichtet. Ein Bereich der
bisher so nicht genutzt werden konnte, obwohl
die Architektur des Raumes eine solche Nutzung
zuläßt. In manchen Punkten wäre diese
Möglichkeit von je her gefordert gewesen. Der
architektonische Anspruch, der mit dem Gebäude
verknüpft ist, spricht sich allerdings dagegen
aus, was den Ausbau bisher verhinderte. Die
Akustik des Saales im Parterre vermittelt etwas
großartiges und großräumiges. Die Kunst schafft
sich eigene Dimensionen, wenn ihr die
Möglichkeiten dazu gegeben werden. Was eine
Notwendigkeit ist um Kunst schaffen zu können.
Der Portikus ist einzigartig als Gebäude und wie
geschaffen für die Städelschule. Der beinahe
gotische Eindruck im Innenraum und das spitze
Dach haben etwas Erhabenes, was im
Gesamteindruck unbedingt erhalten bleiben
sollte. Das gilt nach dem Willen des Architekten
Christoph Mäckler wie den zuständigen Stellen
bei der Stadt. An dieser Vorgabe hatte auch der
philosophische Städelschuldirektor
Daniel Birnbaum festgehalten. Der neue Direktor, Nikolaus Hirsch hat dieses
Sakrileg jetzt durchbrochen, mit gutem Grund,
denn er war vorher von Beruf Architekt und kann
genau begründen, welche Eigenschaften einem Raum eigen sind und welche Ausstellungsansprüche
insbesondere für die Städelschule damit
verknüpft werden.
Als Weiterführung der räumlichen Umgestaltung
und verdoppelten Ausstellungsfläche der seit
Kurzem installierten Zwischendecke stellt der
Portikus in dieser Ausstellung zwei
künstlerische Positionen gegenüber. Es ist das
erste Mal in der Geschichte des Portikus, daß
solch eine offensichtliche räumliche Trennung
stattfindet. Die architektonische Isolierung
soll in diesem Fall allerdings eher auf eine
Analogie als auf eine Trennung hindeuten, denn
die Arbeiten von Michael Pfrommer und Adrian
Williams entwickeln sich seit vielen Jahren
parallel zu einander und sind in vieler Hinsicht
verwandt.
Michael Pfrommers Gemälde und Zeichnungen
erzählen von mystischen Weltenräumen. Seine
Motive zehren von den alltäglichen Eindrücken
seiner Umgebung und der seiner Freunde und
Familie. Er erinnert Fragmente aus Filmen,
Musikstücken, Liedertexten und Bildgeschichten
und verstrickt diese immer wieder aufs Neue
miteinander, um für ihn bedeutsame Momente
einzufangen oder zu erfinden.
Es ist eine Malerei, die nicht
sehr exakt mit den Konturen umgeht. Malerei mit
dem Farbauftrag konzipiert. Zusätzlich sind die
Bilder durch stark graphische Elemente
verfeinert. Wobei diese Zeichnungen stark
idealisiert wirken und wenig Sinn für den
Realismus übrig haben oder einem eigenen
Realismus folgen. Als seien sie aus einer
bestimmten Laune oder Stimmung heraus
entstanden. Das Willkürliche des Figürlichen
setzt sich aus Schraffuren und den Bestandteilen
daraus zusammen. Kubische Formen entstehen, sie
bestimmen den Bildeindruck. Manche Bilder wirken
wie Rätselbilder, wenn ein
Schienenstrang auf der Strecke nicht weiterführt
oder unterbrochen ist. Architektonische Elemente
kommen häufig vor, wie hier die Silhouette eines
Kompakthauses auf dünnen Stützen oder Stelzen
zwischen dunklen Stämmen mitten im Wald. Das
Gebäude scheint sich auf seinen dünnen Beinen
fortzubewegen oder hinter dem Stamm verstecken
zu wollen. Gleichzeitig ist die Farbe
durchscheinend, was auf eine Bedeutung als
Mischwesen hindeutet. Ein wenig unbeholfen sieht
das aus.
Es gibt berühmte Beispiele, die
diese einfache Bildsprache beherrschen wie Max
Beckmann oder Picasso dies taten. Die Bilder Michael Pfrommels haben jedoch nicht diese Brillianz,
sondern gehören in einen Kontext, der verstanden
sein will. Die Bilder wurden in Petersburger
Hängung und wie in einem Kuriosenkabinett
übereinander und nebeneinander im Portikus gehängt. Dadurch
entsteht der Eindruck der Vielfältigkeit. Wie
bei einem Mindmapping, wenn
unterschiedliche Notizen aufgepiekst wurden
und sich dadurch ein Gesamteindruck kulminiert.
Die Ergebnisse variieren von verunstaltet
wirkenden Selbstportraits und skurrilen Comic-
Figuren über trost- oder reglose Landschaften
bis hin zu subtil komponierten Stillleben. Man
erkennt in den Bildern Pfrommers Faszination für
Maler wie Bernard Buffet, James Ensor und
Francisco de Goya, deren düstere, oft makaber
und zutiefst erschütternde Bilder menschliche
und psychische Zustände darstellen.
Pfrommers besondere Fähigkeit liegt darin, den
für ihn sichtbaren, oftmals abgründigen
Zuständen – seien sie gesellschaftlich oder
persönlich – mit Feinsinn und Humor zu begegnen.
Dies wird auch durch seine schematische
Herangehensweise betont, nämlich ständig und
immer auf dem gleichen Papierformat zu
produzieren sowie Motive zu wiederholen,
überarbeiten oder nach geraumer Zeit wieder
aufzunehmen. Es entsteht ein hermeneutisches
Werk, das bestimmte Impressionen, Orte, Objekte
und Personen immer wieder auftauchen lässt. Die
Repetition, das rastlose, fast zwanghafte
Fortfahren, ist zentraler Bestandteil Pfrommers
Arbeit, welche in dieser Ausstellung erstmals in
solch einem Umfang und in all ihrer
Vielschichtigkeit präsentiert wird.
Aufführung/Performance
Adrian Williams
Mittwoch, 5. Oktober 2011, 19 Uhr, Portikus
Adrian Williams nimmt mit ihrer neuen Arbeit das
obere, temporäre Stockwerk ein. Sowohl die
akustische Situation als auch der Raum sind für
die bis ins Detail entwickelten Aufführungen von
Adrian Williams ein ideales Setting. In der
Ausstellung wird das Stück, welches in mehrere
Kapitel unterteilt ist, über die gesamte
Laufzeit der Ausstellung zusammen mit den
teilnehmenden Musikern und Schauspielern
weiterentwickelt und einmal wöchentlich
aufgeführt. Die bühnenbildartige Installation
funktioniert während der Öffnungszeiten für die
Künstlerin und ihr Team als öffentlicher
Proberaum. So verwandelt sich die gesamte
Zwischendecke zu einem voluminösen Klangkörper,
der Stimmen und Laute in den unteren
Ausstellungsraum transportiert.
Adrian Williams’s new work occupies the
temporary upper floor at Portikus, which
provides an ideal setting for her carefully
planned performances. The piece, which is
subdivided into several chapters, will be
subject to ongoing elaboration. During the
opening hours the stage design like
installation will serve the artist and her
team as a public rehearsal space and for a
performance once a week. The entire
intermediate ceiling is thus transformed
into a voluminous sounding body transmitting
voices and sounds to the lower exhibition
space.
Weitere Aufführungen von Adrian Williams:
Mittwoch, 12. Oktober, 19 Uhr
Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr
Mittwoch, 2. November, 19 Uhr
Ermöglicht durch die Stiftung Polytechnische
Gesellschaft, Frankfurt am Main
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PORTIKUS
Alte Brücke 2 / Maininsel
D-60594 Frankfurt am Main
Tel +49 (0)
69 962 44 54-0
Fax +49 (0) 69 962 44
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ÖFFNUNGZEITEN
Dienstag - Sonntag
11-18 Uhr
Mittwoch 11-20 Uhr
Montag geschlossen